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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 06.10.2015

Innovation aus DresdenHeizen mit Computern

Von Nadine Lindner

Datenzentrumschef Joel Kjellgren läuft durch die Serverräume im schwedischen Lapland. (AFP / JONATHAN NACKSTRAND)
Serverräume im schwedischen Lapland: Beim Rechnen verbrauchen Computer jede Menge Energie und erzeugen dabei Abwärme. (AFP / JONATHAN NACKSTRAND)

Computer erzeugen Wärme – das weiß jeder, der schon mal in einem Büro gearbeitet hat. Eine Dresdner Firma hat sich nun zum Ziel gesetzt, diese Wärme sinnvoll zu nutzen. Das Unternehmen "Cloud and Heat" will mit Server-Wärme Gebäude heizen.

Die Herbstsonne scheint hell durch die riesigen Fenster im Büro von "Cloud and Heat". Die Firma hat ihren Sitz in einem Backsteinbau am Rand von Dresden auf einem ehemaligen Industrieareal. 40 Leute arbeiten hier.

Mitgründer Jens Struckmeier setzt sich an seinem Schreibtisch und klickt auf einem schlanken Laptop, während er das Geschäftsmodell erklärt.

"Das Ganze, was wir entwickelt haben, ist neu und einzigartig. Nämlich ein verteiltes Rechenzentrum aufzubauen. Und gleichzeitig auch den Nutzen zu haben, dass die beim Rechnen erzeugte Wärme auch genutzt werden kann, als sie energieaufwändig wegzukühlen."

Server produzieren beim Rechnen Wärme

Es hört sich also sehr simpel an. Server produzieren beim Rechnen Wärme. Diese Wärme wird genutzt, um Häuser zu heizen und Warmwasser zu erhitzen.

"Bilanziert und errechnet worden ist, dass wir circa 80 bis 90 Prozent der Warmwasserversorgung sicher stellen können. Und 20 bis 30 Prozent der Heizung."

Struckmeier ist 44 Jahre alt, der Physiker ist nach Stationen in Aachen, München und den USA nach Dresden gekommen. Jetzt ist er technischer Leiter von Cloud and Heat, die eigentlich ihr Hauptgeschäft mit dem Verkauf von Serverleistungen machen. Im April haben sie den deutschen Rechenzentrumspreis gewonnen.

Wie viel Wärme bringt denn dann eigentlich eine Google-Anfrage oder das Abspeichern eines Dokuments?

"Google sagt zum Beispiel, dass eine Google-Suche so viel Strom verbraucht, als würde man eine 60 Watt Birne 17 Sekunden lang leuchten lassen."

Er geht davon aus, dass 4000 Email-Kunden reichen, um ein Haus zu heizen. Und die Entwicklung ist durch zum Beispiel Streaming klar vorgezeichnet: Mehr Datenverbrauch und mehr Stromverbrauch.

Energie, die nicht einfach nur verpuffen soll. Oder – noch schlimmer – wo zusätzlich Energie eingesetzt werden muss, um die Rechenzentren zu kühlen.

Mit Server-Wärme Räume heizen

Server-Wärme in Heizungswärme umsetzen: Wie genau das aussieht, zeigt Struckmeier im kleinen Werkstatt-Trakt, der direkt neben den Büros liegt.

"Hier sehen sie gerade drei unserer Entwicklungsracks, hier hören sie das Rauschen der Server. Sie sind deutlich leiser als in einem normalen Rechenzentrum. Weil wir die Wärme über eine Wasserkühlung wegbringen, und nur einen kleinen Teil über Luft wegbringen."

Aus dem Serverschrank kommen mehrere Leitungen: Wasserleitungen und Luftleitungen. Sie sind mit einer Heizungsanlage verbunden. Hier testen sie, ob alles stabil läuft.

"Gleichzeitig haben wir auch eine Anbindung an ein Heizungstestsystem, das wir hier installiert haben, hier wird die Wärme in einen Pufferspeicher, die hier eingebaut sind eingebraucht, hier schauen wir, wie wir die Wärme auf einem hohen Niveau für den Heizungskunden, aber auch die Kühlung für die Rechner sicher stellen können."

Wer diesen Serverschrank nutzen will, zahlt einmal 12.000 Euro für das System. Und bekommt aber die Abwärme 15 Jahre lang zur Verfügung gestellt.

"Wir sind damit gestartet. Um zu zeigen, dass wir da auch ganz kleinräumig können, auf ganz kleiner Skala. Schwerpunkt liegt jetzt auf größeren Gebäuden."

Struckmeier und seine Kollegen denken eher an größere Immobilien, wie zum Beispiel Bürohäuser oder sogar Technologiezentren. Denn, große Rechenleistungen können ohne Zeitverzögerung ausgeführt werden, wenn die Daten nicht Hunderte Kilometer transportiert werden müssen. Selbst bei Glasfaserkabeln gibt es Verzögerungen.

"Es ist dann spannend, wenn im Haus auch eine Rechenleistung gefordert wird. Das könnte auch die Betriebskosten senken. Technologiezentren, die können dann auch die Rechenleistung ihren Mietern anbieten."

Crowdfunding fördert auch die Debatte

Eine erste Anlage gibt es in Dresden. In einem Wohnhaus mit 56 Wohnungen. Wo auch Abnehmer für die Rechenleistungen der dezentralen Serveranlage nicht weit sind.

Wieder zurück im Büro spricht Struckmeier zur Firmen-Entwicklung. Die Finanzierung für diese Technologie kaum unter anderem über eine Crowdfunding-Kampagne zusammen. Eine Million Euro kam zusammen. Aber es geht nicht nur ums Geld, findet Struckmeier.

"Es gibt natürlich über das Crowdfunding auch einen öffentlichen Dialog, was gut ist, was daran nicht gut ist. Das ist interessant für uns."

Sorgen um die Zukunft des Unternehmens machen sich Struckmeier und seine Kollegen nicht. Denn der Stromverbrauch durch Rechenleistungen ist hoch, Tendenz steigend.

"Gegenwärtig ist es so, dass der Stromverbrauch von Rechenzentren weltweit so hoch ist, wie von Indien oder Japan. Und die Tendenz ist weiter steigend."

Zeitfragen

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