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Kulturnachrichten

Samstag, 20. Februar 2016

Militärhistoriker würdigt die Rolle der Schriftsteller im Ersten Weltkrieg

100 Jahre Schlacht um Verdun

Der Militärhistoriker Sönke Neitzel schreibt Schriftstellern große Bedeutung zu, das Bild des Ersten Weltkriegs geprägt zu haben. „Dieser Krieg ist durch die Mühlen der Dichter und Denker gedreht worden, sagte Neitzel heute im Deutschlandradio Kultur. "Ich glaube, dass die eigentliche Wirkung für die Images des Krieges von dem geschriebenen Wort ausgeht und von der Tatsache, dass so viele, die schreiben konnten, den Krieg wirklich selber an vorderster Front erlebt hatten", erklärte er. Obwohl die Schlachten des Ersten Weltkrieges die ersten militärischen Auseinandersetzungen gewesen seien, von denen es Fotos und sogar Filme gab, sei für die Erinnerungskultur und die "Images" dieses Krieges die schriftliche Verarbeitung entscheidend geworden.
Zudem hält Neitzel den Kampf um Verdun für das größte Symbol für die Schrecken des Massensterbens, die tragische Ergebnislosigkeit des Stellungskrieges und die Gräuel des Ersten Weltkrieges. „Verdun war die erste Materialisierung des totalen Krieges, eines neuen, industrialisierten Krieges, sagte der Professor der Universität Potsdam über die symbolische Bedeutung der Schlacht. Der Kampf um die nordfranzösische Stadt Verdun und ihre Befestigungsanlagen habe sich auch deswegen tief in die kollektive Erinnerung eingebrannt, weil Millionen französischer und deutscher Soldaten in Verdun kämpften und diese Erfahrung weitergaben.
Morgen vor 100 Jahren begann der Angriff deutscher Truppen auf Verdun. Das „Mémorial von Verdun wurde nach zwei Jahren des Umbaus und der Erweiterung wieder geöffnet.

Trauer um Umberto Eco

Literaturkritikerin würdigt "ungeheure Produktivität" des italienischen Erfolgsautors

Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler hat im Deutschlandradio Kultur Umberto Eco posthum gewürdigt: "Er ist wirklich eine Ausnahmeerscheinung in seiner ungeheuren Produktivität. Ein Intellektueller mit einer ungeheuren geistigen Reichweite", sagte die aus dem "Literarischen Quartett" bekannte Löffler anlässlich des Todes des italienischen Erfolgsautors.
Eco sei mit großem Erzähltalent gesegnet gewesen, zugleich auch mit Humor und habe starkes gesellschaftliches Engagement bewiesen. Einzigartig sei auch Ecos Karriere in gleich drei Bereichen: Als Weltbestsellerautor und Medienstar, als sehr renommierter Wissenschaftler und Semiotiker sowie als Essayist und Kolumnist. Er habe in zahllosen Artikeln in Zeitungen und Magazinen zu praktisch allen Fragen der gesellschaftlichen Praxis Stellung genommen, zu Zeitkritik, Medienkritik, Kulturkritik. Gerade die Überschreitungen der abgegrenzten Bereiche seien für Ecos Werk von Bedeutung, sagte Löffler weiter: "Weil diese drei Bereiche ja in seinem Werk ständig ineinander fließen, ineinander übergehen, also diese Grenzüberschreitung war ja ganz wichtig für ihn." Erfahrbar werde dies sowohl in Ecos Essaybänden wie den Romanen, insbesondere aber auch in seinem Werk "Der Name der Rose", mit dem er 1980 weltweit bekannt wurde.
Die "Nullnummer" (2015) war Ecos letzter Roman, in dem er sich mit Presse und Politik im modernen Italien befasste.
Nach Angaben seiner Familie starb Umberto Eco am Freitagabend im Alter von 84 Jahren. Er war vor langer Zeit an Krebs erkrankt.

Krimiautor Wolf Haas mit Preis für grotesken Humor ausgezeichnet

Kasseler Literaturpreis verliehen

Der österreichische Schriftsteller Wolf Haas (55) hat den diesjährigen Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor erhalten. Die Auszeichnung wurde Haas in Kassel von Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) überreicht. Zur Begründung hieß es, Haas - Autor unter anderem der Krimis rund um den kauzigen Privatdetektiv Simon Brenner - verquicke durch seinen literarischen Witz auf einzigartige Weise die Kunst der Unterhaltung mit ausgefeilten Sprach- und Erzählexperimenten.
Der mit 3.000 Euro dotierte Förderpreis Komische Literatur ging an die 1977 in Chemnitz geborene Berliner Autorin Kirsten Fuchs.
Zu den bisherigen Trägern des Preises für grotesken Humor gehören Robert Gernhardt, Dieter Hildebrandt und Hanns Dieter Hüsch. Erster Preisträger war Loriot. Die Auszeichnung wird von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel verliehen. Sie ist mit 10.000 Euro dotiert.

Zwei deutsche Filme mit Preisen der unabhängigen Jurys ausgezeichnet

Festival-Chef Kosslick zeigt sich schockiert über die Vorfälle in Sachsen.

Zwei deutsche Filme wurden mit Preisen der unabhängigen Jurys ausgezeichnet. Das Abtreibungsdrama "24 Wochen" der Erfurter Regisseurin Anne Zohra Berrached erhielt den Preis der Gilde Deutscher Filmkunsttheater. Doris Dörries poetischer Spielfilm "Grüße aus Fukushima" wurde mit dem Preis des Internationalen Verbands der Filmkunsttheater (CICAE) gewürdigt.
Vor der Bekanntgabe der Preise zeigte sich Berlinale-Direktor Dieter Kosslick entsetzt über die fremdenfeindlichen Proteste vor einer Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Clausnitz. "Ich konnte nicht glauben, dass es solche Bilder in Deutschland noch einmal geben kann", sagte er sichtlich bewegt.
Traditionell werden die Preise der unabhängigen Jurys wenige Stunden vor der Vergabe des Goldenen und der Silbernen Bären verliehen. Bereits gestern Abend wurde der österreichische Film "Kater" von Regisseur Händl Klaus mit dem "Teddy Award", dem schwul-lesbischen Filmpreis, als bester Spielfilm ausgezeichnet.

Umstrittener Preisträger Adonis

Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis vergeben

Für sein Eintreten für eine aufgeklärte arabische Gesellschaft hat der syrisch-libanesische Dichter Adonis (86) den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück erhalten.
Die Vergabe hatte in den vergangenen Monaten Streit ausgelöst. Syrische Oppositionelle, muslimische Verbände und Menschenrechtsorganisationen warfen dem Poeten unter anderem Nähe zum Assad-Regime vor. Diese Behauptung sei falsch, sagte der Osnabrücker Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU). Aber die Richtigstellung habe keine Chance gehabt, durchzudringen.
Die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giuseppina Maria Nicolini, wies den Sonderpreis zurück, weil sie nicht in Zusammenhang mit dem politischen Adonis gebracht werden wollte. Schriftsteller wie Navid Kermani, Najem Wali und Stefan Weidner schmähten den 86-Jährigen in der Debatte als pseudosäkularen Mystiker, der sich in eine Art lyrischen Pazifismus flüchte.
Der Preis ist nach dem in Osnabrück geborenen Schriftsteller Erich Maria Remarque (1898-1970) benannt, dessen 1929 veröffentlichter Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues" ein Welterfolg wurde. Er ist mit 25 000 Euro dotiert.

Artur Brauner stiftet Jüdischem Museum Filmsammlung

"Filmsammlung Artur Brauner" nur in Jerusalem und in Berlin zu sehen

Der Filmproduzent Artur Brauner hat dem Jüdischen Museum Berlin 21 Filme aus seinem Werk zu den Themen Holocaust und Nationalsozialismus geschenkt. Anlässlich der feierlichen Übergabe der "Filmsammlung Artur Brauner" findet am 7. März im Beisein des 97-jährigen Holocaust-Überlebenden ein Thementag statt, wie das Museum am Freitag mitteilte. Dabei werden einige der gestifteten Filme gezeigt. Zudem haben Schüler die Möglichkeit, mit Brauner ein Zeitzeugengespräch zu führen. Unter den Werken der Sammlung, die in der Bibliothek des Museums öffentlich zugänglich sind, befinden sich den Angaben zufolge der oscarprämierte Film "Der Garten der Finzi Contini" von 1970, "Hitlerjunge Salomon" aus dem Jahr 1990 sowie Romy Schneiders letzter Film "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" von 1982. Mit der Schenkung sei das Jüdische Museum neben der Jerusalemer Gedenkstätte "Yad Vashem" der einzige Ort, an dem die "Filmsammlung Artur Brauner" verfügbar sei.

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