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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 17.08.2013

Hochbegabter Genussmensch

Vor 175 Jahren starb der italienische Librettist Lorenzo Da Ponte

Von Frieder Reininghaus

Der Italiener Lorenzo Da Ponte schrieb Texte für Mozarts Opern (Wikimedia Commons)
Der Italiener Lorenzo Da Ponte schrieb Texte für Mozarts Opern (Wikimedia Commons)

Er war ein ehrgeiziger, brillanter Texter und hat zusammen mit Wolfgang Amadeus Mozart Opern von weltweitem Ruhm erschaffen. Andererseits war Lorenzo Da Ponte ein Lebemann und chronisch pleite. Unfreiwillig zog er von Land zu Land - auf der Flucht vor Intrigen und seinen Gläubigern.

1786 trat Lorenzo Da Ponte am Wiener Burgtheater ein halbes Dutzend mal als Librettist in Erscheinung. Ende August reüssierte die ingeniöse Bearbeitung des kurz zuvor in Paris uraufgeführten Schauspiels "Der tolle Tag" von Beaumarchais mit Wolfgang Amadeus Mozarts Musik: "Le nozze di Figaro" wurde zunächst kontrovers aufgenommen, bald aber um so entschiedener als Meisterwerk gerühmt und extrem dauerhaft.

Analog erging es Da Ponte und Mozart, die wohl zuvor schon bei einem gescheiterten Projekt zusammengearbeitet hatten, als sie Don Giovanni nachlegten – 1787 in Prag, 1788 erweitert in Wien. Zeitgleich feierte Da Ponte dort mit Salieri stolze Erfolge, brachte dann 1790 – wiederum mit Mozart – "Così fan tutte" heraus.

Teamarbeit mit Tücken

Die Trias der tragikomischen italienischen Opern Mozarts gehört bis heute weltweit zum Kernrepertoire der Bühnen. Als im Mozart-Jahr 2006 das Wiener Jüdische Museum eine Da Ponte-Ausstellung präsentierte, meinte der Kurator Werner Harnak lakonisch:

"Die beiden haben sich, wie es bei einem guten Team üblich ist, durchaus gegenseitig hineingeredet."

Sie haben sich wechselseitig stimuliert. Der Dichter wurde 1749 als Sohn des Lederhändlers Conegliano im Veneto geboren. In Ceneda besuchte er mit Hilfe des Bischofs Da Ponte, dessen Glauben und Namen er annahm, das Seminar. 1773 wurde er zum Priester geweiht, dann Professor für Rhetorik in Treviso.

Seine Ansichten zu den Naturgesetzen brachten ihm aber bald ein generelles Unterrichtsverbot ein. Da Ponte ging nach Venedig. Er führte dort das Leben eines Bonvivants, wurde wegen "Entführung einer ehrbaren Frau und öffentlichem Konkubinat" angeklagt.

"Die Reihe der Prozesszeugen lässt eine Figur entstehen, die der Casanovas ebenbürtig ist,"

resümierte die italienische Musikwissenschaftlerin Daniela Goldin Folena. Auf der Flucht vor Justiz und Inquisition erreichte Da Ponte nach längeren Aufenthalten in Gorizia an der slowenischen Grenze und in Dresden 1781 die Hauptstadt des Habsburger-Reichs. Er erhielt eine Beamtenstelle, stieg zum gefeierten Hofdichter auf und genoss zehn Jahre lang das rauschende Leben in den ersten Kreisen Wiens.

Von London in die USA

Nach dem Tod seines Gönners, Kaiser Josephs II., wurde Da Ponte aus dem öffentlichen Dienst entlassen und des Landes verwiesen. In London wurde er wieder sesshaft, schlug sich zunächst als Buchhändler durch, konnte dann aber als Impresario am King’s Theatre Fuß fassen.

Nach einem Dutzend höchst produktiver Jahre wich der hochverschuldete Theaterdirektor vor den Gläubigern nach Nordamerika aus. Er handelte in Philadelphia und anderen Städten mit Saiten, Wein und Drogen, schrieb als Italienisch-Lehrer in New York seine Autobiographie "Storia incredibile, ma vera". Lorenzo Da Ponte stieg noch einmal – wieder nur mit temporärem Erfolg - ins Theatergeschäft ein. Er starb, hoch betagt, am 17. August 1838. Als Erster hatte er opera italiana in die USA importiert, zum Beispiel Rossinis noch jugendfrischen "Barbier von Sevilla" sowie seinen und Mozarts "Don Giovanni".

Das "dramma giocoso" vom "sehr leichtfertigen jungen Edelmann" wurde mittlerweile in der Alten Welt als "Oper aller Opern" gefeiert. Der Komponist war zum Götter- und Publikumsliebling avanciert, der Dichter Da Ponte vergessen. Doch hätte Mozart in der Ära der literarischen Romantik, die für die Nachtseiten der menschlichen Existenz so empfänglich war, kaum jenen singulären Ruhm errungen, wäre da nicht jener Librettist gewesen, an dessen brillanten Texten sich seine musikalische Stringenz so weitgehend ausprägte.

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Der Salzburger Lump