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Tacheles / Archiv | Beitrag vom 19.04.2014

InklusionBehinderte als Bereicherung

Behindertenbeauftragte appelliert an Arbeitgeber

Verena Bentele im Tacheles-Gespräch

Die zwölffache Paralympics-Siegerin und Behindertenbeauftragte Verena Bentele (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)
Die zwölffache Paralympics-Siegerin und Behindertenbeauftragte Verena Bentele (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)

Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, hat beklagt, dass die Gesellschaft nicht auf Behinderte eingestellt sei. Inklusion heiße, in allen Lebensbereichen Benachteiligungen zu vermeiden.

Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, plädierte dafür, bei der Vergabe von Sportgroßereignissen stärker auf die Menschenrechtslage zu achten. Die zwölffache paralympische Goldmedaillengewinnerin sagte im Nachgang zu den Olympischen Spielen im russischen Sotschi: "Da würde ich mir natürlich einfach auch wünschen, dass in Zukunft Sport an Orten stattfindet, wo eben doch eine andere Situation, eine andere auch Menschenrechtssituation vorherrscht, weil auch das in Russland speziell im Vorfeld schon ein großes Thema war."

Sie hätte die Sportlerinnen und Sportler bei den Paralympischen Spielen gerne unterstützt, gab Bentele zu verstehen, habe sich jedoch der politischen Entscheidung der Bundesregierung gebeugt, wegen der Krise in der Ukraine nicht zu den Spielen zu fahren.

Behinderte sind Bereicherung für Betriebe

Die Gesellschaft sei nicht auf Behinderte eingestellt. Menschen würden behindert durch unsere Gesellschaft in der Form, wie sie gestaltet sei, sagte Bentele und forderte ein Umdenken. Inklusion sei vielmehr als nur ein Bildungsthema. "Inklusion heißt ..., in allen Lebensbereichen darauf zu achten: Wie kommt jeder Mensch von A nach B ...? Wie kommen wir an alle Informationen? Wie können wir alle so eine Lebensform finden, in der wir eben entscheiden können. Wann möchte ich von wem welche Unterstützung haben? Das ist gelebte Inklusion. Und das bedeutet eben wirklich auch in unserer Gesellschaft ein Umdenken aller Menschen, eben auch der Menschen, die noch keine ... oder keine Behinderung haben und die aber genauso beteiligt sind an einem inklusiven Lebenssystem wie die Menschen mit Behinderung."

Inklusion bedeute, dass man von Anfang an schaue, wie unsere Gesellschaft ausgerichtet wird, dass sie für alle Menschen passe und sich jeder Mensch entfalten und selbstbestimmend leben könne, sagte Bentele.

Ein Mensch mit Behinderung im Unternehmen sei eine große Bereicherung. Mit diesen Worten appellierte Bentele an die Arbeitgeber, mehr Behinderte einzustellen. Man müsse den Unternehmen klar machen, dass es Arbeitsmöglichkeiten gäbe, in denen Behinderte ihre Stärken einbringen könnten. Als Beispiele nannte Bentele Blinde, die als Sound-Ingenieure etwa in der Automobilbranche eingesetzt werden könnten oder Menschen mit Down-Syndrom, die zum Beispiel in Gärtnereien arbeiteten.

Hohe Dunkelziffer

Bentele geht von einer deutlich höheren als Zahl als den 7,3 Millionen offiziell schwerbehinderten Menschen in der Bundesrepublik aus.

Sie wollte keine konkrete Zahl nennen, betonte jedoch: "Viele Menschen beantragen keinen Schwerbehindertenausweis, weil sie Nachteile befürchteten, zum Beispiel beim Arbeitgeber. Und es gibt natürlich immer Menschen, die eben auch nicht sichtbare Behinderungen haben und das vielleicht gar nicht so genau wissen."

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Tacheles

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