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Interview / Archiv | Beitrag vom 24.09.2014

IS-Terroristen aus Europa"Sie haben den Koran nie gelesen"

Psychologe Carlo Strenger hält informelle Kontakte bei der Radikalisierung für entscheidend

Moderation: Sonja Gerth und Oliver Thoma

Unterstützer der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) mit Fahne. (AFP / TAUSEEF MUSTAFA)
"Null Ahnung" von Religion: die Terrorgruppe Islamischer Staat (AFP / TAUSEEF MUSTAFA)

Einige Mitglieder der IS-Milizen stammen ursprünglich aus Westeuropa. Was die Terrorgruppe für diese Menschen attraktiv macht, erklärt der Psychologe Carlo Strenger. An einer Indoktrination in Moscheen liege es nicht, sondern an informellen Kontakten.

Die Forschung habe das Erklärungsmodell von einer graduellen Hirnwäsche, die in den Moscheen stattfindet, "empirisch vollkommen widerlegt", sagt Sprenger. Verantwortlich für die Radikalisierung seien im Normalfall informelle Kontakte: Familie und Freunde.

"Ein Freund beginnt einem davon zu erzählen, man trinkt Kaffee zusammen, man schaut sich im Internet an, was da so vorgeht, und dann kommt irgendwann der Moment, wo das kippt."

"Null Ahnung" vom Islam

Religiöse Inhalte spielt Sprenger zufolge in diesem Radikalisierungsprozess offenbar kaum eine Rolle: "Sie haben den Koran nie gelesen, sie haben null Ahnung von der Komplexität dieser Religion, die haben da einfach so ein paar Slogans."

Vor allem die radikale Lebensform und die Möglichkeit, in einer "Machtposition über Leben und Tod" zu kommen, ziehe die jungen Männer an, sagt der Psychologe. Oft steckten sie in einer Identitätskrise, hätten Job oder Freundin verloren oder ein generelles Gefühl der Sinnlosigkeit: 

"Und im Moment, wo sie die Möglichkeit sehen, ihr Leben mit einem sehr radikalen Sinn zu füllen, nehmen sie die Gelegenheit sehr oft wahr und fahren einfach hin."

"Terror-Touristen": Potenzieller Kern von Terrorgruppen im Westen

Einen besonderen Grund zur Besorgnis stellen nach Strengers Auffassung die mehreren hundert Fälle von "Terror-Tourismus" dar, bei dem junge Menschen für drei oder vier Monate am IS-Terror teilnehmen und dann wieder in ihre Heimat zurückkehrten:

"Ein Teil kommt zurück und sagt: ich hab jetzt mein Erlebnis gehabt, und damit hat es sich. Aber ein Teil dieser Menschen, die ja alle europäische Pässe haben, kommt zurück und ist wirklich total radikalisiert", betont Strenger. "Die werden dann potenzielle Kerne von Terrorgruppen, die im Westen  wieder tätig werden können."

Mehr zum Thema:

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(Deutschlandfunk, Kulturfragen, 21.09.2014)

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(Deutschlandfunk, Informationen am Abend, 19.09.2014)

Australien - Entsetzen über geplante Terroranschläge
(Deutschlandfunk, Aktuell, 18.09.2014)

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(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 17.09.2014)

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