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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 23.02.2011

"Jack in Love"

Verkupplungskomödie mit dem großartigen Philip Seymour Hoffman

Von Hans-Ulrich Pönack

In seinem Regie-Debüt bewegt sich der Oscar-Preisträger auf Woody-Allen-Terrain und hat eine Verkupplungskomödie auf die Leinwand gezaubert, die durch ihre Leichtigkeit und natürlich auch durch die Präsenz ihres Hauptdarstellers besticht.

"Es ist nicht schwer, in deiner Nähe in positiver Stimmung zu sein", lautet eine zutreffende Dialogzeile in diesem Film. Dessen amerikanischer "Deutsch-Titel" nicht der originale Titel ist. Der lautet "Jack Goes Boating" und basiert auf dem 2007 erstaufgeführten gleichnamigen Off-Broadway-Bühnenstück von Bob Glaudini, der auch das Drehbuch für den Film verfasste. Für das Regie-Debüt des für mich derzeit mit-besten Schauspielers überhaupt: Philip Seymour Hoffman, der schon auf der Bühne in dem Titelpart brillierte. Und nun auch die Film-Regie übernahm.

Der 43jährige New Yorker "Oscar"-Preisträger ("Capote") gilt als Arthouse-Ikone und hat sich in den letzten Jahren in den unterschiedlichsten Rollen phantastisch hervorgetan: Als ebenso unscheinbarer wie tricksender Bankangestellter und Spieler in "Owning Mahony" (2003, ein Film, den es bei uns noch zu entdecken gilt); als exzentrisches Schriftsteller-Unikum "Capote" (2005); als mörderischer Bruder in Sidney Lumets Meisterwerk "Tödliche Entscheidung – Before the Devil Knows You´re Dead" (2007); als lebensfroher Discjockey-Pirat in "Radio Rock Revolution" (2009). Jedesmal geballte Power-Präsenz pur. Charismatisch, packend, belebend. Ereignisreich. Spannend. Auf- wie anregend. Die "korpulente" Ähnlichkeit mit dem "späteren" Orson Welles verblüfft nicht nur äußerlich: Philip Seymour Hoffman ist ein kreatives Kraftpaket allerbester Seelenstärke und Spielfreude.

Auch hier wieder, wo er sich auf Woody-Allen-Terrain bewegt. New York, die "kleinen Mittel-Leute". Wie Jack. Der ist um die Vierzig und ein netter Solo-Typ. Arbeitet als Chauffeur bei der Limousinen-Vermietung seines Onkels. Lebt ziemlich zurückgezogen, hat bzw. "kann" mit Frauen wenig. Eigentlich gar nicht. Hört leidenschaftlich gerne Reggae-Musik ("Rivers of Babylon"), weil diese positive Stimmung verbreitet. Und Jack mag es gerne "positiv". Seine besten Freunde sind das Ehepaar Lucy und Clyde, der Kollege von Jack. Die möchten, dass es bei Jack endlich auch zwischenmenschlich "positiv" verläuft. Verkuppeln ihn mit Connie. Einer eher vorsichtigen wie diskret-romantischen Bekannten und Kollegin aus dem Beerdigungsinstitut von Lucy. Und es scheint zu "klappen". Jack lernt schwimmen, weil er im Sommer mit Connie im Central Park rudern will, zugleich verspricht er ihr ein selbst hergestelltes Abend-Menü. Kann aber nicht kochen, nimmt deshalb "Nachhilfe". Beim Küchenchef "Canolli". Und spult sich langsam aber immer sicherer "nach vorne".

Jedenfalls - keine "außerordentlichen" Aufregungen hier, sondern die feine, lächelnde, eben diskrete "Annäherung" zweier in die Jahre gekommener emotionaler "Spätstarter". Währenddessen die "ganz feste" Beziehung von Lucy und Clyde parallel auseinander driftet. Wobei Wasserpfeifen und ein verbranntes Essen maßgeblichen Anteil daran haben.

Die Kammerspiel-Bühne auf großer Leinwand. Funktioniert, weil liebevoll-nahe wie fein-sensibel erzählt, gespielt. Und beinahe unaufgeregt. Und weil das (fast identische) Bühnen-Ensemble dies so angenehm-schmunzelnd-natürlich vermittelt. Angeführt vom einmal mehr magischen Philip Seymour Hoffman. Dessen Körpersprache und Bewegungen permanente Denk-Volltreffer bedeuten. Ebenso wunderbar mitteilsam wie wunderbar gefühlspointiert sind. Eine neuerlich überzeugende Performance dieses Ausnahme-Künstlers. In dessen (Kino-)Nähe sich in der Tat jedes Mal eine "positive Stimmung" auftut. Und der hier mit Amy Ryan (bekannt aus "Gone Baby Gone" von Ben Affleck, 2007) allerdings auch ein exzellentes Connie-Nervenbündel an seiner Seite weiß. Während John Ortiz und Daphne Rubin-Vega dazu die passenden Vermittler-Figuren mit viel Stichwortgeber-Charme liefern.

"Jack in Love" ist eine schöne, feine filmische Kleinigkeit des dezenten, des besseren US-Beziehungskinos.

USA 2010, Regie: Philip Seymour Hofman, Hauptdarsteller: Philip Seymour Hoffman, Amy Ryan, John Ortiz, Daphne Rubin-Vega, Länge: 89 Minuten, ab 12 Jahre

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