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Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons"Mit Schnappatmung geht man unter"
Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr, in ihrem Büro in Hamburg. Der Verlag gibt Zeitschriften wie "Brigitte", "Stern", "Geo" und "Neon" heraus. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

"Keine Branche macht sich gerade mit so viel Untergangslust selbst schlecht wie die Presse", mahnt Julia Jäkel, Verlagschefin von Gruner + Jahr im Interview mit der "SZ" zur Ruhe. Passend dazu meldet die "FAZ", dass Papst Franziskus seine Medienabteilung neu sortiert. Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.07.2006

Historiker Plöckinger: Hitlers "Mein Kampf" hatte viele Leser

Moderation: Gabi Wuttke

Adolf Hitler im Jahr 1937 (AP-Archiv)
Adolf Hitler im Jahr 1937 (AP-Archiv)

In Historikerkreisen herrschte lange die Überzeugung, dass Hitlers "Mein Kampf" nur wenige Menschen tatsächlich gelesen hatten. Dem entgegnet der Historiker Othmar Plöckinger, dass das Buch nach den ersten Wahlsiegen der Nationalsozialisten auf "breiterer Basis" diskutiert worden sei als gerade in der ersten Zeit nach dem Erscheinen.

Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Gespräch mit Othmar Plöckinger:

Gabi Wuttke: Wer hat "Mein Kampf" nachweisbar seit dem Erscheinungsjahr '25 bis zur Machtübernahme gelesen?

Othmar Plöckinger: Nachweisbar ist es in vielen Bereichen. Die ersten intensiven Reaktionen kamen natürlich von ideologisch sehr nahe stehenden, aber trotzdem Gegnern Hitlers aus dem rechten völkischen Lager. Dort wurde das Buch als Angriff auf die traditionelle völkische Weltanschauung empfunden, aber auch Gegner vor allem im jüdischen Bereich, die jüdischen Abwehrblätter, auch der Zentralverein hat sich in den ersten Jahren sehr intensiv mit dem Buch beschäftigt.

Wuttke: Wer befasste sich denn genau entweder gefällig oder kritisch, vielleicht auch satirisch mit "Mein Kampf"?

Plöckinger: Ja, es lässt sich nachweisen, dass etwa die Kreise um Ludendorf, also der ehemalige Kampfgefährte Hitlers, mit dem er sich nach '25 ja entzweit hat, sehr kräftig gegen das Buch gearbeitet haben, es in öffentlichen Veranstaltungen heruntergemacht haben, es in Kritiken, Besprechungen sehr massiv verrissen haben, es als Unsinn, als Dummheit beschrieben haben. Das lässt sich sehr intensiv belegen. Es hat auch Satire gegeben. Der Simplicismus in München hat sich satirisch in München beschäftigt. (…)

Wuttke: Lassen sich daraus Schlussfolgerungen ziehen, inwieweit besonders das bürgerliche Lager schon ab '25 über den Mann Adolf Hitler und seine politischen Visionen diskutierte, um später unter Umständen doch zu sagen: Wir haben von nichts gewusst.

Plöckinger: Also, ich würde hier differenzieren. Die erste Zeit nach dem Erscheinen des Buches war ein kurzes Auflodern. Hitler hatte noch den gewissen Exoten-Bonus, wenn man so will. Nach dem gescheiterten Putsch, nach seinem Prozess hat man sich noch interessiert. Die Jahre danach sind natürlich etwas abgeflaut - bis zu den ersten Wahlsiegen '29, '30. Dann ist das Buch wieder erneut in Diskussionen geraten und dann auf wesentlich breiterer Basis.


Das vollständige Gespräch mit Othmar Plöckinger können Sie für begrenzte Zeit in unserem Audio-on-Demand-Angebot hören.