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Länderreport | Beitrag vom 08.02.2016

Internationaler Tag der PappnasenPappnasen und Politik

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Ein Motivwagen für den Rosenmontagsumzug zeigt am 05.02.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) den russischen Staatschef Putin mit dem Schauspieler Gerard Depardieu als Obelix. Foto: Oliver Berg/dpa (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Ein Motivwagen für den Rosenmontagsumzug zeigt 2013 in Köln den russischen Staatschef Putin mit dem Schauspieler Gerard Depardieu als Obelix. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Der Tag der Befreiung ist im Kalender vermerkt: 8. Februar - Hut ab zum Gebet und die Pappnase auf. Was ist ein Rheinländer in Berlin? Eine Pappnase mit Goldkette. Was sind zwei Rheinländer in Berlin? Ein Umzug. Der internationale Tag der Pappnasen hat seine Geschichte und Geschichten.

Für die Menschen am Rhein könnte der November mit seinen grauen Nebelschwaden, mit seinen trüben kurzen Tagen, mit seinen Toten- und Volkstrauertagen, mit seinem nasskalten Grippewetter eigentlich komplett aus dem Kalender gestrichen werden. Wäre da nicht der Elfte im Elften, der Anpfiff zur nächstjährigen Karnevals-Kampagne, die Zeit, in der die Pappnase das Zepter übernimmt.

Die Pappnase, dieses Verkleidungsutensil, in seinen Anfängen aus Pappmaché von Hand geknetet und geformt, heute aus Plastik oder Schaumstoff maschinell gepresst, das, über die Nase gestülpt, die Physionomie des Menschen total verändert.

Humor-historisch gesehen war die rote Pappnase die Maske der Spaßvögel, Hofnarren und Clowns. Der wohl berühmteste Träger: Charly Rivel. Wenn er das klagende Weinen eines Clowns erklingen ließ...wooooh, und dabei seine Pappnase gen Himmel reckte, schmolz das Publikum dahin.

In der Gegenwart ist die rote Pappnase in den Karnevalshochburgen allerdings nur noch selten anzutreffen. Zu unangenehm ist es geworden, dieses Ding, dick und rot wie eine Tomate, den ganzen Abend im Gesicht zu tragen. Zu sehr transpiriert man unter derselben und die wenigen noch verbliebenen Pappnasenträger stülpen dieses Untensil meistens schon nach einer halben Stunde Tragezeit nach oben auf die Stirn, wo es eher einer Riesenbeule oder einer zum Wurmfortsatz geschrumpften Leuchtboje ähnelt.

Berühmte Pappnasen: Jelzin, Bush und Berlusconi

Trotz dieses Rückzugs aus der Karnevalsmaskerade, hat sich der Begriff Pappnase in unserer Sprache etabliert. Besonders als Schimpfwort für Männer, die sich zum Narren oder zum Affen machen und dabei eine dämliche und lächerliche Figur abgeben. Kein Wunder also, dass dieses Spottwort gerne in der Politik zur Verhöhnung bestimmter Personen, an denen sich der Boulevard gerne abarbeitet, benutzt wird.

Paradebeispiele dafür waren einst Boris Jelzin, später dann George Dubbelju Bush, und in der Gegenwart wird der Ministerpräsident Silvio Berlusconi genüsslich als italienische Pappnase bezeichnet.

Auch in dem momentan in Berlin grassierenden Kabinett wird diese Boshaftigkeit bestimmten Ministern immer wieder gerne unter die Weste gejubelt.

Kanzlerin Merkel bleibt mit diesem Schmähwort allerdings verschont. Pappnase wird ausnahmsweise nur maskulin gebraucht. Paradebeispiel: Ronald Pofalla sogar als die Mensch gewordene Pappnase.

Die größte mediale Aufmerksamkeit erhielt die Pappnase allerdings im Jahre 2006.

Joseph Kardinal Ratzinger war im Konklave gerade zum Papst gewählt worden. In Anlehnung an "habemus papam" wurde diese Phrase in den Fastnachtshochburgen am Rhein in "Habemus Pappnas" umgedichtet.

Auf diese Frechheit ein dreifach donnerndes Helauluja!

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