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Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsHaftbefehl, Schreibenergien und komische Namen
Die neueste Version des maschinenlesbaren und angeblich fälschungssicheren Personalausweises, der ab 1. Januar 1986 erstmals ausgegeben werden soll, wird im Dezember 1984 vom Bundesinnenministerium in Bonn vorgestellt. Ob dies die entgültige Form des umstrittenen Ausweises sein wird, muß noch vom Bundestag entschieden werden.

Die "Zeit" belehrt über den richtigen Umgang mit dem neuesten Werk des Rappers Haftbefehl, aber gibt auch Patrick Modiano Raum, der sich bescheiden über seine Ambitionen auslässt. Die "Berliner Zeitung" dagegen zeigt sich heute volksverbunden: Sie kümmert sich um die Mustermanns.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 14.06.2012

Im Keller eingemauert

Uraufführung von "Mörder Kaspar Brand" in Düsseldorf

Von Ulrike Gondorf

Der Schriftsteller Edgar Allan Poe lieferte die Vorlage zu der Oper "Mörder Kaspar Brand".
Der Schriftsteller Edgar Allan Poe lieferte die Vorlage zu der Oper "Mörder Kaspar Brand". (AP Archiv)

Ein Restaurantbesitzer wird zum "Mörder Kaspar Brand" durch eine Tat, die er aus Eifersucht verübt. Dem Psychogramm dieses Täters spürt der Komponist Anno Schreier in einem Auftragswerk für die Deutsche Oper am Rhein nach - inspiriert von einer Schauergeschichte von Edgar Allan Poe.

Anno Schreier ist erst 33; aber er hat jetzt bereits seine vierte Oper uraufgeführt. Sein Interesse gilt dabei eher den inneren Konflikten als den äußeren Ereignissen, und ein gewisser Zug ins Düstere verbindet seine Stücke. Das gilt auch für "Mörder Kaspar Brand", eine Kammeroper auf der Grundlage einer Schauergeschichte von Edgar Alan Poe: Der Täter lockt sein Opfer in den Keller und mauert es dort ein.

Mit seinem Librettisten Philipp J. Neumann, der zugleich der Regisseur der Düsseldorfer Uraufführung ist, hat Schreier sich aber von der genialen Einfachheit der Poe-Erzählung weit weglocken lassen. Mit einem Wust von Einzelheiten bis hin zu den Namen französischer Lokale und Spezialitäten konstruieren die beiden eine verschachtelte, zwischen Erinnerung und Halluzination taumelnde Geschichte von einem strauchelnden Restaurantchef und seinem mächtigen Konkurrenten und persönlichen Rivalen und einem brutalen Eifersuchtsmord – und am Ende war dann doch alles ganz anders.

Als Regisseur verkompliziert Philipp J. Neumann nochmals sein eigenes Libretto. Was sich las wie ein subtiler Horrorfilm von Claude Chabrol, in dem unter bürgerlich-glatter Oberfläche plötzlich Gewalt und Wahnsinn aufbrechen, wird zum Spiel in einer Zirkusmanege, mit hinzuerfundenen stummen Figuren und surrealen Traumsequenzen. Der Zuschauer bleibt am Ende einigermaßen ratlos zurück – unter dem Eindruck, dass die Musik von Anno Schreier, von Textmassen gejagt, nur selten sich kommt.

Dann zeigt sie souveräne handwerkliche Qualität – ein Avantgardist ist Schreier nicht. Er scheut weder die Tonalität noch die kantable Linie, bewegt sich mit der Souveränität der Postmoderne durch alle Tonsprachen, die im letzten Jahrhundert auf der Opernbühne gesprochen worden sind. Der Klang ist dunkel grundiert, beherrscht von Kontrabässen, Celli und Blechbläsern, zwei tiefe Männerstimmen sind die Protagonisten. Es gibt hochexpressive Momente, aparte Farbmischungen, gekonnte Zitat- und Parodieeffekte, die ein Kammerorchester der Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Wen Pin Chien virtuos umsetzt. Im durchweg sehr guten Sängerensemble dominiert James Bobby als tragisch zerrissener Kaspar.

Informationen der Rheinoper zu "Mörder Kaspar Brand"

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