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Radiofeuilleton - Wissenschaft und Technik / Archiv | Beitrag vom 30.03.2008

Homo-Ehe im Tierreich

Unter Tieren gibt es oft gleichgeschlechtlichen Sexualkontakt

Von Roland Krüger

Pinguine im Kölner Zoo (Deutschlandradio / Andreas Diel)
Pinguine im Kölner Zoo (Deutschlandradio / Andreas Diel)

Bereits vor gut 2300 Jahren beobachtete Aristoteles das gleichgeschlechtliche Liebesspiel in einer Gruppe Hyänen. Aber die Beobachtungen passten nicht so recht ins Bild der Wissenschaft und wurden lange beiseite geschoben. Heute wissen die Experten, dass Sex auch bei Tieren nicht nur der Fortpflanzung dient, sondern dass es zwischen Sexualität und Sozialverhalten ganz vielschichtige Verbindungen gibt.

"Man kann nicht sagen, dass sich Tiere ein Leben lang in einer Homo-Einehe zusammenfinden, so was gibt es auch, aus Ermangelung eines Partners, aber homosexuelle Verhaltensweisen sind sehr verbreitet."

Ragnar Kühne, Kurator am Zoologischen Garten in Berlin, erklärt ein Verhalten, das Charles Darwin schlecht in seine Evolutionstheorie gepasst hätte. Für Darwin war Sexualität ein Kampf um Fortpflanzung, um die direkte Weitergabe der eigenen Gene. Doch Sex ist mehr als das – nicht nur bei Menschen: Auch Männchen und Weibchen im Tierreich nehmen sich immer mal wieder gern einen Sexualpartner gleichen Geschlechts. Es gibt eine Möwenart, da findet man zwei Männchen, die gemeinsam ihre adoptierten Jungen füttern und pflegen, bis die Kleinen flügge sind. Oder zwei Humboldt-Pinguin-Männer im Kölner Zoo, die vor ein paar Jahren fast schon prominent geworden sind. Die beiden fanden zusammen und bezogen gemeinsam eine Höhle, die sie – wie die anderen Pinguin-Paare auch – vehement gegen jeden Eindringling verteidigt haben.
Homosexualität unter Tieren kommt viel häufiger vor, als man denkt:

"Jeder, der ´n Einzeltier hält, der wird sehen, auch Tiere leben erstmal an sich ihre Sexualität aus, und wenn sie ´n Partner haben, der ´n anderes Geschlecht hat, normalerweise paaren sie sich dann. Wenn ihnen ein Partner fehlt, dann beschäftigen sich manche Tiere auch gegenseitig miteinander auf sexuelle Art und Weise, und das kann ihnen auch hilfreich sein. Das kann dienen, Aggressionen oder Triebe abzureagieren."

Bei 1500 Tierarten konnte gleichgeschlechtliches Verhalten festgestellt werden, ein Drittel der Fälle ist wissenschaftlich dokumentiert. Einige Trauerschwäne in Australien bilden sexuell aktive männliche Paare, die Dreierbeziehungen mit Weibchen begonnen hatten, um günstig in den Besitz von Eiern zu gelangen. Waren die Eier gelegt, wurde das Weibchen verjagt.
Am auffälligsten treiben es wohl die Bonobos, Zwergschimpansen aus dem Kongo:

"Hier beschäftigen sich Weibchen mit Weibchen und Männchen mit Männchen, aber auch Männchen mit Weibchen und Weibchen mit Männchen, und nicht nur zum Zwecke der Fortpflanzung, sondern hier geht es auch um die Vermeidung von Konfliktsituationen, also speziell, wenn Futter gereicht wird, dann sieht man sexuelle Verhaltensweisen vermehrt, und das hat für die Tiere einen Sinn."

Homosexualität bei Tieren ist mindestens genauso durch das Sozialverhalten bestimmt wie genetisch bedingt. Horst Lübeck hat einen Vogelpark und Streichelzoo in Teltow, am südlichen Stadtrand von Berlin, und er beobachtet seit Jahren seine "Pappenheimer":

"Wenn zum Beispiel bei den Flugenten, hab ich selber miterlebt, vor 20, 30 Jahren, dass die Erpel sich untereinander getreten haben, und der eene Erpel, der der unterlegene war, der dann wirklich Heidenangst hatte, und ich musste die Tiere dann auseinander nehmen, die Rangordnung ist dann so derb, dass der andere gar nicht sich wehren kann."

Horst Lübeck achtet nach Möglichkeit darauf, jeweils ein Männchen zu einem Weibchen in eine Voliere zu stecken. Das klappt oft, aber nicht immer:

"Männlein oder Weiblein, das sieht man von außen nicht. Ich mach das nun schon fuffzich Jahre, dann tastet man n bisschen am Becken und so und man guckt auch so n bisschen nach ´m Augenring und dergleichen, dass man dann sagt, na, das müsste das sein. Und dann setzt man die zusammen in ´n Käfig, und dann sieht man schon."

Zwei Blaustirnamazonen, beliebte Ziervögel, weil sie die menschliche Sprache nachahmen können, krakeelen in einer Voliere. Beide wollen uns und erst recht einander imponieren:

"Die kommen an, wie ´n paar Giftnudeln, sag ich immer. Wenn die durch den Draht kommen könnten, die würden mich uffressen. Und wenn ich da reingehe, kann ich ooch nich. Das einzigste was hilft, ist ne Wasserspritze."

Aber wer möchte schon gerne einen Wasserstrahl aufs Gefieder bekommen, wenn er eigentlich ans Balzen, Gefiederkraulen, Partnerfüttern und ans Kopulieren gedacht hatte. Ihren Protest und das sexuelle Imponiergehabe verstecken Tiere nicht zwischen den Zeilen. Da sind sie ganz offen. Manche, egal ob hetero- oder homosexuell, haben nicht einmal etwas gegen Zuschauer:

"Gehen wir mal in eine Paviangruppe. Hier deckt durchaus ein stärkeres, ein größeres Männchen ein schwächeres Tier. Hier kann es auch dazu dienen, dass man die Dominanz zeigt und der scheut sich da nicht, zuzugreifen und auch zum Deckakt zu schreiten, und bei den Bonobos, denen macht das durchaus auch Freude in Anführungsstrichen, und die werden das nicht verstecken."

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