Seit 21:30 Uhr Die besondere Aufnahme
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 21:30 Uhr Die besondere Aufnahme
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.02.2013

In der Prinzenrolle, aber ohne aktuellen Ansatz

Intendant Waldimir Malakhov verlässt das Staatsballett Berlin

Von Elisabeth Nehring

Vladimir Malakhov, Intendant des Staatsballetts Berlin (Deutschlandradio - Bettina Straub)
Vladimir Malakhov, Intendant des Staatsballetts Berlin (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Am Freitagnachmittag hat Vladimir Malakhov, seit 2002 Intendant und Erster Solotänzer am Staatsballett, seinen Mitarbeitern verkündet, seinen Intendantenvertrag nicht über 2014 hinaus zu verlängern. Er wolle sich, wie es heißt, "neuen Herausforderungen" widmen.

Doch für diesen Entschluss dürften noch andere Gründe eine Rolle gespielt haben: Insbesondere in den letzten beiden Jahren war die Programmgestaltung des Intendanten andauernder Kritik ausgesetzt. Im März 2012 hatte seine herausragende Tänzerin, die Erste Solistin Polina Semionova, das Ensemble vorzeitig verlassen. Und angeblich soll von Seiten der Politik schon mit potenziellen Nachfolgern verhandelt worden sein.

Auch dass er, mit weit über 40, noch immer Prinzenrollen übernahm, wurde zunehmend kritisiert. Zu recht, denn indem er nicht aufhören konnte oder wollte, hat Malakhov, der bei seinem Beginn vor zehn Jahren als neuer, technisch brillanter, im Ausdruck aber eher zurückhaltender Tänzertypus begeisterte, es verpasst, unter seinen vielen männlichen Tänzertalenten starke, charismatische Nachfolger aufzubauen.

Dennoch bleibt auf der Seite der positiven Bilanz sein Gespür für Tänzer. Malakhov hat eine wirklich hervorragende Companie aufgebaut und mit seinem Coup, die damals erst 17-jährige Absolventin der Bolschoi-Ballettschule Polina Semionova sofort zur Ersten Solistin zu machen, dem Berliner Publikum über viele Jahre bezaubernde Auftritte beschert.

Doch zugleich wurde immer deutlicher, dass Malakhov keine Ahnung, kein Gespür und leider auch keine Berater hatte, um einen ausgewogenen, interessanten Spielplan aufzubauen, in dessen Repertoire sich neben Traditionellem auch Zeitgenössisches findet. Als Direktor, der für Personelles und Inhaltliches verantwortlich zeichnet, wirkt er orientierungslos; seine ästhetischen Entscheidungen gingen überwiegend am Geist der Zeit vorbei.

Die Versuche, sich dem zeitgenössischen Feld zu öffnen, haben in den letzten beiden Jahren keine schlechten Abende hervorgebracht, aber auch keine wirklich richtungsweisende Zugkraft entwickelt. Und genau da ist nun bei der Suche nach einem Nachfolger anzusetzen. Denn statt solide, schnell zu vergessende ästhetische Gefälligkeit, für die der bereits ins Gespräch gebrachte Katalane Nacho Duato stehen würde, braucht es ein entschiedenes Bekenntnis, neben der Klassikerpflege auch aktuelle, zeitgemäße ästhetische Ansätzen ins Repertoire zu integrieren.

Vladimir Malakhov wird eine gut trainierte, motivierte, wunderbare Companie hinterlassen, die herausgefordert werden will. Der dreiteilige Abend "Duato/Forsythe/Goecke" hat gezeigt: In den Tänzern steckt viel mehr als Klassik. Für dieses Ensemble einen Direktor zu finden, der eine anspruchsvolle Mischung aus traditionellen und zeitgenössischen Produktionen zu gestalten vermag, ist sicher nicht leicht, aber dringende Aufgabe aller politisch Verantwortlichen und für diese Stadt sowieso das einzig Angemessene.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsWoody Allens Amazon-Debüt erntet Verrisse
Woody Allen als Schriftsteller Sidney J. Munsinger in seiner Amazon-Serie "Crisis in Six Scenes". (Amazon Studios 2016)

Woody Allens Sitcom "Crisis in Six Scenes" sei die erste Fernsehserie "nur für Senioren", urteilt Verena Lueken in ihrem Verriss für die FAZ. "Vorwärtsschleichend im Bewegungstempo eines Gletschers. Voller Witze mit langem Anlauf, Witzen auch, in denen Hörgeräte, Ersatzhüften, schlechte Augen und Vergesslichkeit weiten Raum einnehmen." Mehr

weitere Beiträge

Fazit

"Comeback" an der Staatsoper BerlinMit nicht nachlassendem Sog
Plakat zum 1929/30 gedrehten Film "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich und Emil Jannings (dpa / picture alliance / Nestor Bachmann)

Oscar Strasnoy erzählt in "Comeback" an der Staatsoper Berlin die Geschichten der Schauspieler Tilla Durieux und Emil Jannings, deren beider Karrieren durch das Dritte Reich eingeschränkt wurden. Eine gelungene Inszenierung, die das Publikum mit lang anhaltendem Applaus belohnte. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur