Freitag, 22. August 2014MESZ03:59 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDie Frau der Stunde
Die finnisch-estnische Autorin als Ehrengast während eines Interviews im Gresham Palast auf dem 21. Budapest International Book Festival in Budapest, Ungarn, am 24. April 2014. 

Die "Süddeutsche Zeitung" und die "Welt" widmen sich der prophetischen Kraft des neuen Romans der finnisch-estnischen Autorin Sofi Oksanen. Und die "FAZ" lässt einen hochrangigen Vertreter des Islamischen Staates zu Wort kommen. Mehr

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Fazit

AtonalEchos von der Schweinehaut
Der Eingang zum Club Tresor in der Köpenicker Straße in Mitte am 12.02.2009 in Berlin während der Party "Transducers! Berlin - London - Wien" von Filmbranche und elektronischer Musikszene

Das Festival Berlin Atonal startete im Berliner Club Tresor mit dem Ensemble Modern und Klassikern der Minimal Music. Es klang nach einer Verneigung vor historischen Größen elektronischer Musik. Mehr

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Der Brite Michael Clark, seit 30 Jahren als "Revoluzzer" des klassischen Balletts bekannt, sorgt beim Tanzfestival "Tanz im August" in Berlin für einen ersten Höhepunkt. Bei ihm wird Punk Design.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 14.06.2012

Im Keller eingemauert

Uraufführung von "Mörder Kaspar Brand" in Düsseldorf

Von Ulrike Gondorf

Der Schriftsteller Edgar Allan Poe lieferte die Vorlage zu der Oper "Mörder Kaspar Brand".
Der Schriftsteller Edgar Allan Poe lieferte die Vorlage zu der Oper "Mörder Kaspar Brand". (AP Archiv)

Ein Restaurantbesitzer wird zum "Mörder Kaspar Brand" durch eine Tat, die er aus Eifersucht verübt. Dem Psychogramm dieses Täters spürt der Komponist Anno Schreier in einem Auftragswerk für die Deutsche Oper am Rhein nach - inspiriert von einer Schauergeschichte von Edgar Allan Poe.

Anno Schreier ist erst 33; aber er hat jetzt bereits seine vierte Oper uraufgeführt. Sein Interesse gilt dabei eher den inneren Konflikten als den äußeren Ereignissen, und ein gewisser Zug ins Düstere verbindet seine Stücke. Das gilt auch für "Mörder Kaspar Brand", eine Kammeroper auf der Grundlage einer Schauergeschichte von Edgar Alan Poe: Der Täter lockt sein Opfer in den Keller und mauert es dort ein.

Mit seinem Librettisten Philipp J. Neumann, der zugleich der Regisseur der Düsseldorfer Uraufführung ist, hat Schreier sich aber von der genialen Einfachheit der Poe-Erzählung weit weglocken lassen. Mit einem Wust von Einzelheiten bis hin zu den Namen französischer Lokale und Spezialitäten konstruieren die beiden eine verschachtelte, zwischen Erinnerung und Halluzination taumelnde Geschichte von einem strauchelnden Restaurantchef und seinem mächtigen Konkurrenten und persönlichen Rivalen und einem brutalen Eifersuchtsmord – und am Ende war dann doch alles ganz anders.

Als Regisseur verkompliziert Philipp J. Neumann nochmals sein eigenes Libretto. Was sich las wie ein subtiler Horrorfilm von Claude Chabrol, in dem unter bürgerlich-glatter Oberfläche plötzlich Gewalt und Wahnsinn aufbrechen, wird zum Spiel in einer Zirkusmanege, mit hinzuerfundenen stummen Figuren und surrealen Traumsequenzen. Der Zuschauer bleibt am Ende einigermaßen ratlos zurück – unter dem Eindruck, dass die Musik von Anno Schreier, von Textmassen gejagt, nur selten sich kommt.

Dann zeigt sie souveräne handwerkliche Qualität – ein Avantgardist ist Schreier nicht. Er scheut weder die Tonalität noch die kantable Linie, bewegt sich mit der Souveränität der Postmoderne durch alle Tonsprachen, die im letzten Jahrhundert auf der Opernbühne gesprochen worden sind. Der Klang ist dunkel grundiert, beherrscht von Kontrabässen, Celli und Blechbläsern, zwei tiefe Männerstimmen sind die Protagonisten. Es gibt hochexpressive Momente, aparte Farbmischungen, gekonnte Zitat- und Parodieeffekte, die ein Kammerorchester der Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Wen Pin Chien virtuos umsetzt. Im durchweg sehr guten Sängerensemble dominiert James Bobby als tragisch zerrissener Kaspar.

Informationen der Rheinoper zu "Mörder Kaspar Brand"

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Blindsein macht keine Opernhelden