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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.07.2011

"In einigen Situationen war es schon brenzlig"

Ex-Bundesliga-Profi Ramelow über das schwere Spiel der DFB-Frauen gegen Nigeria

Carsten Ramelow im Gespräch mit Jörg Degenhardt

Die deutschen Spielerinnen siegten nur knapp gegen Nigeria. (picture alliance / dpa, Hannibal Hanschke)
Die deutschen Spielerinnen siegten nur knapp gegen Nigeria. (picture alliance / dpa, Hannibal Hanschke)

Nach Ansicht von Carsten Ramelow, FIFA WM-Botschafter der Stadt Leverkusen, haben sich die deutschen Frauen im Spiel gegen Nigeria "sehr, sehr schwer getan". Aber "letztendlich war doch dieser Sieg auch verdient".

Jörg Degenhardt: Schwarz-Rot-Gold war gestern wieder die Farbkombination des Tages. Nach dem gelungenen WM-Auftakt der deutschen National-Elf gab es gestern bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen gegen Nigeria ein mühevolles 1:0 mit vereinzelten Pfiffen, aber ganz überwiegend waren die Straßen wieder voll mit begeisterten Fans, jedenfalls dort, wo gespielt wurde, eben gestern in Frankfurt zum Beispiel.

Mit Carsten Ramelow wollen wir über das gestrige Spiel im speziellen, aber auch über das Turnier insgesamt reden. Der ehemalige Nationalspieler und Bayer-Profi ist WM-Botschafter der Stadt Leverkusen. Auch dort finden bekanntlich Spiele statt. Guten Morgen, Herr Ramelow!

Carsten Ramelow: Ja! Einen wunderschönen guten Morgen!

Degenhardt: Das war gestern nicht immer schön, was die Spielerinnen da gezeigt haben. Oder haben wir einfach als Publikum zu hohe Erwartungen an das deutsche Team?

Ramelow: Ja vor allen Dingen, was Nigeria gezeigt hat. Ich glaube, in einigen Situationen war es schon brenzlig, und sie haben natürlich versucht, durch ihre Härte die Deutschen nicht ins Spiel reinkommen zu lassen, was ihnen auch teilweise gelungen ist. Die deutschen Frauen haben sich da sehr, sehr schwer getan. Aber ich glaube, letztendlich war doch dieser Sieg auch verdient.

Degenhardt: Sie haben das ja vielleicht auch bei Ihren WM-Einsätzen erlebt. Wann wird der Erwartungsdruck von außen so hoch, dass er vielleicht lähmt?

Ramelow: Ich glaube nicht, dass unbedingt dieser Druck von außen jetzt lähmt. Man muss da auch immer ein bisschen vorsichtig sein. Ich glaube, wir Deutsche sind eigentlich bekannt dafür, schon immer gewesen, dass wir uns in so ein Turnier eigentlich hineinspielen. Und natürlich, wenn man jetzt die Französinnen sieht, die da sehr gut gestartet sind, die zwei Superspiele meiner Meinung nach da hingelegt haben, das ist natürlich optimal, wenn man in ein Turnier so reinstartet. Aber ich glaube, da sollten wir ein bisschen zurückhaltender sein.

Wir wissen eigentlich, was wir können, ob jetzt beim Männer-Fußball, oder beim Frauen-Fußball. Die Frauen haben uns all die Jahre bewiesen, was sie drauf haben. Also ich selber bin da ganz gelassen, weil ich weiß, wenn der Gegner auch stärker wird, dann sind sie einfach da an dem Tag, dann werden sie ihre Leistung auch steigern. Von daher wie eben schon gesagt: Es ist nicht immer ganz so einfach, in so ein Turnier hineinzukommen, da braucht man zwei, drei Spiele. Aber wie gesagt, die werden dann mit Sicherheit auch eine sehr, sehr gute Rolle spielen werden.

Degenhardt: Herr Ramelow, mal ehrlich: Sind Sie ein Frauen-Fußball-Experte der ersten Stunde oder eher der letzten Tage?

Ramelow: Ja, gute Frage. Die Frage ist ja, bin ich überhaupt im Männer-Fußball ein Experte. Ich habe ihn zwar all die Jahre ausgeübt, aber jetzt irgendwelche Spiele richtig zu beurteilen, weiß ich nicht, da tue ich mich auch immer ein bisschen schwer. Bei den Frauen ist es so: Ich bin ja auch Botschafter für die Stadt Leverkusen ...

Degenhardt: Ja, da kommen wir gleich noch zu!

Ramelow: ... , und ich habe mittlerweile auch ein paar Frauen kennen gelernt, die halt richtig gut Fußball spielen. Heutzutage die Benefiz-Spiele, die ich habe, da sind ein, zwei, manchmal auch drei Frauen dabei. Es ist mittlerweile gemischt, der Frauen-Fußball ist da anerkannt und da habe ich auch selber gesagt, also das unterstütze ich da sehr, sehr gerne, soweit ich das auch kann.

Degenhardt: Was unterscheidet eigentlich die Frauen-Fußball-Fans von den anderen Fußball-Anhängern, etwa der Männer-Nationalmannschaft oder von Bundesliga-Teams? Sind vielleicht Frauen-Fußball-Fans weniger anfällig für Bier und Randale, sind sie friedfertiger?

Ramelow: Ja, das kann durchaus sein. Ich denke schon, dass die Stimmung im Stadion auch wesentlich ruhiger ist. Man hat nicht so die Fans wie beim Männer-Fußball. Heute ist ja auch ein Spiel in Leverkusen, heute Nachmittag, Japan gegen Mexiko. Dort werde ich auch mit meiner ganzen Familie, mit meiner Frau und zwei Kindern, hingehen und werde mir das mal ganz in Ruhe anschauen. Also ich denke schon, dass die ganze Atmosphäre. Es wird ausgelassen gefeiert, wie wir schon gesehen haben, aber das läuft alles sehr, sehr friedlich ab, aber so soll es ja auch sein.

Degenhardt: Nun waren ja die Erwartungen an das Turnier, an den Gastgeber sehr hoch. Stimmen denn aus Ihrer Sicht bisher Atmosphäre und Begeisterung, oder könnte es ein bisschen mehr sein? Immerhin gab es gestern auch erste Pfiffe.

Ramelow: Ja, wie eben schon gesagt: Ich glaube, da erwarten die Leute einfach zu viel. Vielleicht hat man gedacht, gegen Nigeria. Ich war auch im letzten Jahr im November in Leverkusen, da wurde gegen Nigeria gespielt, da ging es 8:0 aus. Auf der einen Seite ist es ganz gut, dass jetzt die ersten Spielergebnisse nicht ganz so hoch sind. Man sieht, dass die kleineren Mannschaften, die sogenannten kleinen, da auch ganz gut mithalten können.

Das Niveau wird sich noch verbessern, aber es ist absolut erfreulich gerade im ersten Spiel diese Einschaltquote, gerade wo die Deutschen gespielt haben. Das war ja absolut enorm, und ich hätte es selber auch nicht so erwartet. Aber was schön ist, dass die Anerkennung da ist, dass die Unterstützung von vielen Leuten da ist. Der eine oder andere sagt natürlich, Frauen-Fußball interessiert mich überhaupt nicht, das muss man auch akzeptieren. Aber ich denke, das haben die Frauen sich einfach verdient aufgrund der letzten Jahre. Sie waren so erfolgreich. Ein Turnier im eigenen Land, das sollte man schon unterstützen.

Degenhardt: Umgekehrt gibt es ja auch viele Menschen, die Männer-Fußball nicht interessiert. Aber zum Schluss noch die Frage: Ich habe es eingangs erwähnt, Sie sind WM-Beauftragter der Stadt Leverkusen. Ist das mehr als ein Titel, den man sich ans Revers heftet? Was machen Sie da?

Ramelow: Ja, das habe ich so ein bisschen nebenbei gemacht. Ich bin seit Februar bei der einen oder anderen Veranstaltung dabei gewesen, habe auch da gesagt, soweit ich das unterstützen kann. Die Verbindung mit Leverkusen durch die 13 Jahre bei Bayer 04 ist ja durchaus da. Natürlich wurde gefragt, da habe ich gesagt, na klar, ich unterstütze da die Frauen, unterstütze Leverkusen, und im Rahmen meiner Möglichkeiten setze ich mich natürlich da ein. Aber die Termine waren natürlich übersichtlich, es gibt ja genügend andere Leute, die da wirklich von morgens bis abends gearbeitet haben und alles dafür getan haben, dass das vernünftig läuft. Aber das war sehr angenehm, muss ich sagen, die Zusammenarbeit.

Degenhardt: Und auf alle Fälle sind Sie heute mit dabei beim Spiel Japan gegen Mexiko.

Ramelow: Ganz genau.

Degenhardt: Carsten Ramelow war das, ehemaliger Nationalspieler und Bayer-Profi. Er ist WM-Botschafter der Stadt Leverkusen. Vielen Dank, Herr Ramelow, für das Gespräch.

Ramelow: Danke auch. Tschüss!

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Externe Links:

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