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Kulturpresseschau

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Fazit

Kunsthalle BremenViele Lücken in den Beweisketten
Die Aufnahme vom 20.08.2011 zeigt die Rückseite der Kunsthalle Bremen am Tag ihrer Wiedereröffnung mit beiden Anbauten. Damit vergrößerte sich die Nutzfläche um 3750 auf insgesamt 7820 Quadratmeter. Nach der zweijährigen Schließung präsentierte sich damit die Kunsthalle der Hansestadt deutlich erweitert und modernisiert.

Bundesweit lagert in den Museen noch von den Nazis geraubter Besitz. Denn wenn der Etat kaum für Museumsarbeit reicht, kommt auch die Provenienzforschung zu kurz. Die Kunsthalle zeigt erste Ergebnisse eines dreijährigen Projekts.Mehr

Brasiliens KulturszeneZerrissen wie nie
Blick auf die Stadt Rio de Janeiro und die Bucht, links ist die Christusstatue zu sehen 

Wenige Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt streiten die Kulturschaffenden in Brasilien über die Frage, für wen sie ihr Kreuz machen sollen. Die Auseinandersetzung wird emotional geführt - und verursachte sogar das Aus einer Filmfirma.Mehr

FilmmusikKlänge für den Kampf gegen den Hai
Pierre Brice (l) als Apachen-Häuptling Winnetou und Lex Barker als sein Blutsbruder Old Shatterhand in einer Szene des Karl-May-Films "Im Tal des Todes". Lex Barker sitzt auf einem Pferd mit einem Gewehr in der Hand. Beide schauen in die Ferne.

Moderne Musik für einen Stummfilmklassiker: Bei den Filmmusiktagen Sachsen-Anhalt üben sich zum Beispiel junge Komponisten. Doch auch die renommierten Vertreter kommen in Halle auf ihre Kosten und es gibt eine Ehrung für den Komponisten der Winnetou-Musik.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.05.2012

Heimat und nationale Identität

Drei Veranstaltungen im Rahmen der Berliner Biennale für Zeitgenössische Kunst

Von Volker Trauth

Ein Werbeplakat der 7. Berlin Biennale
Ein Werbeplakat der 7. Berlin Biennale

Der Gründungskongress der FRMIP, einer Organisation zur Wiedergeburt der jüdischen Kultur in Polen, wurde begleitet von einer Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Thater That Acts". Thematisiert wurde dabei das Problemfeld Heimat.

"Theater That Acts" stand als Sammelbegriff über drei Veranstaltungen im Rahmen der bis zum 1. Juli andauernden 7. Biennale der Zeitgenössischen Kunst; Veranstaltungen, deren Zusammenhang sich nur schwer erschließt. Zum Abschluss heute Abend der Gründungskongress der FRMIP, einer Organisation, die sich die Wiedergeburt der jüdischen Kultur in Polen zur Aufgabe macht.

19 Debattenredner heute und 34 morgen äußern sich unter anderem zu einem Brief des Vorsitzenden Slawomir Sierakowski, in dem der anregt, die hebräische Sprache als zweite Amtssprache in Polen anzuerkennen und den nach Polen zurückgekehrten Juden den Status einer Minderheit im polnischen Parlament zu sichern. Zwischen den in dieser Woche gezeigten Veranstaltungen gab es allerdings einen übergreifenden thematischen Zusammenhang: Immer ging es um das Problemfeld von Heimat und nationaler Identität.

In ""Krisis 1-3", dem Projekt vom Joseph-Beus-Theater Moskau, in dem Akteure und Zuschauer folgenreiche Geschichten aus ihrem Leben erzählten, spricht der Regisseur Georg Genoux davon, dass ihm seine Wahlheimat Moskau nach den vielen Terrorakten fremd geworden ist und ein kasachischer Homosexueller bekennt, dass er Heimat nur in seiner Ehe mit einem australischen Homosexuellen gefunden hat.

In "Illumination", einer Produktion des "Kretakör"-Ensembles aus Budapest, wetteifern Vertreter verschiedner Projekte darum, welches ihrer Vorhaben am sinnfälligsten das Streben der Ungarn nach nationaler Identität abbilden kann. In besagtem Brief vom Vorsitzenden des FRMIP wird allen "Vertriebenen und Ausgegrenzten, die in ihrem Land keinen Platz gefunden haben" eine Heimstatt angeboten. Gemeinsamkeiten zeigen sich auch im Verhältnis der Produzenten des Theaters gegenüber dem vorgeformten dramatischen Text.

Misstrauen wächst, ob der schärferen Widersprüche gegenwärtiger gesellschaftlicher Entwicklung, die vielschichtigeren Ziele widerstreitender Interessengruppen noch widerspiegeln kann. Am deutlichsten machen sich solche Veränderungen an der Geschichte des "Kretakör" aus Budapest bemerkbar: Unter seinem Leiter und Gründer Arpad Schilling hatte das 1995 gegründete Ensemble mit Inszenierungen von Meisterwerken der dramatischen Weltliteratur Theatergeschichte geschrieben und war mit internationalen Preisen überhäuft worden, bis es dann im Jahr 2008 zum großen Bruch kam.

Schilling hatte alle professionellen Schauspieler entlassen und wollte nun den bisher stumm gebliebenen Bevölkerungsschichten eine Sprache geben und den in Ungarn nicht funktionierenden öffentlichen Diskurs auf die Bühne verlegen. In "Illumination" streiten sich - die einen in einem Filmbeitrag, die anderen leibhaftig auf der Bühne - Prominente und Unbekannte über Größe und Grenzen von nationaler Identität.

Spannung entsteht, wenn sich die Disputanten erregt in die Haare geraten. Im Filmbeitrag warnen Minister, Professoren, Künstler vor Gefahren eines entfesselten Nationalismus, der im Saal anwesende Vorsitzende eines rechtsradikalen Motorrad-Vereins widerspricht empört und nennt den Nationalismus die einzige Chance zur Rettung Ungarns. Schauspielerisches kommt in diesen Beiträgen nur als Spurenelement vor.

In einem Projekt junger ungarischer Filmemacherinnen, das Hass und Selbsthass als bestimmende Bestandteile ungarischer Mentalität darstellen will, deutet eine junge Schauspielerin pantomimisch verschiedene Erscheinungsformen von Hass an. Trotzdem: Irgendetwas fehlt in diesen Projekten. Arpad Schilling hat zwar in einem überlieferten Gespräch einem Studenten, dem das Emotionale fehlte, gesagt: "Mich interessieren nicht eure Tränen, sondern eure Gedanken" - in einem Punkt aber gebe ich dem Studenten recht: Kernstück der theatralischen Veranstaltung sind für mich immer noch die vom Spiel der Schauspieler ausgelösten Emotionen und Erkenntnisse.