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Rang I | Beitrag vom 07.01.2017

Internationales Theaterprojekt"Der Hass formiert sich gerade da draußen"

Von Gerd Brendel

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Das Maxim-Gorki-Theater in Berlin (picture-alliance / dpa / Michael Kappeler)
Immer wieder setzt das Maxim-Gorki-Theater sich mit dem Rechtspopulismus in Europa auseinander. (picture-alliance / dpa / Michael Kappeler)

Unter dem Motto "Undernational Affairs" haben sich europäische Theaterbühnen zusammengetan. Den Initiatoren geht es um eine Gegenreaktion auf internationale rechte Strömungen. Am Maxim-Gorki-Theater in Berlin trafen sie sich zum öffentlichen Brainstorming.

"We want to ask you what do you want to see on stage in 2017."

Was wollen wir 2017 auf der Bühne sehen? Welche Themen? Welche Charaktere? Welche Geschichten sollen erzählt werden? Welche Sätze gesagt werden?

Willkommen beim Brainstorming für das kommende Theaterjahr im Studio "Yah". Diesmal hat sich sich Necati Öziri, der Leiter der Experementier-Bühne des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, zu seinem Neujahrstreffen Mitstreiter aus ganz Europa eingeladen.

"Das sind alles Studiobühnen, kleinere Bühnen, die politisch an dem arbeiten, was wir auch grad arbeiten."

Gemeinsam haben sich die Häuser aus Athen, Istanbul, Kiew oder Zürich zu einem Netzwerk mit dem programmatischen Titel "Undernational Affairs" zusammengeschlossen.

"Weil der Hass formiert sich gerade da draußen, ob das digital ist, ob das in Form von rechtspopulistischen Parteien ist, ob das in Form von identitäten rechtskonservativen Strömungen ist. Und deswegen, haben wir gesagt, müssen wir uns auch formieren, und zwar international, weil die anderen machen das auch international."

Für 24 Stunden sind sie hier in Berlin zusammen gekommen.

"As you see this is a highspeed experiment."

Erste Phase der Hochgeschwindigkeits-Versuchsanordnung: Themen sammeln. Yesim Özsoy, Regisseurin und Gründerin des Istanbuler Off-Theaters GalataPerform, überlegt noch vor ihrem leeren Blatt:

"We express our discontent to do something better than that."

"I am afraid sometimes"

Wir zeigen unsere Unzufriedenheit über den Anstieg rechter Bewegungen und die Beschränkungen unserer Freiheit an sehr sicheren Orten in unseren Theatern gegenüber Menschen, die so denken wie wir. Ich glaube, Theater kann das besser machen.

Aber wie?

Manche wünsche sich ein Theater, das mehr in der digitalen Welt arbeitet. Peter Kastenmüller, Intendant des Theater Neumarkt in Zürich, wünscht sich vor allem analoge Kommunikation.

"Begegnungen schaffen und zu inszenieren - das ist für mich die große Losung der Zukunft, weil keiner weiß von dem anderen etwas."

Das gilt vor allem für die, die erst vor kurzem hierher gekommen sind - wie Mazen Aljubbeh, Schauspieler aus Damaskus und seit einem Vierteljahr Mitglied des "Exil-Ensembles" am Maxim Gorki.

"Sometimes in the street I look at many people. I am afraid sometimes."

Manchmal machen mir die Leute auf der Straße Angst, ich werde einfach oft aus den Gesischtern nicht schlau, wenn sie keine Reaktion zeigen.

Große Politik und persönliche Befindlichkeit

Nach einer Stunde werden die Vorschläge eingesammelt und vorgelesen. Auf einem Zettel steht eine Regieanweisung: "Flüchtling in der Schlange vor der Ausländerbehörde trifft auf einen Obdachlosen."

Der nächste Zettel fragt nach dem Zusammenhang von Krieg und Revolution, der übernächste fordert mehr lesbische Themen auf der Bühne. Die Wünsche reichen von der großen Politik bis persönlicher Befindlichkeit.

"Ich hab gehört, dass es den Wunsch gab nach sehr konkreten Situationen, in denen Figuren aufeinandertreffen. Themen zwischen antirassistischer Haltung und Hass und Wut."

Autor: Die Dramatikerin Katja Brunner hat sich eifrig Notizen gemacht. Ihr und ihren fünf KollegInnen steht eine lange Nacht bevor. Acht Stunden bleiben den Stückesschreibern für ihre Bühnentexte, mit denen dann Kastenmüller, Özoy und vier weitere Regisseure bis heute Abend zur Premiere proben: Theater als großes Sozial-Experiment. Die Zettel,sie erinnerten ein bisschen wie Singen im dunklen Wald um die eigene Furcht zu verjagen, ein vielstimmiges Singen, gegen das  Einheitsegröhle vorgestanzter rechter Ideologien und ein Lobgesang auf das Individuum.

"Nothing matters"- Nichts spielt eine Rolle, deshalb sind wir hier, stand auf einem der Theaterwunschzettel für das neue Jahr - "Und Du bist dieses Nichts für mich".

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