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Rang I | Beitrag vom 06.02.2016

Houellebecqs "Unterwerfung" als Bühnenmonolog"Wichtig ist, dass wir uns nicht mundtot machen lassen"

Karin Beier im Gespräch mit André Mumot

Die Intendantin des Deutschen Schauspielhauses Hamburg, Karin Beier, steht am 16.04.2015 im Marmorsaal des Theaters in Hamburg. Beier stellte das Programm für die aktuelle Spielzeit vor. (picture-alliance / dpa / Henrik Josef Boerger)
Karin Beier, Regisseurin und Intendantin des Deutschen Schauspielhauses Hamburg (picture-alliance / dpa / Henrik Josef Boerger)

Michel Houellebecqs provozierenden und kontroversen Roman "Unterwerfung" gibt es jetzt auch in einer Bühnenfassung: als Solomonolog für den Schauspieler Edgar Selge im Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Über das Projekt sprechen wir mit Intendantin Karin Beier.

Intendantin Karin Beier kann sich gleich doppelt freuen: Zwei Inszenierungen aus dem von ihr geleiteten Schauspielhaus Hamburg sind zum diesjährigen Theatertreffen eingeladen worden: Eine unkonventionelle "Effi Briest"-Variante von Clemens Sienknecht und Barbara Bürk – sowie ihre eigene Version von Fellinis "Schiff der Träume". Hier treffen Wohlstandskünstler auf Geflüchtete – und feiern ein "Europäisches Requiem".

Nun verfolgt Karin Beier diese Thematik weiter und adaptiert Michel Houellebecqs Roman "Unterwerfung" – als Solomonolog für den Schauspieler Edgar Selge. Ein Buch, das Anfang letzten Jahres erschien und sofort für erbitterte Diskussionen sorgte – schließlich entfaltet der französische Autor hier das Bild eines Frankreichs, das sich dem Islam politisch und gesellschaftlich unterwirft.

"Gewisse Diskussionen werden aus Angst nicht mehr geführt"

Im Gespräch mit André Mumot erzählt Karin Beier, was sie zu diesem überaus provokanten Text hingezogen hat. "Die Qualität des Romans ist ein Gedankenexperiment", wie sie betont. Dass diese Stoffwahl sie womöglich fälschlicherweise in die Nähe von Anti-Islam-Hetzern stellen könnte, ist ihr bewusst – gerade deshalb aber müsse man sich den satirischen Ideen des Romans stellen:

"Was ich wichtig finde, ist, dass wir uns nicht mundtot machen lassen. Diese sehr schnelle Kategorisierung in "Das ist rechts, das ist links" lässt die Diskussion in der Mitte aus. Vielleicht bin auch durch Houellebecq darauf gekommen, dass gewisse Diskussionen einfach nicht mehr geführt werden, aus Angst davor, das man in eine falsche Schublade gesteckt wird. Aber das Unterdrücken von Diskussionen hat relativ wenig mit der bei uns doch sehr stark propagierten Meinungsfreiheit zu tun."

Mehr zum Thema

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