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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 16.04.2013

Import-Priester in Deutschland

Als afrikanischer Missionar im erzkatholischen Münsterland

Von Thorsten Poppe

Ein neuer Pfarrer - doch woher kommt er? (AP)
Ein neuer Pfarrer - doch woher kommt er? (AP)

Die katholische Kirche in Deutschland nutzt immer mehr Geistliche anderer Muttersprachen für die Arbeit in Deutschland als Seelsorger. Doch wie schaffen es die Pfarrer in einer anderen Sprache, und in einem anderen Kulturkreis überhaupt zu Recht zu kommen? Ein Pfarrer aus Nigeria kämpft mit seinen Aufgaben in Münster.

Samstagabend in Münster. Die Kirchenglocken läuten zum Gottesdienst in der Edith-Stein Gemeinde. Etwas mehr als 50 Gläubige verlieren sich vereinzelt auf den Bänken der St. Pius Kirche, als die römisch-katholische Messe gelesen wird.

"Herr Christus..."

Am nächsten Morgen. Jetzt drängeln sich in der Pius-Kirche rund 80 Gläubige in die ersten beiden Bankreihen. Statt der Orgel spielen Bongos, es ist laut statt andächtig, bunte statt schwarze Kleider werden getragen. Denn jetzt feiern hier die Afrikaner ihre katholische Messe - es ist derselbe Glauben, dieselbe Kirche, und vor allem derselbe Pfarrer wie gestern Abend:

"So let us now thank him together. In Namen des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes."
"Amen".
"Die Gnaden unseres Herren Jesus Christus, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit Euch."
"Und in Deinem Geiste."

"Weltpriester" als Importe

Pfarrer Sylvester Ihouma aus Nigeria gilt als Paradebeispiel für einen so genannten Import-Priester. Damit sind katholische Geistliche gemeint, die aus anderen Ländern hierhin kommen, um eine deutsche Gemeinde zu leiten. Grund dafür sind die massiven Nachwuchsprobleme der Kirche, die ihre Importe lieber "Weltpriester" nennt.

Sylvester Ihouma besitzt dabei sogar eine Doppelfunktion: Er ist nicht nur Pfarrer für die Deutschen, sondern er steht auch noch der afrikanischen Gemeinde in Münster vor. Einmal ist er also ein so genannter "Weltpriester" für die deutschen Katholiken, und für die katholischen Afrikaner zugleich noch ihr muttersprachlicher Priester. Zum Glauben fand der 38-Jährige schon früh in seiner Kindheit:

"Ich war Messdiener vor Ort, und was der Priester dort machte, hat mich immer fasziniert. Und als Messdiener nah am Altar, entwickelte sich innerlich in mir etwas. Ich weiß nicht wie, ich kann nicht erklären, aber deshalb glaube ich auch daran, dass es eine Berufung von Gott selber ist. Dass ich spürte, ich möchte gerne Priester werden. Ohne zu wissen, was das alles bedeutet."

Zurück zum Gottesdienst am Samstagabend in seiner deutschen Gemeinde. Sylvester Ihouma hat es nach acht Jahren hier als Pfarrer geschafft sich zu integrieren. Auch bei seiner seelsorgerischen Arbeit findet er sich mittlerweile im abendländischen Kulturkreis zurecht.

Denn Deutsche leben den Glauben ganz anders, als es der Pfarrer aus seiner Heimat Nigeria gewohnt ist. Das merkt man bei ihm schon im Vorfeld des Gottesdienstes, da schöpft er mittlerweile auch aus dem abendländischen Kulturkreis. Und hat sich einiges von den katholischen Deutschen für seine Arbeit abgeschaut:

"Mit der Pünktlichkeit, mit der Ordentlichkeit und so, dass man versucht auch im Voraus Sachen zu planen. Auch Gottesdienste so zu gestalten, und das kommt mir auch entgegen. Also ich meine, ich bin spontan veranlagt."

Enge Zeitvorgaben für die Predigt

Pünktlich geht es um 18.30 Uhr los. Das ist bei der deutschen Messe wichtig, schließlich sind alle Katholiken schon längst auf ihren Plätzen. Und länger als eine Dreiviertelstunde darf es eigentlich nicht dauern. Da ist der typische Abendländer eher ein Funktionalist. Das weiß mittlerweile auch Pfarrer Sylvester, der sich in seiner Predigt genau an die engen Zeitvorgaben für seine deutsche Gemeinde hält:

"Auch wenn Gott das Sein, das Ewige bleibt, und unveränderbar ist, bevorzugt unser Gott, liebe Mitchristen, uns eine Seite zu offenbaren, die die Beziehung zu ihm, ermöglicht."

Seine deutsche Gemeinde erkennt das durchaus an, dass sich Pfarrer Sylvester auf ihre Gewohnheiten, auf Ihre Art der Messe eingelassen hat. Und eben auch auf ihr kulturelles Umfeld. Ohne diese Handreichung hätte er hier keine Anerkennung finden können. Und wäre als katholischer Geistlicher von vornerein gescheitert. Vor allem seine offene Art auf die Leute zuzugehen, und sein Humor haben ihn schnell integriert. Überraschend für die Meisten hier, wie wir nach der Messe erfahren. Schon bei seinem ersten Gottesdienst vor acht Jahren bewies er Schlagfertigkeit, wie sich eine Teilnehmerin noch gut erinnert:

"Es ist ein wenig spaßig gewesen. Er wäre Afrikaner, hat eine andere Hautfarbe. Zwei Dinge dürfte man nicht machen in Deutschland oder in Münster: Schwarz fahren, und Schwarz arbeiten. Ganz zu Anfang, und das zeigte ja, dass er Humor hat, dass er eigentlich mitten im Leben ist. Ich glaube, da hat er auch ganz viele Herzen gewonnen in dem Augenblick."

"Ich weiß von Pater Sylvester, dass er hier vorzüglich Fahrrad fahren gelernt hat. Also die Münsteraner Kultur, die Fahrradkultur, ist also auf ihn übergegangen. Und er fährt also rasend schnell und sehr sicher."

"Aber es könnte natürlich schwierig sein, wenn man aus einer anderen Gemeinde kommt, wo Armut ein großes Thema ist, und kommt hier in eine komplett andere Kultur, und ist dann mit Burnout-Syndrom, mit solchen Geschichten konfrontiert. Ich glaube, dass das schwierig ist."

Kein Nachwuchs in Sicht

Die Sprache ist erst einmal der Schlüssel für den Erfolg eines solchen Projektes. Das weiß auch die katholische Kirche mittlerweile, und hat spezielle Auswahlkriterien entwickelt. Denn sie ist in Deutschland einfach auf die Weltpriester angewiesen. Wenn sie nicht auf die Geistlichen aus aller Herren Länder zugreifen würde, wären zahlreiche deutsche Kirchengemeinden ohne Pfarrer.

Der Nachwuchs fehlt in Deutschland, während in anderen Ländern der Zulauf zum Katholizismus ungebrochen ist. Weihbischof Dieter Geerlings ist im Bistum Münster zuständig für das Personal. Er weiß um die vielen Hürden des Integrationsprozesses für die Pfarrer in eine deutsche Gemeinde, und macht es am Beispiel der vielen indischen Geistlichen bei uns fest:

"In unserer Diözese sollen ungefähr 200 Priester der Weltkirche einmal tätig sein. Die Schwierigkeit ist ja vor allem eine Schwierigkeit der Sprache, es ist eine Schwierigkeit der Kultur. Wenn man hier als Priester hinkommt, muss man auch so eine Art geistlicher Kommunikation halten können. Das ist natürlich für Leute aus Indien zunächst mal schwierig wegen der Sprache. Also legen wir Wert auf eine Sprachschulung, und die soll stattfinden schon in Indien. Dort sollen sie an entsprechenden Instituten Deutsch lernen, aber es ist nicht die Sprache, mit der man von vornherein Seelsorge betreiben kann. Ich sage mal, Umgangssprache. Da sieht man die Aufgabe."

Da zu sein für Gläubige, die anders als man selbst sozialisiert sind, ist eine große Herausforderung für jeden. Wie soll da Seelsorge reibungslos funktionieren? Dieser Frage ging in einer 2011 veröffentlichen Studie die evangelische Fakultät der Universität Münster nach. Dazu wurden an die mehr als 1.500 ausländischen Priester in Deutschland Fragebögen verschickt, die sich mit ihrer Lebenssituation beschäftigten. Fast die Hälfte der Angeschriebenen sendete das Papier ausgefüllt zurück. Daneben lebten Stefan Leibold und seine Kollegen der Universität Münster auch mehrere Wochen lang bei den Pfarrern in deren deutschen Gemeinden, und führten vor Ort zahlreiche Gespräche mit ihnen:

"Das Problem ist nur, dass in einem Bereich der Seelsorge, der Begleitung von Menschen, natürlich nicht nur nötig ist einigermaßen gut deutsch zu sprechen, sondern sehr gut deutsch zu sprechen. Auch den kulturellen Hintergrund der Menschen zu verstehen, was geht da in denen vor. Andere Schwierigkeiten sind zum Beispiel wie ein unterschiedliches Verständnis von Pastoral. So etwas wie aufsuchende Pastorale gibt es oft nicht in den Heimatländern, das heißt viele Priester haben dann zu Hause gesessen, und gewartet, dass die Gläubigen zu ihnen kommen. Das tun die aber in Deutschland natürlich nicht, weil die erwarten, dass der Priester sich überall selber einmischt, nicht einmischt, sondern initiativ wird, und Dinge macht, und so weiter und so fort."

Diese Probleme hatte Pfarrer Sylvester nicht. Denn sein Werdegang als Weltpriester für eine deutsche Gemeinde tätig zu sein, ist eher ein ungewöhnlicher gewesen. Mit 14 Jahren absolvierte er schon in seiner Heimat ein kleines Priesterseminar, und war nach dem Abitur zusammen mit einem Pfarrer in einer Gemeinde tätig.

Ein Priester - zwei Gemeinden

Es folgte das große Priesterseminar - vier Jahre Studium der Philosophie. Danach wurde er vom Bischof persönlich ausgewählt und nach Rom entsendet. Dort beendet er in einem weiteren Priesterseminar mit Kollegen aus aller Welt auch noch sein Theologiestudium. Für seine Promotion kam er dann vor über 15 Jahren nach Münster. Nachdem er schon länger in Deutschland lebte, bekam er vom Bistum Münster nicht nur den Auftrag als Priester für eine deutsche Gemeinde tätig zu sein, sondern auch daneben noch eine afrikanische in seiner Muttersprache zu leiten.

"Was ich als Afrikaner in mir trage, in meiner Spiritualität, in meiner Art des Lebens, konnte ich bis jetzt auch versuchen reinzubringen in meiner Predigt, in meiner Gestaltung des Gottesdienstes für die deutsche Gemeinde. Und ich merke, dass es auch gut ankommt. Und dann fühlt man sich auch betätigt in seiner Grundüberzeugung, und Grundlebenseinstellung. Und ich lerne auch gleichzeitig viel von der deutschen Gemeinde. So viele Sachen, die mir auch sehr wichtig sind, dass ich von denen lerne, und dann versuche zu verbinden mit meinem persönlichen Leben auch, mit meinem Leben als Priester in der Gemeinde."

Die Vorbereitungen am nächsten Morgen für den Gottesdienst seiner so genannten muttersprachlichen Gemeinde der Afrikaner. Alle vier Wochen kommen aus dem Umland Münsters katholische Gläubige in die Pius-Kirche. Es sind im Gegensatz zu den Deutschen vor allem junge Familien mit Kindern, für die dieser Termin der Höhepunkt des Monats ist.

Selbst die Kleinsten sind schon festlich gekleidet, die Kirche wirkt viel lebendiger als noch am Abend zuvor. Alle trudeln erst einmal langsam ein, denn sie wissen, dass es auch heute wieder sicher zwei Stunden dauern wird. Wenn nicht länger. So sind auch Pinkelpausen für die Kinder zwischendrin überhaupt kein Problem:

"Die Gnaden unseres Herren Jesus Christus, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit Euch."
"Und in Deinem Geiste."

Der Gottesdienst läuft meist in drei Sprachen ab: Deutsch, Englisch, und Französisch. Schließlich kommen die Gläubigen aus vielen verschiedenen Ländern Afrikas. Und sprechen daher auch unterschiedliche Sprachen. Neben ihrem Heimatdialekt eben auch die Sprache der ehemaligen Kolonialherren Frankreich oder Großbritannien. Auch in dem Fall nennt die Kirche es muttersprachliche Gemeinde.

Neue Heimat für Gläubige aus anderen Ländern

So strömen heute Menschen aus Kamerun oder Nigeria genauso nach St. Pius in Münster, wie ihre in Deutschland geborenen Kinder. Und der Nachwuchs unterstützt nun auch endlich Pfarrer Sylvester so, wie er aus seiner deutschen Gemeinde gewohnt ist:

"Weil ich meinem Priester helfen wollte, Gott zu dienen. Ich wollte nicht, dass er da oben alleine steht. Wir sind jetzt bereit, wir haben Kommunion, alles bereit um Messdiener zu sein. Also habe ich mir gedacht, warum nicht. Nutze die Chance, und werde Messdiener!"

Auch das ist eine Aufgabe der Kirche in Deutschland: Gläubigen aus anderen Ländern eine Heimat zu geben. Zwar ist jeder Bürger mit Wohnsitz hier automatisch in der Gemeinde vor Ort Mitglied, sofern er in der katholischen Kirche ist. Aber das heißt noch lange nicht, dass er auch in den deutschen Gottesdienst kommt. Viele Afrikaner haben die Katholiken vor allen an die Freikirchen verloren, die den Glauben mitunter anders interpretieren.

In Münster bei Pfarrer Sylvester funktioniert das deshalb besser, weil er einmal als Weltpriester der deutschen Gemeinde vorsteht, und dann auch als muttersprachlicher Priester bei den Afrikanern tätig ist. Eine gewinnbringende Konstellation für alle Beteiligten, zu mal Weihbischof Geerlings noch um ganz andere Hürden weiß, die bei der Integration sonst noch entstehen können:

"So einfach mit der Integration mit der Gemeinde in Deutschland ist das nicht. Das liegt aber nicht nur an denen, das liegt auch an der Integrationsbereitschaft der deutschen Gemeinden. Das ist nicht überall also in gleiche Weise zu gestalten, positiv zu gestalten. Da gibt es auch Berührungsängste."

Dazu kommt noch ein anderes Verständnis, was die Stellung eines Priesters überhaupt in der Gemeinde angeht. Die Weltpriester sind es aus ihrer Heimat gewohnt in vollen Kirchen zu predigen, und der Vertreter Gottes in ihrer Region zu sein. Und damit die alleinige Verfügungsgewalt in der Gemeinde zu besitzen. Das führt in Deutschland mitunter zu kuriosen Situationen wie Stefan Leibold von der Universität Münster in seiner Studie aufdeckte:

"Viele der Priester haben auch ein Verständnis, dass heißt sie sind nicht Teil der Gemeinde, sondern sie sind gegenüber der Gemeinde. Sie haben eine herausgehobene Stelle, sie repräsentieren Christus im Land und in der Gemeinde, und haben von daher von ihrem Selbstverständnis eher eine hervorgehobene Stellung. Das passt in deutschen Gemeinden nicht unbedingt, sie habe dann Schwierigkeiten, dass insbesondere Frauen sich so selbst verstehen, dass sie einen wichtigen Beitrag leisten, und sehr aktiv sind. Wenn sie leitende Pfarrer sind, und zum Beispiel verantwortlich für Finanzen sind, ist das so zum Beispiel so, dass das in Deutschland anders ist. In Deutschland, in den Gemeinden kann ohne den Kirchenvorstand nichts passieren an Geld ausgeben, während ein indischer Priester in einem Fallbeispiel daran gewöhnt war, dass er natürlich entscheidet, was mit dem Geld gemacht wird. und der Kirchenvorstand dann irgendwann gemerkt hat, was hat der denn da wieder abgezweigt."

Heute wird im afrikanischen Gottesdienst von Pfarrer Sylvester noch die kleine Ayana getauft. Sie ist ein echtes Mischlingskind. Ihre Mutter ist echte Münsterländerin. Der Vater stammt ursprünglich aus Äthiopien, wuchs aber als Adoptivkind nahe der Stadt auf. Er hat sich ganz bewusst für Pfarrer Sylvester, und die Taufe im afrikanischen Gottesdienst entschieden:

"Mir war halt die ganze Feierlichkeit vom Gottesdienst her angenehmer, oder mehr in meiner Komfortzone, als der akkurate Gottesdienst, der halt so gut römisch-katholisch durchgezogen wird. Gerade halt aus dem Grund, dass sie ein Mischlingskind ist, und hier andere Menschen sieht, die diese Herkunft haben. Und dadurch vielleicht auch ein anderes Zugehörigkeitsgefühl entwickelt, und weiß, dass es mehr von ihr gibt, und so eine bessere Anbindung findet."

"Glauben Sie an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn. Der geboren ist von der Jungfrau Maria, der gelitten hat, und begraben wurde, von den Toten auferstand, und zur Rechten des Vaters sitzt." "Ja, ich glaube." "Ayana ich taufe Dich im Namen des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes. Ist schon gut, sie ist die Prinzessin von heute, von daher haben wir Zeit für sie."

Die große Ausnahme

Pfarrer Sylvester ist auch ein Vermittler zwischen zwei Kulturkreisen. Sowohl die deutschen als auch die afrikanischen Katholiken lernen in Münster viel voneinander. So kann er den Deutschen dadurch viel von seiner Kultur zeigen, und sie ihn und seine andere Interpretation den Glauben zu leben, besser verstehen.

Viel besser, als wenn ein Weltpriester nur einer deutschen Gemeinde vorsteht. Dieses Modell besitzt für Dr. Stefan Leibold und seine Kollegen von der Universität Münster keine großen Zukunftsperspektiven. Für Ihn ist und bleibt Pfarrer Sylvester mit seiner deutschen und afrikanischen Gemeinde die große Ausnahme:

"Die erste Schlussfolgerung ist die, dass ausländische Priester als Ersatz für fehlende deutsche Priester keine Alternative sind. Es bringt auf gut deutsch mehr Probleme mit sich, als es welche löst. Das ist kein empfehlenswerter Weg. Es gibt einzelne Priester, die wir globale Priester genannt haben, die eine ganz hervorragende Arbeit machen, eine wirkliche Bereicherung für die Gemeinden sind. Es ist aber davon auszugehen, dass das eher eine kleine Minderheit ist."

Es hakt vor allem an den nicht vorhandenen Erfahrungen der Weltpriester, welche Probleme ihre neue Gemeinde in Deutschland besitzt. Sich einfinden in die Sorgen und Nöte der Kirchgänger sind die entscheidende Kriterien, was ihnen Stefan Leibold abspricht.

Die katholische Kirche sieht das anders. Sie hat ja auch kaum eine Wahl, als ihre Nachwuchsprobleme hierzulande mit Priestern der Weltkirche zu lösen. Dazu ist man in dieser Hinsicht Vorreiter, und kann nicht auf Erfahrungswerte aus anderen Ländern zurückgreifen. Ideal wäre deshalb ein anderer Weg, den die Weltpriester vorab gehen sollten, wie Weihbischof Geerlings meint:

"Wenn die als Priesteramtskandidaten direkt hierher kämen, und nach der Ausbildung noch hier wären, dann hätten sie in der Ausbildung Deutsch gelernt. Es geht darum, wie wir leben, es geht darum, wie ist das Verhältnis von Frauen und Männern, da sind alles Dinge, die sind in andere Kulturen anders. Da wäre so ein Bereich."

Das Beispiel Pfarrer Sylvesters macht Mut, dass es gelingen kann. Und bringt vielleicht genau den frischen Wind, den die katholische Kirche in ihrer jetzigen Situation benötigt. Pfarrer Sylvester jedenfalls will dabei mithelfen sie zu erneuern:

"Ich wünsche mir, dass sich mehr Gemeinden mehr und mehr öffnen für eine lebendigere Art des Gottesdienstes. Wo die Menschen wirklich nicht nur einfach dazu beten, weil es ist auch eine Feier. Wo der Gottesdienst gefeiert wird, die Menschen sind nicht so in sich zurückkehren, sondern aus sich herauskommen. Um Gott zu feiern. Wie ich es in Afrika gewöhnt bin. Ich weiß, dass das eine Mentalitätssache ist, eine kulturelle Prägung ist, wo die Menschen von Anfang an gelernt haben, in der Kirche wirklich so still, so steif, so andächtig zu sein. Von daher wünsche ich mir, dass eine Lebendigkeit in der Gestaltung des Gottesdienstes vorhanden ist, damit auch junge Menschen viele auch sich hinein finden in die Kirche."

Länderreport

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