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Kulturnachrichten

Samstag, 10. Oktober 2015

Jacob-Grimm-Preis für Asfa-Wossen Asserate

Jury lobt feinfühligen und mitreißenden Erzählton

Der äthiopische Prinz, Bestsellerautor und Unternehmensberater Asfa-Wossen Asserate ist in Kassel mit dem Jacob-Grimm-Preis des Kulturpreises Deutsche Sprache ausgezeichnet worden. Asserate erhalte den mit 30.000 Euro dotierten Preis dafür, dass er ein sorgfältiger Beobachter der Deutschen, ihrer Umgangsformen und ihrer Sprache sei, so die Jury. Asserates gehobener Erzählton sei feinfühlig und mitreißend zugleich, stets sachlich, aber auch ironisch und mitunter von herrlicher Komik. Dies sei beeindruckend für einen Schriftsteller, dessen Muttersprache nicht das Deutsche sei. Der dreiteilige Kulturpreis Deutsche Sprache wird seit 2001 von der Eberhard-Schöck-Stiftung und vom Verein Deutsche Sprache für besondere Verdienste um die deutsche Sprache vergeben. Preisträger waren bislang unter anderen Udo Lindenberg, Vicco von Bülow, Frank Schirrmacher und Dieter Nuhr.

Swetlana Alexijewitsch empfindet Nobelpreis als Verpflichtung

Die Weißrussin will sich weiterhin für Demokratie einsetzen

Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch sieht ihren Literaturnobelpreis als eine Verpflichtung, sich auch weiter für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen. "Enttäuscht oder erschöpft sein geht nicht mehr", sagte sie in Berlin. Die 67-jährige erzählte, wie der umstrittene weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko ihr einige Stunden nach der Verkündung in Stockholm persönlich gratuliert habe. "Das war ein bisschen komisch." Der russische Präsident Wladimir Putin und Regierungschef Dimitri Medwedew hätten sich nicht gemeldet. Alexijewitsch nannte es ihr Anliegen, Romane aus den wahren Geschichten von Menschen zu schreiben. "Es ist der Versuch, die Zeit zu erfassen, sie festzuhalten, etwas aus dem Chaos herauszuholen, in dem wir leben." Sie mache mit ihren Interviews aber keine journalistische Arbeit. "Ich sammle das Material wie ein Journalist, aber ich arbeite damit als Literat."

Kritik an Aufarbeitung von Gurlitt-Kunstfund

Jüdischer Weltkongress: Deutschland wird mehr erreichen müssen

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, hat sich enttäuscht gezeigt über die Aufarbeitung des "Schwabinger Kunstfundes" des inzwischen verstorbenen NS-Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt. "Als die Taskforce 2013 gegründet wurde, waren viele Leute, auch ich, optimistisch", sagte Lauder dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Man habe auf baldige Ergebnisse gehofft. Doch die Arbeit der Taskforce sei weit davon entfernt, vollendet zu sein. Angesichts der Tatsache, dass erst zwei Bilder an jüdische Familien zurückgegeben worden seien, sagte der Weltkongress-Präsident: "Deutschland hätte mehr erreichen können und wird mehr erreichen müssen." Cornelius Gurlitt besaß mehr als 1.500 Bilder, bei rund einem Drittel lasse sich nicht ausschließen, dass es sich um NS-Raubkunst handelt. Bei Hunderten weiterer Objekte reichen die bisherigen Erkenntnisse für eine genaue Zuordnung noch nicht aus.

Goslarer Kaiserring für Boris Mikhailov

Jury bezeichnet den ukrainischen Fotografen als wichtigen Chronisten

Der ukrainische Fotograf und Künstler Boris Mikhailov ist mit dem Kaiserring 2015 der Stadt Goslar ausgezeichnet worden. Der 77-Jährige ist nach Angaben der Preisjury einer der "wichtigsten Chronisten der sowjetischen und postsowjetischen Gesellschaft". Mikhailov sei ein Künstler, "der es sich ab den 1960er Jahre zur Aufgabe gemacht hat, auf konsequenteste Art die Bedingungen menschlicher Existenz festzuhalten", würdigte ihn der Direktor der Nationalgalerie in Berlin, Udo Kittelmann. Der undotierte Kaiserring gilt nach Angaben der Stadt Goslar zu den weltweit bedeutendsten Auszeichnungen in der modernen Kunst. Mikhailov erhielt bereits zahlreiche internationale Fotografie-Preise und stellte seine Arbeiten in Museen auf der ganzen Welt aus. Der Goslarer Kaiserring wird seit 1975 jährlich verliehen. Zu den Preisträgern zählen Henry Moore, Max Ernst, Joseph Beuys, Christo, Andreas Gursky, Bridget Riley, David Lynch, Olafur Eliasson und Wiebke Siem.

Luther-Schriften in Weltregister aufgenommen

47 Dokumente wurden von Unesco neu aufgenommen

Die Unesco hat Manuskripte, Briefe und Originaldrucke von Martin Luther ins Weltregister des Dokumentenerbes aufgenommen. Zu den frühen Schriften der Reformation gehören ein Handexemplar Luthers der Hebräischen Bibelausgabe und ein Plakatdruck der 95 Ablassthesen, wie die deutsche Unesco-Kommission in Bonn mitteilte. Sie seien Zeugnisse der Reformationsbewegung, die ihren Ursprung im 16. Jahrhundert in Wittenberg hatte und zu einer grenzüberschreitenden Erneuerungsbewegung geworden sei. Nominiert wurden die Schriften vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz. Insgesamt wurden 47 Dokumente neu aufgenommen, darunter theologische Schriften Isaac Newtons, koreanische Holzdruckblöcke aus der Zeit von Konfuzius und das älteste Buch Europas, "Derveni Papyrus".

Kulturrat kritisiert Freihandelsabkommen

Geschäftsführer Zimmermann sieht kulturelle Vielfalt bedroht

Der Deutsche Kulturrat hat seine Kritik an den geplanten Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union sowie den USA und Kanada verteidigt. Hauptanliegen der Vereinbarungen TTIP und CETA sei der Abbau von Handelshemmnissen, sagte der Geschäftsführer des Spitzenverbandes der Bundeskulturverbände, Zimmermann heute im Deutschlandradio Kultur. Allerdings seien diese im Bereich der Kultur in Deutschland gewollt eingebaut worden, um eine kulturelle Vielfalt zu ermöglichen. Die öffentliche Finanzierung von Museen, Theatern oder Opern oder die Buchpreisbindung sichere beispielsweise den Erhalt vieler verschiedener Buchhandlungen im Land oder Veröffentlichungen zunächst unbekannter, noch nicht marktgängiger Autoren. Daher seien Schutzmaßnahmen für den Kultur- und Medienbereich nötig.

Radisch kritisiert Literaturnobelpreis für Alexijewitsch

Radisch mahnt, Journalismus nicht mit Literatur zu verwechseln

Die Feuilleton-Chefin der "Zeit", Iris Radisch, hat ihre Kritik an der Vergabe des Literaturnobelpreises an die weißrussische Journalistin Swetlana Alexijewitsch verteidigt. "Literatur muss etwas Schöpferisches haben. Sie muss (...) eine eigene imaginative und weltverwandelnde Kraft haben", forderte Radisch. "Das ist bei Swetlana Alexijewitsch nicht der Fall. Sie hat Interviews geführt und O-Töne von Zeitzeugen bearbeitet", erklärte Radisch. "Und da liegt der Streit: Die einen sagen, sie hat ihre Interviews nach literarischen Kriterien bearbeitet. Das bestreite ich. Ich sage: Sie hat die O-Töne nach den Kriterien eines sehr guten Journalismus bearbeitet." Radisch kritisiert, dass Literatur zunehmend mit außerliterarischen Kriterien beurteilt und gewertschätzt wird.

Carolina Eyck bekommt Echo-Klassik-Preis

Theremin-Musikerin wird für Konzerteinspielung "Die acht Jahreszeiten" geehrt

Die sorbische Musikerin Carolina Eyck erhält in diesem Jahr den Echo-Klassik-Preis. Laut Deutscher Phono-Akademie bekommt die Künstlerin die renommierte Auszeichnung für ihre Einspielung von "Die acht Jahreszeiten" für Theremin und Horn des finnischen Komponisten Kalevi Aho. Der Echo sei ein weiterer Schritt, um dem Theremin seinen Platz in der Welt der klassischen Musik zu geben, sagte die Künstlerin der Deutschen Presse-Agentur. Das Instument erzeugt Töne mit Hilfe elektromagnetischer Felder, die durch Handbewegungen in der Luft verändert werden. Weltweit gibt es nur wenige Musiker, die das Theremin professionell beherrschen. Der Echo-Klassik-Preis wird am 18. Oktober im Berliner Konzerthaus übergeben. Insgesamt bekommen 60 Künstler die Trophäe - darunter der Pianist Lang Lang und das Kronos-Quartett.

Chefredakteur in Türkei festgenommen

Der Vorwurf: Beleidigung von Präsident Erdogan

Wenige Wochen vor der Parlamentswahl in der Türkei ist Medienberichten zufolge der Chefredakteur einer regierungskritischen Zeitung festgenommen worden. Bülent Kenes von der englischsprachigen Zeitung "Today's Zaman" werde zur Last gelegt, Präsident Recep Tayyip Erdogan beleidigt zu haben, berichteten Medien. Kenes sei am gesern Abend in seinem Büro in Istanbul verhaftet worden. Vor dem Gebäude der Redaktion protestierten rund 200 Menschen gegen die Festnahme. "Sie versuchen, die Medien mundtot zu machen", wurde Kenes in den Berichten zitiert. "Das passt nicht zur Türkei. Unser Volk wird dies niemals akzeptieren."

Gurlitt-Erbe soll ausgestellt werden

Ende 2016 soll die Kunsthalle in Bonn die Werke zeigen

Kulturstaatsministerin Monika Grütters will das heikle Erbe des Münchner Kunstsammlers Cornelius Gurlitt ausstellen. Ende 2016 soll die Kunsthalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn Werke zeigen, die womöglich jüdischen Vorbesitzern gehörten, also NS-Raubkunst sein könnten. Ein Sprecher von Grütters bestätigte einen entsprechenden "Spiegel"-Bericht. Derzeit versucht eine sogenannte Taskforce zu klären, welche Bilder aus dem Gurlitt-Erbe tatsächlich als NS-Raubkunst einzustufen sind. Erbe der Sammlung ist das Kunstmuseum Bern. Eine Cousine des Sammlers hat das Testament allerdings angefochten. Mit diesem sei vereinbart, dass Bilder mit nicht hinreichend erklärter Herkunft ausgestellt werden könnten, um Transparenz zu schaffen, sagte der Sprecher. Berechtigte sollten dabei jederzeit die Möglichkeit haben, ihre Ansprüche geltend zu machen. Zugleich solle an die ursprünglichen Eigentümer und ihre Biographien erinnert werden. Einzelheiten würden derzeit zwischen allen Beteiligten geklärt. Der 2014 gestorbene Gurlitt hat eine milliardenschwere Kunstsammlung hinterlassen. Bei rund 500 Werken kann nach derzeitigen Erkenntnissen der Taskforce der Verdacht auf NS-Raubkunst nicht ausgeschlossen werden.

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Fazit

Neu im KinoPure Perfektion aus China
Filmszene aus "The Assassin" des chinesisch-taiwanesischen Regisseurs Hou Hsiao-Hsien, der 2015 auf den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. Das Foto zeigt die Hauptdarstellerin Shu Qi (picture alliance/dpa/Cannes Film Festival)

Als berauschender Bilderreigen wurde "The Assassin" bereits 2015 in Cannes gefeiert. Jetzt läuft er in Deutschland an, und unser Filmkritiker lobt: Der Film sei reine Schönheit und könne es mit der Wucht eines Shakespeare-Dramas aufnehmen.Mehr

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