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Essigs Essenzen (Archiv) / Archiv | Beitrag vom 19.09.2008

Ich bin doch nicht dein Leo …

Von Rolf-Bernhard Essig

Diesmal geht es um die Redensarten: Ich bin doch nicht dein Leo, Das ist nur eine Luftnummer, Federn in die Luft blasen, Klappe zu, Affe tot u.a.

Ich bin doch nicht dein Leo / Bin ich denn dein Leo?

Die abwehrende Bemerkung, die eine Aufforderung oder Bitte als Zumutung klassifiziert, arbeitet wahrscheinlich mit einem Jokernamen, denn sie ist weit verbreitet, wobei die Namen wechseln. So gibt es auch noch "Ich bin doch nicht dein Himbeertoni" oder "dein Larry".

Das ist nur eine Luftnummer

In der Redewendung schwingt eine gewisse Verachtung mit, zumindest Spott. Wer eine Luftnummer vollführt hat, gilt als Schaumschläger, als Nullbucher. Dabei gehörte sie zu den schwierigen Vorführungen im Zirkuns, wo es eben die Artisten in der Luft akrobatische Nummern vorführten. Der Fachbegriff der Zirkuswelt für zum Beispiel Trapezkünstler veränderte sich bei der Übertragung in den Alltag. Jetzt kam er unter den Einfluss des Wortes "Luftbuchung", also des buchhalterischen Tricks, etwas zu buchen, ohne dass tatsächlich etwas Substanzielles geschah. Damit wurde auch die Luftnummer zu einer Ungreifbaren Sache, zu einem Taschenspielertrick oder einer fehlgeschlagenen Aktion, ähnlich wie der Schlag ins Wasser.

Federn in die Luft blasen

Eigentlich gebräuchlicher ist die Redewendung "Federn in den Wind schütten". Sie bezeichnet nicht nur etwas Sinnloses, sondern Dummes, denn wer Federn in den Wind (also gegen die Windrichtung) schüttet, bekommt sie alle ins Gesicht und auf die Kleidung. Es gab aber auch Rituale, bei denen eine in die Luft geblasene Feder wie ein Gottesurteil verwendet wurde: Wo sie sich niederließ, da baute man ein Haus, dahin ging man etc. In Verbindung mit diesem Ritual kann dann auch ein positiver Schicksalsschlag mit dem Ausdruck "Federn in die Luft blasen" umschrieben werden, verspricht man sich doch von diesem Brauch einen Wink des Himmels und seinen Segen. Genauso geht es ja in dem Märchen der Brüder Grimm "Die drei Federn", wo der angeblich dümmste jeweils das Beste findet, im Gegensatz zu seinen Brüdern. Dies teilte gerade ein Hörer noch mit.

Klappe zu, Affe tot

Nach dem Mauerbau gab die Führung ein Lied in Auftrag, dass "Klappe zu, Affe tot" hieß. Damit sollte der Mauerbau als antimilitaristischer Schlag bezeichnet werden. Die genaue Bedeutung des Ausdrucks, der natürlich älter ist, liegt leider im Dunkel der Geschichte. Es gibt die Vermutung, dass es sich um einen Pleonasmus handeln könnte, also zweimal das gleiche gesagt wird, denn "apen" heißt im Niederdeutschen "offen". Wenn das "tot" im Sinne von "nicht mehr vorhanden" gelesen würde, könnte es also "Klappe zu, das Offene nicht mehr", also auch zu bedeuten.

Keinen Deut

In den Niederlanden der Frühen Neuzeit kursierte als kleinste Münze der "duit", gesprochen "deut". Diese Münze war auch in deutschen Landen im Umlauf, wo sie wegen ihres geringen Wertes auch als Bezeichnung für "etwas", "wenig", "gering" etc. verwendet werden konnte. Ursprünglich hieß das Wort einmal "das Abgehauene", ein Stückchen also von einem Metallbarren.

Flöten gegangen

Die Herkunft der Wendung wird unterschiedlich gedeutet. Einerseits soll es um den schnell vergehenden Ton der Flöte gehen. Es ist ja nur Luft, dazu ist der Flötenton nicht besonders stark und verhallt sehr schnell. Andererseits kann es sich auch um die Umschreibung dafür handeln, dass jemand sich in die Weite aufmacht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Drittens kann es ursprünglich geheißen haben "urinieren gehen", "pissen gehen". Mit letzter Sicherheit lässt sich das nicht mehr sagen.

So schnell schießen die Preußen nicht

Eigentlich sind die Preußen besonders dafür bekannt, dass sie gut gedrillt sind. Ihre dreireihige Schussformation erlaubte rasche Schussfolgen. Wahrscheinlich entstand die Redensart in Bezug auf die bekannte Fixigkeit der Preußen, doch wahrscheinlich in Zusammenhang mit einem besonderen historischen Ereignis. So soll Bismarck im Jahr 1875 die Gefahr eines drohenden neuerlichen deutsch-französischen Krieges gesagt haben: "So schnell schießen die Preußen nicht." Doch war zu dieser Zeit der Spruch schon im Umlauf. Vielleicht findet man irgendwann den richtigen Ursprung noch.

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