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Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.10.2010

"In ihren Augen"

Anke Leweke über den argentinischen Kino-Hit

Im Mittelpunkt steht der Justizbeamte Benjamin Espósito, den seit 25 Jahren ein grausamer Mordfall quält. Mit einem Buch will er sich die Last von der Seele schreiben.

Argentinien / Spanien 2009; Regie: Juan José Campanella; Darsteller: Ricardo Darín, Soledad Villamil, Guillermo Francella, Pablo Rago, Javier Godino; FSK: ab 12; Länge: 129 Minuten

Die Überraschung war groß, hatte doch niemand damit gerechnet, dass der argentinische Film "In ihren Augen" den Oscar für den besten fremdsprachigen Film bekommen würde. Dementsprechend lang war das Gesicht von Michael Haneke, der nach der Goldene Palme und dem europäischen Filmpreis, sich als sicherer Anwärter für die Goldene Statuette wähnte.

Auch wenn "In Ihren Augen" bis zur Oscar-Nacht kaum für internationale Furore sorgte, in seinem Ursprungsland ist er ein gigantischer Kassenerfolg und viel diskutierter Film. Weil er den Mord an einer jungen Frau mit einem gesellschaftlichen Stimmungsbild verbindet, weil er zeigt, wie die Militärdiktatur in den Siebzigerjahren immer mehr auch den Justizapparat kontrolliert, ein Rechtssystem zum Unrechtssystem wird. Doch leider will Juan José Camapanella mehr als ein bloßer Gerichtsthriller sein.

Die Liebesgeschichte zwischen den ermittelnden Staatsanwalt Esposito und seiner jungen Kollegin Lena gerät zu kitschig, und warum muss er am Ende die Perversion des Verbrechens auch noch durch die Geschichte einer perversen Rache übertrumpfen. Zudem wirkt die Struktur des Films, der in Rückblenden aus der Perspektive des mittlerweile pensionierten Staatsanwalts erzählt wird, der einen Roman über die damaligen Ereignisse schreibt, etwas behäbig.

Dennoch hat der Film seine Qualitäten, etwa wenn er den Machismo der argentinischen Gesellschaft seziert. Es ist sein Männlichkeitsgehabe, das dem Tatverdächtigen zum Opfer wird. Auch wird der diskriminierende Umgang mit den Indios thematisiert, die einfach ins Gefängnis gesteckt werden, weil die Öffentlichkeit nach einem Täter verlangt. Es sind solche kleinen Details, die zeigen, wie die diktatorische Gewalt ganz langsam durch die dicken Mauern des Justizpalastes dringen.


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