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Fazit / Archiv | Beitrag vom 14.11.2012

"Im Nebel"

Ein ebenso fatalistischer wie humanistischer Anti-Kriegsfilm

Von Jörg Taszman

Szene aus "Im Nebel" (Neue Visionen Film Verleih)
Szene aus "Im Nebel" (Neue Visionen Film Verleih)

Bauer Sushenya hat den Fehler gemacht zu überleben. Drei seiner Kollegen werden von den Deutschen 1942 umgebracht. Da er am Leben gelassen wurde, verdächtigen ihn seine Landsleute der Kollaboration mit den Nazis.

Nach seinen erfolgreichen und eigenwilligen Dokumentarfilmen wie den gänzlich aus Archivmaterial montierten "Blokada" (2005) über die Belagerung Leningrads im zweiten Weltkrieg, befasst sich der in Berlin lebende ukrainische Filmregisseur Sergei Loznitsa in seinem 2.Spielfilm erneut mit dem "Großen Vaterländischen Krieg".

Zwei Partisanen werden im Sommer 1942 ausgeschickt, um im von den Deutschen besetzten Westen der Sowjetunion einen angeblichen Verräter zu liquidieren. Das Vergehen von Sushenya, einem ganz einfachen Bauern und Eisenbahners besteht darin, dass ihn die Deutschen freigelassen haben. Drei seiner Kollegen wurden jedoch nach einem Sabotageakt gehängt. Nach stalinistischer Partisanenlogik muss Sushenya also der Verräter sein ...

In sehr langen und ruhigen Einstellungen gelingt Sergei Loznitsa eine ebenso beklemmende, wie überzeugende Parabel über den Krieg im Allgemeinen aber auch eine anrührende Geschichte vom verheerenden Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion mit all ihren Folgen für die Zivilbevölkerung. Irgendwie hat man versucht, sich im Alltag mit den Besatzern zu arrangieren. Einige arbeiten als Hilfskräfte für die Deutschen, sind überzeugte Kollaborateure, andere schließen sich den Partisanen an. Jemand wie Sushenya gerät so schnell zwischen die Fronten. Er ist weder Verräter noch Partisan. Und genau das wird ihm zum Verhängnis.

Loznitsa hat ein Kammerspiel um drei Personen im Wald gedreht. In Rückblenden fächert er für jede Figur die eigene, teilweise widersprüchliche Geschichte auf. Am Ende steht ein ebenso fatalistischer wie humanistischer Film, der sich konsequent gängigen Kino-Kriegsbildern verweigert und den Zuschauer noch lange gefangen nimmt.

D/Belorus/ Lettland/ Niederlande 2012, Regie: Sergei Loznitsa, Darsteller: Vladimir Svirskiy, Wladislaw Abaschin, Sergei Kolesow, Altersfreigabe: 12 Jahre, 127 Minuten

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