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Lesart / Archiv | Beitrag vom 22.01.2016

HongkongNervosität nach dem Verschwinden chinakritischer Verleger

Stefan Wurzel im Gespräch mit Frank Meyer

Man sieht eine Menschenmenge in Hongkong, die für Aufklärung über fünf vermisste Buchhändler demonstriert. (picture-alliance / dpa / Jerome Favre)
In Hongkong demonstrieren am 10. Januar tausende Menschen für Aufklärung über das Schicksal fünf vermisster Buchhändler und Verleger. (picture-alliance / dpa / Jerome Favre)

Viele befürchten, dass hinter dem Verschwinden fünf chinakritischer Verlagsmitarbeiter und Buchhändler in Hongkong chinesische Sicherheitskräfte stecken. Bewiesen sei das noch nicht, sagt unser Korrespondent Steffen Wurzel, es drohten aber negative Folgen für die Pressefreiheit.

Seit Oktober sind in Hongkong fünf chinakritische Verleger und Buchhändler verschwunden. Einer von ihnen meldete sich später mit einem dubiosen "Geständnis" im chinesischen Fernsehen zu Wort. Vermutet wird allerdings, dass die Vermissten von Sicherheitskräften aus China aufs chinesische Festland verschleppt wurden, obwohl die aufgrund des Sonderstatus von Hongkong dort nicht agieren dürfen.

Mutmaßlicher Hintergrund ist unter anderem ein vom Verlag Mighty Current geplantes Buch über eine ehemalige Geliebte des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. "Das wäre in westlichen Staaten überhaupt kein Problem. Aber in China ist das natürlich tabu", sagt unser China-Korrespondent Steffen Wurzel.

Gefahr für die Presse- und Meinungsfreiheit in Hongkong

Wegen der Vorfälle habe es seit Jahresbeginn in Hongkong große Demonstrationen gegeben:

"Eine große Zahl von Intellektuellen hat sich seit Bekanntwerden der Vorfälle zu Wort gemeldet, das sind Schriftsteller, Sänger, pro-demokratische Politiker, auch viele Juristen, und die sind hoch alarmiert.  Weil die sagen, das ist ein Einschnitt, vor allem dieser Fall von Lee Bo. Seit der Rückgabe von Hongkong an China hat es das nicht gegeben, dass möglicherweise – bewiesen ist das nicht – aber dass möglicherweise festlandchinesische Ermittler, Spione, Polizisten, nennen Sie es, wie Sie wollen, einen Menschen aus Hongkong – zack! – mit rüber über die Grenze genommen haben."

Die Ereignisse seien eine große Gefahr für die Presse- und Meinungsfreiheit in Hongkong, warnt Wurzel. Es drohe Selbstzensur:

"Ich kann mir schon vorstellen, dass viele Buchhändler diese kritischen Bücher jetzt aus den Regalen nehmen, einfach um sich zu schützen, weil sie nicht möchten, dass ihnen so was auch passiert."

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