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Politisches Feuilleton / Archiv | Beitrag vom 02.07.2007

Islamismus und Nationalsozialismus

Von Robert B. Goldmann

Holocaust-Mahnmal in Berlin (AP)
Holocaust-Mahnmal in Berlin (AP)

Der Westen muss sich darüber bewusst werden, dass die islamistischen Terroristen die totalitäre Bewegung des einundzwanzigsten Jahrhunderts sind. Sowohl ihre Ursprünge wie auch ihre Ideologie ähneln dem Faschismus und Nationalsozialismus des vergangenen Jahrhunderts. Ebenso müssen die demokratischen Gesellschaften darauf vorbereitet sein, den totalitären Plänen der Islamisten politisch und militärisch zu begegnen, um zu vermeiden, was in Europa vor 68 Jahren unvermeidlich wurde.

Wie der Nationalsozialismus die nordische Rasse dazu ausersehen sah, ihr tausendjähriges Reich zu errichten, so streben die Moro-Islamische Befreiungsfront in den Philippinen, al Quaida in Südostasien und im Nahen Osten, die Ayatollahs in Iran, Hamas in den palästinensischen Gebieten, und Hezbollah im Libanon den Sieg des Islamismus über den Westen an. Anstatt braun sind ihre Uniformen schwarz, und anstatt Schirmmützen oder Helme tragen sie Skimasken. Beide pflegen den Totenkult. Der Totenkopf der SS ist das Wahrzeichen des Sterbens und des Mordens. Der Selbstmordbomber und das Martyrium herrschen im Islamismus.

Wie Hitlers ständiges Thema die "Niedergeschlagenheit” der Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg war, so speist sich der Kampf der Islamisten gegen den Westen aus dem Gefühl der Machtlosigkeit in den mehrheitlich armen und für die Demagogie anfälligen Bevölkerungen islamischer Gesellschaften. Und wie die Nazis die Regierungen der Weimarer Republik als des deutschen Volkes unwürdig und dem Untergang geweiht erachteten, so betrachten islamistische Organisationen "elitäre” Regierungen wie die Hosni Mubaraks in Ägypten, Monarchien in Saudi-Arabien und Jordanien, und eine schwache Demokratie wie die des Libanon als reif zum Umsturz. Das gilt jetzt, nachdem Hamas die Alleinherrschaft in Gaza erobert hat, auch für die von Mahmoud Abbas geführte Fatah-Regierung im Westjordanland.

In den zwanziger und frühen dreißiger Jahren sympathisierten viele deutschnationale und bürgerliche Politiker mit den Nazis, und manche - am prominentesten Franz von Papen - verhalfen ihnen zur Macht. Heute findet man die Selbsttäuschung auf der linksliberalen Seite. Viele Intellektuelle in Europa und Amerika sympathisieren mit den islamischen "Freiheitsbewegungen”, entwickeln Verständnis für sie, da sie in ihrer Sicht berechtigte Klagen gegen elitäre Regierungen und gegen Israel erheben.

Wohl schreibt der Islamismus Allah auf seine Fahne, aber wesentlich ist seine totalitäre Ideologie und sein Streben nach der Wiedererrichtung des Kalifats. Auch Hitler hatte eine Religion, die er Weltanschauung nannte, und sein Ziel war die Vorherrschaft Deutschlands in der Welt. Beide benötigten einen Satan, der dazu dient, den Hass zu schüren. Das sind die Juden. Wie Deutschland von Juden als "zersetzendes Element” "gereinigt” werden musste, so ist für die Islamisten der Staat Israel die Quelle allen Übels. Dabei geht es nicht um umstrittene israelische Maßnahmen wie die Besetzung der im Sechstagekrieg eroberten Gebiete und die Errichtung von Siedlungen. Es geht um die Existenz des jüdischen Staates.

Wenn der iranische Präsident die Vernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg bestreitet, steigert er - wie Hitler in Europa - das in moslemischen Gesellschaften schon bestehende Vorurteil gegen die Juden zum Hass und nutzt die Stimmung, um das Volk zur Opferbereitschaft anzufeuern. Die zügellose Propaganda verbietet ein Zurückweichen. Es ist sowohl die Stärke als auch die Schwäche eines totalitären Systems, dass es die Energien zusammenzufassen vermag, aber angesichts der drohenden Niederlage bis zum letzten Tropfen Blutes aushalten muss.

Die Erfahrung des vergangenen Jahrhunderts sollte die Demokratien gelehrt haben, wie mit totalitären Regimes umgegangen werden muss, d.h. es müssen Strategien entwickelt werden, die die Kräfte der Erneuerung und der Moderne in der muslimischen Welt stärken und weiteren blutigen Konflikten vorbeugen können. .


Robert B. Goldmann wurde 1921 als einziger Sohn eines jüdischen Landarztes in einem Odenwalddörfchen geboren. Er machte in Frankfurt am Main Abitur. Kurz darauf verließ die Familie Deutschland und kam 1940 über Großbritannien nach New York. Goldmann schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, um sein Studium zu finanzieren. Er war viele Jahre lang Journalist, bevor er sich sozial- und entwicklungspolitischen Aufgaben in der Dritten Welt widmete und schließlich ein Wegbereiter für die deutsch-jüdische Verständigung wurde. 1996 veröffentlichte er sein viel beachtetes Buch "Flucht in die Welt", eine Lebens- und Familiengeschichte. Goldmann arbeitete lange für die Anti-Defamation League in New York und publiziert noch immer in amerikanischen und deutschen Medien.

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