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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 11.03.2009

"Hilde"

Hans-Ulrich Pönack war in der Verfilmung des Lebens der Hildegard Knef

Von Hans-Ulrich Pönack

Als Schauspielerin war sie die große deutsche Nachkriegs-Diva. Später wurde die Knef als Sängerin gefeiert. Der Film erzählt 23 Jahre ihres Lebens bis zu ihrem legendären Konzert in Berlin 1966. In Episoden nähert er sich den Höhen und Tiefen ihres Lebens. In der Hauptrolle ist eine überzeugende Heike Makatsch zu sehen.

"Hilde"
Deutschland 2008, Regie: Kai Wessel, Hauptdarsteller: Heike Makatsch, Dan Stevens, 136 Minuten, ab sechs Jahren

Regisseur Kai Wessel ist ein Hamburger Filmemacher, Jahrgang ´61, der als Regie-Assistent bei Regisseuren wie Ottokar Runze ("Der Lord von Barmbeck") und Christian Görlitz (TV-Regisseur) anfing. Er erfand, als 16mm-Filme, "Die Hamburger Wochenschauen", die ab 1993 im Hamburger Off-Kino "Abaton" und anderen norddeutschen Programmkinos liefen. Sein Kinodebüt war 1988 der Spielfilm "Martha Jellinek", mit dem früheren UFA-Star Heidemarie Hatheyer in der Titelrolle,die dafür auch mit dem "Bundesfilmpreis" ausgezeichnet wurde.

Weitere Filme, sowohl für das Kino wie auch für das Fernsehen, waren u.a. "Die Spur der roten Fässer" (1996, Kino), "Klemperer – Ein Leben in Deutschland" (1999, 12-teilige Serie), "Goebbels und Geduldig" (2000, mit Ulrich Mühe), "Leben wäre schön" (2004, TV-Melodram, Adolf-Grimme-Preis), zuletzt die ARD-Produktion "Die Flucht" (2007, Zweiteiler, mit Maria Furtwängler).

Künstler-Biografien sind seit einiger Kinozeit "in": "Ray" (Ray Charles), "Walk The Line" (Johnny Cash), "La vie en rose" (Edith Piaf), "Bonjour Sagan" (Francoise Sagan). Jetzt also "Hilde", also "unsere" HILDEGARD KNEF (28.12.1925, Ulm – 1.2.2002, Berlin). Das Drehbuch stammt von der schwedischen Autorin und TV- wie Kinoregisseurin Maria von Heland ("Große Mädchen weinen nicht", Kinodebüt 2001, mit Anna Maria Mühe + Karoline Herfurth).

DIE KNEF: Seit 1926 in Berlin, ein deutsches Gesamtkunstwerk = Schauspielerin, Sängerin ("Die größte Sängerin ohne Stimme", Ella Fitzgerald), Schriftstellerin ("Der geschenkte Gaul. Bericht aus einem Leben", 1970). Eine echte Diva und Berlinerin mit viel Herz und noch mehr Mund, schnoddrig, verletzlich, ehrgeizig, lebens-gierig, vor einiger Zeit auf einer 0,55 Cent-Briefmarke der Serie "Frauen der deutschen Geschichte" verewigt. Am 17. Dezember 2007 wurde der westliche Vorplatz des Fernbahnhofs Berlin-Südkreuz nach ihr als Hildegard-Knef-Platz benannt. Eine "Berliner Schnauzen-Pflanze" durch und durch, die es verdient gehabt hätte, dass die diesjährige Berlinale "mit Ihr" beginnt, als Eröffnungsfilm des Wettbewerbs: "Hilde" auf dem Roten Teppich, das wäre Respekt, Anstand und eine Hommage an eine große Berlinerin gewesen, doch der Film "Hilde" lief nur in einer Neben-Sektion ("Berlinale Special Gala").

Am Filmanfang befinden wir uns im Jahr 1966: Hildegard Knef gibt in der neu erbauten Berliner Philharmonie ein (lange ausverkauftes) "legendäres" Konzert. Sie vor dem Auftritt, nervös, fiebrig, seelen-düster, die Erinnerungen. Berlin 1943: Hilde, 17 Jahre jung, hungrig, ehrgeizig. "Ich will…", lautet ihr Motto, als sie sich bei der UFA in Potsdam-Babelsberg um eine Ausbildung zur Schauspielerin bewirbt. Gegen den Rat der Mutter. Schauspiellehrerin Else Bongers (gespielt von Monica Bleibtreu) wird zur Förderin und Mentorin.

Stationen, Skizzen eines stets unruhigen, leidenschaftlich glücklichen wie leidenschaftlich unglücklichen Lebens: Die Affäre mit dem verheirateten "Reichsfilmdramaturgen" Ewald von Demandowsky (Anian Zollner), die Flucht in Soldatenkleidung, die Knef als Trümmerfrau, erste Schritte am Theater unter Boleslaw Barlog (Sylvester Groth), Hauptrolle im ersten deutschen Nachkriegsfilm "Die Mörder sind unter uns" von Wolfgang Staudte (1946, neben Wolfgang Borchert), Heirat mit dem jüdischen US-Filmoffizier Kurt Hirsch (Trystan Pütter), "Entdeckung" durch den aus der Emigration nach Deutschland zurückgekehrten Produzenten Erich Pommer (Hanns Zischler), der sie dem mächtigen Produzenten Louis B. Mayer empfiehlt. Der nimmt sie in Hollywood zwar unter Vertrag, gibt ihr aber keine Arbeit.

Frustriert wird sie vertragsbrüchig und kehrt nach Berlin zurück. 1950 Hauptrolle im Willi-Forst-Film "Die Sünderin", der durch die vehementen Proteste der katholischen Kirche – wegen einer kurzen Nacktszene und der Thematisierung der Tabus Prostitution und Freitod - "skandal-populär" wird und über sieben Millionen Kinobesucher hat. Als "Sünderin" attackiert, wehrt sie sich: "Ihr habt Millionen Juden vergast und macht nun Aufstand wegen zwei nackten Brüsten". Rückkehr nach Hollywood, wo sie nun, als Hildegarde Neff, ihre internationale Filmkarriere startet (u.a. "Schnee am Kilimandscharo", 1952, mit Gregory Peck und Ava Gardner) und auch am Broadway Triumphe feiert (als Ninotschka in "Silk Stockings" von Cole Porter, 1955). Scheidung. Die Sängerin "entsteht".

1957 Rückkehr, Filme in England und Frankreich, Heirat mit dem britischen Schauspieler David Cameron (Dan Stevens). Die "Versöhnung" mit ihren Landsleuten, d a s Konzert in der Philharmonie 1966. 23 Jahre eines "schwierigen Lebens". Mit sich wie mit der "BRD". Der prüden Adenauer-Äa, dem konservativen "Adenauer-Volk". Denn die Knef war nie "domestiziert", in einer Zeit, wo Frauen-Emanzipation noch nicht angesagt war, trat sie ebenso willensstark wie rabiat, ebenso abenteuerlustig wie direkt, ebenso unberechenbar wie lebenssüchtig auf. Eine außergewöhnliche Persönlichkeit, ein "vielfacher" Mensch, dessen Lieder genau DAS ausdrücken: "ICH WILL. ICH WILL. WILL ALLES, ODER NICHTS".

Der Film nähert sich episodenhaft an diese von Abgründen, Brüchen wie Ausbrüchen, von Höhen und (vielen) Tiefen gekennzeichnete Star-Persönlichkeit. Er verweilt etwas zu lange an den Anfängen im Nazi-Dunst, um dann stichwortartig-dicht voranzukommen. Setzt spannende Archiv-Aufnahmen aus dem Berlin der Damals-Jahre stimmungsvoll mit ein und ist bemerkenswert sorgfältig wie "unaufgeregt" in der äußerlichen zeitgeschichtlichen Erfassung: In Bauten, Kostümen, gesellschaftlichen "Nebengeräuschen" werden hier perfekte atmosphärische (Erinnerungs-)Maßstäbe gesetzt.

Die Schauspielerin Heike Makatsch während einer Pressekonferenz zu ihrem Film "Hilde" bei der "Berlinale 2009" in Berlin. (AP)Heike Makatsch auf einer Pressekonferenz zu "Hilde" bei der Berlinale 2009 (AP)Aber dies alles käme nicht so emotional-packend, lustvoll, sensibel `rüber, wenn sich da nicht die Hauptakteurin so vehement auf die Lebensspuren und in die Seele der Hildegard Knef begeben hätte: Heike Makatsch. Die 37-jährige ehemalige VIVA-Moderatorin, auf der Leinwand bisher von "ordentlich" bis "nicht so doll" in Erscheinung getreten ("Männerpension", "Nackt", "Gripsholm", "Tatsächlich ... Liebe"), dafür im TV-Film neulich erste Triumphe feiernd ("Margarete Steiff", 2005) ist "Hilde". Wie sie diesen widersprüchlichen, komplexen, "umfangreichen" Menschen interpretiert, ihn prickelnd seziert, ist großartig, überzeugend, phänomenal: Die Makatsch kriecht sich, saugt sich förmlich in die Seele der Knef hinein, zeigt und führt sie enthusiastisch, charismatisch, packend-nahe vor. Eine wunderbare Leistung. Heike Makatsch hat Hildegard Knef offensichtlich präzise studiert: Das vulgäre Lachen, die verrauchte Stimme, den unverkennbaren wie immer auch provozierenden Knef´schen Sprechduktus. All das stimmt in Körpersprache, Mundart und Bewegung.

Und in der letzten halben Stunde wird aus Makatsch dann vollends DIE KNEF. In Gesten, Posen, kleinstem Atem. Unglaublich. Zumal sie auch die Knef-Lieder sämtlichst selber singt: Ein Jahr Gesangsunterricht und seine überzeugenden Folgen. Also: Ein unterhaltsamer, stimmungsvoller Blick auf d i e große deutsche Nachkriegs-Diva als Prima-Ensembleleistung. Denn "Hilde" ist bis in die Nebenrollen prägnant und teilweise mit unbekannten, unverbrauchten Gesichtern vorzüglich besetzt. Während DIE MAKATSCH so etwas von hilde-aufregend, hilde-spannend, hilde-fühlbar, hilde-hörbar, hilde-nachvollziehbar ist ...

Das Einzige, was man dem Film vorwerfen muss, ist die Tatsache, dass er nach 23 Knef-Jahren und kurzweiligen 136 Minuten (!) 1966 leider aufhört. Mitten im auch weiterhin so spannenden Hildegard-Knef-Leben Schluss macht. Wo man gerade so "angepiekst" war von dieser faszinierenden Nervensäge. Aber wann konnte man von einem deutschen Film überhaupt mal sagen, dass es sehr schade ist, dass er nicht sofort weitererzählt. Hoffentlich kommt demnächst die Diva-Show "Hilde 2" und setzt die grandiose wie sensible Biografie-Performance fort. Natürlich aber nur mit der Makatsch. Ganz klar. Ohne sie geht in Sachen Hildegard Knef filmisch künftig gar nichts mehr.

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