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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 12.04.2010

Hirnforschung für jedermann

Michael Madeja: "Das kleine Buch vom Gehirn", C. H. Beck Verlag. 223 Seiten

Das Buch von Michael Madeja dreht sich um das Gehirn.
Das Buch von Michael Madeja dreht sich um das Gehirn. (AP)

Michaela Madeja will in "Das kleine Buch vom Gehirn" erklären, wie das Organ funktioniert. Damit kann sich der Leser schnell und unkompliziert in der Welt der Neurowissenschaften orientieren.

Unser Gehirn ist wie ein großes Bierzelt, gefüllt mit vielen satten und durstigen Trinkern. Wenn ein renommierter Hirnforscher so einen Satz schreibt, ist er in besonderer Mission unterwegs.

Professor Michael Madeja will Laien einfach und anschaulich erklären, wie das Gehirn funktioniert. "Das Kleine Buch vom Gehirn" hat er für all diejenigen verfasst, die bislang keine Zeit hatten oder denen die Hirnforschung zu kompliziert erschien. Ein Buch also für Einsteiger, mit dem man sich sehr schnell und unkompliziert in der Welt der Neurowissenschaften orientieren kann.

Den Leser erwartet fundiertes Basiswissen über die wichtigsten Funktionsweisen des Gehirns in acht kurzen Kapiteln. Das ist genug, um eine allgemeine Vorstellung von den wichtigsten Vorgängen in der Hirnforschung zu erlangen. Michael Madeja schreibt über die Entwicklung des Gehirns, über das Sehen, Hören und Fühlen, über Lernprozesse, klärt den Leser über die wichtigsten Hirnerkrankungen auf und erzählt zu welchen Höchstleistungen die grauen Zellen fähig sind.

Gedächtnisleistungen werden dabei mit dem Anlegen von Gärten verglichen, Informationsverarbeitung mit dem Düngen von Blumen und anhand von Fußballspielen erfährt der Leser wie komplexer Lernprozesse von statten gehen. Allen Anfängern werden die zahlreichen anschaulichen Vergleiche sicher Spaß bereiten.

Gelungen ist auch die Unterteilung der verschiedenen Themen in kleine Lernabschnitte, die nie länger als eine Seite sind. Dazu finden sich immer kurze einprägsame Zwischenüberschriften, die die Hauptaussage knapp zusammenfassen. Eine kluge Entscheidung, die gerade Einsteigern auf dem Gebiet ein einprägsames und zugleich rasches Lesen gestattet. So ist es fast unmöglich eine wichtige Information zu übersehen.

Kleiner Wermutstropfen: Auf Dauer wird dieses Prinzip ein wenig monoton, weshalb es sich nicht unbedingt empfiehlt, das Buch am Stück zu lesen, sondern eher - wie im Untertitel erwähnt - es wie einen Reiseführer zu nutzen. Zwischendurch zum Beispiel ein kleines Informationshäppchen über die wichtigsten Hirnerkrankung und schon weiß man, wie Alzheimer, Epilepsie, Parkinson, Multiple Sklerose und Schlaganfall entstehen, welche Therapien es gibt und wie sie wirken. Kompakter kann man über Hirnforschung nicht schreiben.

Ganz besonders erfreulich ist der absolute Verzicht auf Fachbegriffe. Michael Madeja hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht ein einziges Fremdwort in seinem Text zu benutzen. Man mag es kaum glauben, aber es ist ihm gelungen. Eine enorme Leistung für einen Experten der Neurologie!

Wer dann doch noch etwas tiefer in die Hirnforschung einsteigen will, für den hat der Autor alle wichtigen Fachbegriffe von Adrenalin bis Zellmembran mit kurzen Erklärungen in einem Glossar am Ende des Buches zusammengefasst. Diese kann, muss man aber nicht lesen.

Fazit: Ein überraschend konkretes und trotzdem charmantes Sachbuch über ein abstraktes Thema ist dem Autor gelungen. Wer so anschaulich in die Hirnforschung eingeführt wird, will sicher bald mehr wissen.

Rezensiert von Susanne Nessler

Michael Madeja: Das kleine Buch vom Gehirn. Reiseführer in ein unbekanntes Land
C. H. Beck Verlag, 223 Seiten, 17,95 Euro