Seit 07:20 Uhr Politisches Feuilleton
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 07:20 Uhr Politisches Feuilleton
 
 

Länderreport / Archiv | Beitrag vom 27.10.2015

Hoch-GromoloDie Sprache der Clowns

Von Uta Möhle

Der ehemalige Journalist Ulrich Fey arbeitet heute als Clown in Seniorenheimen. (picture alliance / dpa / Foto: Roland Holschneider)
Ein Clown zu Besuch im Seniorenheim. Ob er auch Gromolo spricht? (picture alliance / dpa / Foto: Roland Holschneider)

Rechtschreibreformen und sonstiges Regelwerk haben auf die Sprache der Clowns keinen Einfluss. Hoch-Gromolo, heißt sie. Gesprochen und vermittelt wird sie auf emotionale Weise und nicht aus dem Lehrbuch. Zu Besuch in Hannover, der Hauptstadt des Hoch-Gromolo.

"blablahoieblabla"

Phonetiker aus aller Welt sind immer wieder aufs Neue erstaunt, wie klar und formvollendet der Hannoveraner das Hoch-Gromolo parliert.

"mmmmohhhaaahhhoi"

Fingerübung der leichten Art, schlichter Zungenschlag des Hoch-Gromolo. Wenige beherrschen es, viele wollen es können. Die Freunde des Gromolo klopfen an der Tür an von

"ohhhh"

Am Anfang steht die Bla-Lektion. Nicht die blabla-Lektion, die das gemeine Volk täglich in den Medien und am Stammtisch verfolgt, sondern die gekonnte, geschliffene Variante desselben.

"bla blab blab baalblbaaa"

Blabla, gewöhnlich nur so dahingesagt, hier mit einem Sinn versehen, hat natürlich auch eine Grammatik. So mancher Anfänger scheitert am Hoch-Gromolo-Genitiv, nur die Geübten können die gromolonischen Verben korrekt konjugieren. Indes: wie man "Gromolo" grammatisch richtig schreibt, dies ist bis heute noch nicht so ganz geklärt.

Clown-Protest beim NATO-Gipfel 2009 in Frankreich (dpa / picture alliance / Boris Roessler)Wenn man als Clown "hossehskibbedasaja" bestellt man Schnaps - oder man drückt aus, dass Christian Wulff im Urlaub ist. Grommolo ist sehr flexibel. (dpa / picture alliance / Boris Roessler)

"Es ist uns auch relativ egal."

Uns aber nicht! Egal, weiter. Der wichtigste Baustein der Gromolo-Sprache ist bekanntlich das "Endlos-Variations-Prinzip". Selbiges lässt sich trefflich am Beispiel "Guten Tag" erläutern. Mal heißt es

"heischahaha"

dann auch mal wieder

"ohhschibidasaja"

gelegentlich aber auch

"hossehskibbedasaja"

Letzteres kann aber auch heißen: "Christian Wulff hat Urlaub" oder "Ich hätte gerne fünf Lüttje Lagen, bitte." Was auch immer dies nun wieder heißen mag.

Hannover als Wiege des Hoch-Gromolo

"Es ist grad so, wie es im Augenblick kommt."

Die emotionale Begeisterung für das Hoch-Gromolo ist weltweit zu registrieren, also zu hören.

"schrabretzka, reppen"

Der Konsonanten-Reichtum des Hoch-Gromolo lässt jeden Grönländer und Waliser vor Neid erblassen. Und, also: Hannover ist nicht nur Hochburg des Hochdeutschen, sondern auch sprachkulturelle Wiege des Hoch-Gromolo, der Sprache der Clowns. Wir erinnern uns. Und wer gut aufgepasst hat, schüttelt den Namen der Stadt an der Leine lässig aus den weiten Ärmeln des Gromolo.

"hoischebaihaschihaboa"

Mehr zum Thema

Ex-Sportjournalist Ulrich Fey - Endlich Clown Albert sein
(Deutschlandradio Kultur, Nachspiel, 28.12.2014)

Die geniale Stelle - "Ein Clown, den niemand versteht"
(Deutschlandradio Kultur, Rang I, 06.12.2014)

Frage des Tages - Ist der Clown noch zu retten?
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 30.10.2014)

Länderreport

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur