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Dienstag, 31. Mai 2016MESZ00:10 Uhr

Kulturnachrichten

Samstag, 19. März 2016

Historikerin Ulrike Jureit fordert unabhängiges Forschen

In der Aufarbeitung von NS-Vergangenheit "muss man viel tiefer bohren"

Die Historikerin vom Hamburger Institut für Sozialforschung, Ulrike Jureit, fordert von der Geschichtswissenschaft einen bewussteren und sensibleren Umgang mit dem Thema Auftragsforschung. Bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit von Unternehmen und Bundesinstitutionen gelte es nicht nur personelle, sondern auch inhaltliche Kontinuitäten in der Nachkriegszeit in den Blick zu nehmen, sagte Jureit im Deutschlandradio Kultur. Problematisch seien etwa Vorgaben zum Design der Untersuchung oder ein verengter Fokus, etwa darauf, wieviel ehemalige NSDAP-Mitglieder nach 1945 in dieser Institution geblieben seien. Jureit kritisierte die Ergründung der persönlichen Vergangenheit der Mitarbeiter als NSDAP-Mitglied als irrelevant für die Wissenschaft. Man müsse wesentlich tiefer bohren. Interessant wäre beispielsweise inwiefern dort tatsächlich inhaltlich an politischen Entscheidungen im Sinne eines nationalsozialistischen Gedankengutes Einfluss genommen wurde. Sinnvoll sei außerdem, bei der Auftragsvergabe zusätzliche Instanzen einzuschalten, die den Prozess der Verhandlung zwischen Historikern und den Auftraggebern kritisch begleiten könnten.

Tschechischer Regisseur Jan Nemec ist tot

Der Vorreiter der Neuen Welle starb im Alter von 79 Jahren

Nemec gehörte in den 60er Jahren neben Milos Forman und Jiri Menzel zu den Vorreitern der experimentierfreudigen Neuen Welle des tschechoslowakischen Films. Nach Angaben seiner Ehefrau starb Nemec am Freitag nach schwerer Krankheit in Prag im Alter von 79 Jahren. In seinem Spielfilmdebüt "Diamanten der Nacht" (1964) erzählte Nemec von der Flucht zweier Jungen aus einem KZ-Transport. Im August 1968 dokumentierte Nemec den Sowjet-Einmarsch in die Tschechoslowakei, der die Hoffnungen auf einen menschlichen Sozialismus zunichte machte. Das Filmmaterial wurde in den Westen geschmuggelt und vielfach ausgestrahlt. Nemec ging danach ins Exil nach Deutschland und später in die USA. Nach 1989 kehrte er in seine Heimat zurück. Für "Nachtgespräche mit der Mutter" erhielt er 2001 den Goldenen Leoparden im Videowettbewerb des Filmfestivals von Locarno. Die tschechische Verdienstmedaille gab Nemec 2014 aus Protest gegen den heutigen Präsidenten Milos Zeman zurück. Damals sagte er: "Ich nehme sie wieder an, wenn es einen neuen Herrn auf der (Prager) Burg gibt, aber das werde ich wohl nicht mehr erleben."

Daniel Barenboim erklärt Unterstützung für Merkel

Der Stardirigent fordert weltweite Aufnahme von Flüchtlingen

In einem Interview mit der "Berliner Zeitung" zeigte sich der Musiker überzeugt, dass Deutschland in der Flüchtlingskrise richtig handle: "Ich finde fantastisch, was Angela Merkel gemacht hat, wie sie kämpft", sagte der 73-Jährige. Er zeigte sich sehr erstaunt, dass sich der Rest der Welt für das Flüchtlingsproblem nicht interessiere und keine Solidarität mit Europa zeige. Der Dirigent verwies auf Argentinien, wo es drei syrische Gemeinden, eine muslimische, eine jüdische und eine christliche Gemeinde gebe, die alle friedlich miteinander lebten. Chile habe zudem eine riesige palästinensische Gemeinde. In Brasilien lebten mehr Libanesen als im Libanon. Warum nähmen die niemanden auf? fragte sich Barenboim. Der Musiker hatte vor knapp drei Wochen mit Simon Rattle und Ivan Fischer in Berlin Konzert für Flüchtlinge und ihre Helfer gegeben.

Leutheusser-Schnarrenberger würdigt Westerwelle als "leidenschaftlichen Demokraten"

Westerwelle sei keinem Streit aus dem Weg gegangen

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat die Verdienste Guido Westerwelles um den politischen Liberalismus und die demokratische Streitkultur gewürdigt. Er habe die FDP seit 1990 geprägt und die großen Erfolge der FDP miterkämpft, sagte die FDP-Politikerin in Deutschlandradio Kultur über den früheren Bundesaußenminister und langjährigen Bundesvorsitzenden der FDP. Leutheusser-Schnarrenberger bezeichnete Westerwelle als einen Politiker, der mit "aller Ambivalenz" ein großes Vorbild für liberale Politik bleiben werde. Westerwelle sei keinem Streit aus dem Weg gegangen und habe stets seine Überzeugungen vertreten, auch im Interesse des politischen Liberalismus. Insofern mache die aktuelle Reflexion auch um die Ambivalenz der Persönlichkeit Guido Westerwelles noch einmal klar, dass sich die FDP als eine ganzheitlich liberale Partei verstehen müsse, die einen ganz festen Standort habe und die angesichts des Mainstreams nicht zögerlich sei. Guido Westerwelle ist am Freitag im Alter von 54 Jahren an den Folgen seiner Leukämie-Erkrankung gestorben.

Ursula Andress feiert 80. Geburtstag

Das erste 007-"Girl" wird als Leinwandikone verehrt

Eine einzige Szene hat sie unvergesslich gemacht: Mit Muscheln in den Händen und einem Tauchermesser an der Hüfte stieg Ursula Andress in einem weißen Bikini aus blauen karibischen Fluten. Mehr als ein halbes Jahrhundert danach feiert "Ursi National", wie sie in ihrer Schweizer Heimat genannt wird, heute ihren 80. Geburtstag. 1936 in Ostermundigen bei Bern als Tochter eines Deutschen und einer Schweizerin geboren, wuchs sie unter der strengen Aufsicht ihres Großvaters auf. Nach dem Auftritt als Honey Rider an der Seite von Sean Connery konnte sich die Schweizerin als neues Sexsymbol Hollywoods kaum vor Angeboten retten. Als venushafte Verführerin erschien Andress in mehreren erfolgreichen Filmen an der Seite namhafter Stars. Darunter Dean Martin und Frank Sinatra in "Vier für Texas", Elvis Presley in "Spaß in Acapulco" und Peter Sellers in "Was gibt's Neues, Pussy?". Danach war sie noch in einigen TV- und Kinofilmen zu sehen, zuletzt 2005 in der Schweizer Produktion "Die Vogelpredigt oder Das Schreien der Mönche".

Großer Kunstpreis Berlin 2016 für Frank Castorf

Castorf sei wie ein Picasso für das Theater

Der Regisseur Frank Castorf (64) hat den diesjährigen Großen Kunstpreis Berlin erhalten. Die Auszeichnung wurde Castorf von dem Regierendem Bürgermeister von Berlin, Michael Müller und der Präsidentin der Akademie der Künste, Jeanine Meerapfel, überreicht. Castorf sei ein Regisseur, der das deutschsprachige Theater des letzten Vierteljahrhunderts entscheidend geprägt hat. Von seinem Werk gehe eine Energie und Strahlkraft aus, mit der sich jeder auseinandersetzen müsse, begründete die Jury ihre Entscheidung. Der 1951 in Berlin geborene Castorf ist nach Stationen in Senftenberg, Brandenburg und Anklam seit 1992 Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. 2017 wird er abgelöst. Die Akademie der Künste vergibt den mit 15.000 Euro dotierten Kunstpreis einmal im Jahr.

Ort der „Brüderlichkeit und Barmherzigkeit

Museum für polnische Judenretter eröffnet

Erstmals ist ein Museum in Polen ganz der Geschichte der Menschen gewidmet, die während des Zweiten Weltkriegs versuchten, verfolgten Juden das Leben zu retten. Der polnische Präsident Andrzej Duda eröffnete im südostpolnischen Markowa das Museum der polnischen Judenretter. "Polen und die historische Gerechtigkeit haben so ein Denkmal sehr gebraucht", sagte Duda bei der Eröffnungszeremonie. Er sprach von einem "Museum der Brüderlichkeit und Barmherzigkeit", das sehr ergreifend sei. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: In Markowa ermordeten deutsche Polizisten am 24. März 1944 das Ehepaar Jozef und Wiktoria Ulma, seine sechs Kinder und die beiden jüdischen Familien, denen das Ehepaar in seinem Haus Zuflucht gewährt hatte. Obwohl im vom nationalsozialistischen Deutschland besetzten Polen die Todesstrafe auf Hilfe für Juden stand, setzten Tausende ihr Leben aufs Spiel, um bedrohten jüdischen Nachbarn zu helfen. Mehr als 6000 Polen wurden vom israelischen Institut Yad Vashem für ihr Engagement als "Gerechte unter den Völkern" mit der höchsten Ehrung des Landes ausgezeichnet.

Fluchtgeschichten auf Düsseldorfer Straßenbahn

Junge Flüchtlinge machen ihre Geschichten mobil

Mit einer bunt bemalten Straßenbahn weisen junge Flüchtlinge in Düsseldorf auf ihre Geschichte hin. Zwölf Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren, unter anderem aus Syrien, Afghanistan und Eritrea, hatten Zeichnungen entworfen, die ihre Fluchtgeschichten erzählen: Überfüllte oder gekenterte Boote, Ertrunkene an den Küsten, volle Asylunterkünfte. Aber auch Menschen, die sich an der Hand halten, die sich umeinander kümmern. Über den Kunstwerken steht auf Deutsch, Englisch und Französisch: "Keine Grenzen - Flüchtlinge willkommen". Die Straßenbahn wird ein Jahr lang überall in Düsseldorf unterwegs sein, teilte ein Sprecher der Initiatoren mit. Gestern ist sie zum ersten Mal gefahren. Die Projektkosten werden von dem Bundesprogramm "Kultur macht stark" übernommen, welches sich vor allem für bessere Bildungschancen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Deutsche Ausgabe von "Zaman" publiziert weiter

Großteil der zugelieferten Texte der türkischen Mutterredaktion fallen weg

Die Deutschland-Ausgabe der türkischen Oppositionszeitung "Zaman" soll auch nach der Übernahme des Istanbuler Blattes durch regierungsnahe Treuhänder weiter erscheinen. "Sie schreiben weiterhin meinungsstark und kritisch über die Türkei, versicherten sie uns", berichtete Frank Überall, der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes nach seinem Besuch der Redaktionsräume in Berlin. Rund 60 Prozent der bisher zugelieferten Texte von der Mutterredaktion würden aber wegfallen. Die Zeitung war Anfang März unter staatliche Aufsicht gestellt worden. Eine offizielle Begründung für den auch international als Einschränkung der Pressefreiheit kritisierten Schritt gab es nicht.

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