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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 06.12.2015

Internationaler Sport TischfußballEin Schuss wird lange vorbereitet

Von Tonia Koch

Tischfußballer spielen konzentriert an Kickertischen. Einer hat ein Handtuch über den Schultern hängen.  (picture alliance / dpa / Ole Spata)
Tischfußballer am im Bundesleistungszentrum des Deutschen Tischfußball-Bundes (DTFB) in Hannover (picture alliance / dpa / Ole Spata)

Kickern ist mehr als Kneipensport: Es gibt internationale Turniere und eine Weltrangliste. Dabei wird aber nicht wild drauflosgeballert. Die Teams belauern sich und es dauert, bis geschossen wird.

Patrick Didion packt zwei Griffe aus und schraubt sie an die blanken Hälse zweier Teleskopstangen.

"Man braucht sich halt nicht umzustellen, sondern hat immer seinen eigenen Griff an jedem Tisch dabei. Somit ist die Umstellung von Tisch zu Tisch nicht allzu groß."

Gemeinsam mit seinem Partner Patrick Glocker spielt Didion die K.-o.-Runde an Kicker-Tisch 2. Der Gewinner des zweitägigen internationalen Turniers darf sich über 35 Punkte freuen, die auf der Weltrangliste der Tischfußballkicker verbucht werden. Die Anspannung steigt, die Konzentration auch.

"Es ist, ich denke mal, 60 bis 70 Prozent Kopfsache und die anderen 30 bis 40 Prozent Technik."

Saarland Open werden auf Bonzini-Tischen gespielt

Es wird nicht wild herumgeballert, sondern ein Schuss wird lange vorbereitet. Die Teams belauern sich. Der Ball wird sekundenlang mit einer der Spielfiguren fixiert. Leicht zwischen zwei Figuren hin und her geschoben und wieder fixiert. Es dauert, bis geschossen wird. Gespielt wird über zwei Gewinnsätze à fünf Tore.

So wie es bei Tennisspielern ausgeprägte Vorlieben gibt für Sand oder Rasen, so gibt es bei den Tischfußballern Prioritäten für unterschiedliche Tische. Die Saarland Open werden auf Bonzini-Tischen gespielt. Das habe hier Tradition, sagt der Vorsitzende des saarländischen Tischfußballverbandes Josef Cornelius.

"Von der Spielweise kommen diese Tische, die französischen, dem saarländischen Originaltisch am nächsten. Weil sie auch Teleskopstangen und Metallspielfiguren haben, weil alle anderen anerkannten Tische Plastikfiguren haben."

Im Saarland zuerst offiziell anerkannt

Josef Cornelius und sein Team haben für die deutschen Senioren schon eine Reihe von Weltmeistertiteln eingeheimst. Seine Vorliebe gilt den beweglichen Teleskopstangen und den Metallfiguren:

"Weil man einfach mit den Plastikfiguren und den durchgehenden Stangen nicht so viel Druck hinter den Ball bekommt Mit den Metallfiguren hier am Bonzini kann man aus dem Handgelenk spielen, während man sich mit den Plastikfiguren andere Spielweisen aneignen muss."

Grundsätzlich aber gelte, fügt der Präsident des deutschen Tischfußball-Verbandes Klaus Gottesleben hinzu:

"Man kann mit jeder Technik, jeder Figur spielen, Punkt."

Die Randsportart hat längst den Weg von den Kneipen in die Turnhallen und damit auch in Vereinsstrukturen gefunden hat. Allerdings kämpft sie noch immer damit, dass sie als vollwertige Sportart nicht überall ernst genommen wird.

Allein im Saarland sind in 62 Vereinen über 2000 Spielerinnen und Spieler aktiv, und die Saarländer waren auch die ersten, die von ihrem Landessportverband offiziell anerkannt wurden. Das zahle sich aus, so Cornelius, vor allem in der Jugendarbeit.

Zu diesem Thema haben wir in der Sendung Nachspiel auch ein Interview mit Patrick Glocker, mehrfacher deutscher Tischfußball-Meister, geführt, das Sie hier nachhören können: 

Mehr zum Thema

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(Deutschlandradio Kultur, Neonlicht, 22.03.2009)

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(Deutschlandradio Kultur, Elektronische Welten, 28.04.2008)

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