Seit 12:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 12:07 Uhr Studio 9
 
 

Literatur / Archiv | Beitrag vom 20.07.2010

"Ich bin nur ein Teil des großen Ganzen"

Unterordnung und das Gegengift der Individualität

Von Detlef Grumbach

Mauerfall als Wendepunkt für den Helden in "Die Eignung". (AP Archiv)
Mauerfall als Wendepunkt für den Helden in "Die Eignung". (AP Archiv)

Michael Sollorz und Anke Stelling reagieren auf das Phänomen, die eigene Individualität übergeordneten Ideen oder Sachzwängen zu opfern, seinen Platz und sein Selbstwertgefühl in klaren Hierarchien von Befehl und Gehorsam zu finden.

Nichts wird in modernen westlichen Gesellschaften größer geschrieben als Individualismus, die eigene, unverwechselbare Identität und die persönliche Freiheit.

Und doch reagieren Autorinnen und Autoren auf ein ande­res Phänomen: das Bedürfnis nach einer eigenen Bedeutsamkeit, die ihre Wurzeln in der Unterordnung hat; danach, eine Aufgabe zu erfüllen, die eigene Individualität übergeordneten Ideen oder Sachzwängen zu opfern, seinen Platz und sein Selbstwertgefühl in klaren Hierarchien von Befehl und Gehorsam zu finden.

Im Zentrum der Sendung stehen Michael Sollorz und Anke Stelling. Sollorz erzählt in "Die Eignung" von einem Angehörigen der kasernierten Volkspolizei, dem die Wende den Boden unter den Füßen wegzieht und der seinen Platz wieder in einer "Elite-Einheit" sucht. Anke Stelling gestaltet in "Horchen" eine Frauenfigur, deren Suche nach der eigenen Identität ins Leere läuft, weil sie die "Freiheit", die sie eigentlich schätzt, auch als "Beliebigkeit" empfindet, die sich deshalb auch nach einer Autorität und einer klar vorgegebenen Richtung sehnt.

Was macht diese und auch die Figuren anderer Romane anfällig für dieses Phänomen? Wirkt Individualismus als Gegengift? Oder hinterlässt vielleicht gerade er die Leere, die eine Suche nach autori­tären Strukturen begünstigt?

Manuskript zur Sendung als PDF-Dokument oder im barrierefreien Textformat

Literatur

Kathy Zarnegin: "Chaya"Weigerung, eine Exotin zu sein
Kathy Zarnegin zu Gast beim "Bücherfrühling" von Deutschlandradio Kultur bei der Leipziger Buchmesse 2017 (Deutschlandradio / Stefan Fischer)

Wie entfernt man sich möglichst weit von den Werten und Prägungen der Familie? Wie wird man Schriftstellerin in neuer Umgebung und einer anderen Sprache? Kathy Zarnegins Romandebüt "Chaya" steckt voller bissiger Beobachtungen, radikaler Argumente und Ambivalenzen.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur