Seit 22:00 Uhr Chormusik
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 22:00 Uhr Chormusik
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 21.03.2009

Israelischer Historiker kritisiert Israels Soldaten

Brecher: Genfer Konvention darf nicht weiter ausgehöhlt werden

Feuerwehrleute bekämpfen nach einem Luftangriff der israelischen Luftwaffe ein Feuer im palästinensischen Rafah  im Gazastreifen. (AP)
Feuerwehrleute bekämpfen nach einem Luftangriff der israelischen Luftwaffe ein Feuer im palästinensischen Rafah im Gazastreifen. (AP)

Daniel Cil Brecher, Historiker und Buchautor aus Israel, hat eine "Entmenschlichung" der israelischen Armee festgestellt. Nach Berichten über angebliche Gräueltaten israelischer Soldaten während der Gaza-Offensive sagte Brecher im Deutschlandradio Kultur, die 40 Jahre dauernde Besatzungszeit der palästinensischen Gebiete habe die israelische Gesellschaft korrumpiert.

Ein entmenschlichtes Bild des Gegners zu entwickeln sei ein häufiger Prozess bei lang andauernden Konflikten. "Die britische Armee in Nordirland hat ähnliche Erfahrungen gemacht: Früher oder später entmenschlicht der Soldat in seinem eigenen Kopf das Bild des Gegners und beginnt Dinge zu tun, die er selbst nicht für möglich gehalten hätte."

Brecher fuhr fort, die Berichte hätten nun bereits zu einer Debatte geführt. Diese habe dazu beigetragen, das stark idealisierte Bild der Gesellschaft von Israels Armee gerade zu rücken. Weiterhin könne die Diskussion spätere Einsätze der Armee beeinflussen, gerade die umstrittenen Operationen in städtischen Gebieten. "Die Methoden, die dort eingesetzt werden, sind gelinde gesagt sehr risikovoll, was die Frage des Schutzes der Zivilbevölkerung anlangt."

Um diese Art von Verbrechen in Zukunft zu stoppen, müsse die internationale Gemeinschaft darauf pochen, dass die Genfer Konvention nicht weiter unterhöhlt werde, sagte der israelisch-deutsche Historiker und Philosoph. "Denn das ist das Einzige, was in solchen Fällen die Zivilbevölkerung schützt: Die Drohung, dass Regierungen … verfolgt werden für den Bruch dieser Konvention", sagte Brecher.

Sie können das vollständige Gespräch mindestens bis zum 21.8.09 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

Interview

Historiker über Babi Jar"Es gab auch Kollaborateure"
Gedenkstätte Babi Jar in der Ukraine (picture alliance / dpa / Andreas Stein)

Deutschland und die Ukraine erinnern an die Opfer des Massakers von Babi Jar. Dem Historiker Jörg Baberowski geht das nicht weit genug: Auch Russland und Weißrussland müssten einbezogen werden. Von der Ukraine fordert er eine Aufarbeitung der Tatsache, dass es Kollaborateure gab.Mehr

FriedensmissionenNicht nur zahlen, auch hingehen
Ein Mann mit einem Stock bewaffnet, steht vor einem brennenden Fahrzeug in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. (PASCAL MULEGWA / ANADOLU AGENCY /afp)

Deutschland sollte sich stärker an UN-Friedensmissionen beteiligen, meint Daniel Maier, Mitarbeiter der UN-Mission Monusco in der Demokratischen Republik Kongo. Nötig sei unter anderem mehr Personal. Maier sieht noch mehr Kapazitäten.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur