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Feiertag | Beitrag vom 04.09.2016

Heiligsprechung von Mutter Teresa"Unsere Armut ist unsere Freiheit"

Von Stephan Wahl

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Ordensgründerin der "Missionarinnen der Nächstenliebe", aufgenommen 1981 bei einer Rede in Washington. Am 5.9.1997 ist der "Engel der Sterbenden" im Alter von 87 Jahren einem Herzleiden erlegen. (picture alliance / dpa / ipol Reinstein)
Mutter Teresa, Ordensgründerin der "Missionarinnen der Nächstenliebe", aufgenommen 1981 bei einer Rede in Washington. (picture alliance / dpa / ipol Reinstein)

An diesem Sonntag hat Papst Franziskus Mutter Teresa in Rom heiliggesprochen. Sie lebte für die Ärmsten der Armen - und mitten unter ihnen. Die Ordensgründerin war leidenschaftliche Katholikin, kannte aber den Zweifel, und übte sich in religiöser Toleranz.

"Wenn ich jemals eine Heilige werde - dann gewiss eine Heilige der Dunkelheit. Ich werde fortwährend im Himmel fehlen - um jenen ein Licht zu entzünden, die auf Erden in Dunkelheit leben."

Eine Heilige ist sie geworden. Papst Franziskus wird am heutigen Sonntag in Rom jene Frau heiligsprechen, von der dieses Zitat stammt: Mutter Teresa von Kalkutta. Dunkelheit hat sie in ihrem langen Leben auf verschiedenste Weise erfahren: vom Dunkel und Elend auf den Straßen von Kalkutta bis hin zur Erfahrung eigener Glaubensdunkelheit und Gottesferne. Letzteres hat sie mit Schmerzen ausgehalten und war dabei doch immer wieder neu in der Lage selber Licht in die Ecken der Welt zu bringen, für die sich niemand sonst interessierte.

Ungefähr 4800 Schwestern der von ihr gegründeten Kongregation der Missionaries of Charity versuchen heute in 134 Ländern der Erde im Geist ihrer Gründerin zu wirken. Sie unterhalten über 750 Schulen, Krankenstationen, Waisenhäuser, Aussätzigenzentren, Sterbeheime und Obdachlosenasyle, und jährlich werden es mehr. Mutter Teresas Orden wächst und ist der einzige mit Wartelisten und einem Durchschnittsalter von 35 Jahren. Die Befürchtungen, ihr Werk würde nach ihrem Tod an Bedeutung verlieren, haben sich nicht erfüllt. Im Gegenteil.

Früh wollte sie Missionarin werden

1910 wurde Mutter Teresa mit dem Taufnamen Agnes in Skopje geboren, damals noch Teil des Osmanenreichs, heute Hauptstadt der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien. Sie wuchs in einem katholischen Elternhaus auf. Ihre Mutter hatte italienische Vorfahren, der Vater war ein albanischer Kaufmann. Schon früh äußerte die junge Agnes den Wunsch, Missionarin zu werden und verließ mit 17 Familie und Heimat in Richtung Indien.

Im Dezember 1928 erreichte sie Kalkutta, von dort aus das Noviziat der Loretoschwestern im Gebirgsort Darjeeling. 1931 legt sie ihre Ordensgelübde ab und nahm in Verehrung für die französische Heilige Theresia von Lisieux den Namen Teresa an. Sie begann als Geographielehrerin in der Loreto-Schule in Kalkutta, einer eleganten, komfortablen Einrichtung, in der die Kinder der englischsprachigen indischen Elite erzogen wurden. Später übernahm sie die Leitung von Schule und Internat. Die behütete Atmosphäre wurden der jungen Ordensschwester mit den Jahren immer mehr zum Problem.

Das Leiden außerhalb der Oase

Die Menschen, für die sie eigentlich nach Indien gekommen war, wohnten außerhalb dieser wunderschönen Oase, oder treffender: sie vegetierten und starben in den Straßen der Stadt. 1946, am 10. September, auf der Zugfahrt zu geistlichen Einkehrtagen nach Darjeeling, wurde ihr schlagartig klar, dass sie etwas radikal ändern musste. Sie spürte den Auftrag Gottes "den Ärmsten unter den Armen beizustehen". Nüchtern beschreibt sie später dieses alles verändernde Erlebnis als einen deutlichen Ruf Gottes, quasi als zweite Berufung:

"Ich musste das Kloster verlassen und den Armen helfen, indem ich unter ihnen lebte. Ich hörte den Ruf, alles aufzugeben und Christus in die Slums zu folgen, um ihm unter den Ärmsten der Armen zu dienen. Ich wusste, es war sein Wille, und ich musste ihm folgen."

Zwei Jahre mussten allerdings vergehen bis sie aus Rom die Erlaubnis erhielt, ihren Orden für die neue Aufgabe verlassen zu dürfen. 1948 tauschte sie zum ersten Mal ihr Ordenskleid mit dem dann für sie markanten weißen Sari mit den drei blauen Streifen. Bis heute ist der Sari der Armen Indiens die offizielle Ordenstracht der "Missionarinnen der Nächstenliebe". Allein zieht sie in einen verrufenen Slumbezirk, wohnt bei einer siebenköpfigen Familie, schart die Kinder um sich, um ihnen das Alphabet beizubringen, pflegt Kranke und geht betteln, um halbverhungerte Familien zu unterstützen.

Unverkrampfte Leidenschaft fürs Evangelium

Bald schließen sich die ersten Gefährtinnen Teresa an, und ein Jahr später zählt die neue Gemeinschaft bereits 26 junge Frauen. Teresas Charisma und ihre unverkrampfte Leidenschaft für das Evangelium ließen - durch immer mehr Interessentinnen - die Gemeinschaft heranwachsen. Dies in einem Geist von dem ein früher Text von Mutter Teresa spricht:

//"Das Leben ist eine Chance - nutze sie. Das Leben ist Schönheit - bewundere sie. Das Leben ist Seligkeit - genieße sie. Das Leben ist ein Traum - mach daraus Wirklichkeit. Das Leben ist eine Herausforderung - stelle dich ihr. Das Leben ist Pflicht - erfülle sie. Das Leben ist ein Spiel - spiele es. Das Leben ist kostbar - geh sorgfältig damit um. Das Leben ist Reichtum - bewahre ihn. Das Leben ist Liebe - erfreue dich an ihr. Das Leben ist ein Rätsel - durchdringe es. Das Leben ist ein Versprechen - erfülle es. Das Leben ist Traurigkeit - überwinde sie. Das Leben ist eine Hymne - singe sie. Das Leben ist eine Tragödie - ringe mit ihr. Das Leben ist ein Abenteuer - wage es. Das Leben ist Glück - verdiene es. Das Leben ist das Leben - verteidige es."//

Ungewöhnlich schnell erhielt die neue Kongregation schon 1950 durch Papst Pius XII die offizielle Anerkennung der Kirche. Zu den Inderinnen der ersten Jahre kommen bald Frauen aus Afrika, Amerika und Europa. Bis heute beginnt um 4.30 Uhr der Tag für die Schwestern. Nach persönlichem Gebet, Gottesdienst, Hausarbeiten und anschließendem Frühstück geht jede zu der ihr übertragenen Aufgabe. Außerhalb. In Schulen, Krankenstationen, Sterbehospizen. Immer zu zweit.

Verzicht auf jeden Lohn

Nachmittags findet noch einmal ein gemeinschaftliches Gebet statt. Eine stille abendliche Anbetungsstunde beendet den Tag. Eine tägliche Verbindung von Aktion und Kontemplation. Gebet und Arbeit: Das eine geht nicht ohne das andere. Deshalb werden auch heute noch Besucher immer zuerst in die Kapelle geführt, um den "Hausherrn" zu begrüßen.

Mutter Teresa wollte mit ihren Schwestern nicht nur für die Ärmsten arbeiten, sondern wie sie selbst arm sein. Deshalb hat jede Schwester auch heute nicht mehr als drei Garnituren Kleidung, jeweils ein weißer Baumwollhabit und ein blau gesäumter Sari. Eine trägt sie, während die andere gewaschen wird und die dritte trocknet. Neben den üblichen Ordensgelübden Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit verpflichtet sich jede Schwester in einem vierten Gelübde zu einem lebenslangen, ausschließlichen Einsatz für die Ärmsten und zum Verzicht auf jeden Lohn.

"Die Armut ist notwendig, weil wir den Armen dienen. Wenn sie über das Essen klagen, können wir sagen: Das essen wir auch. Sagen sie: Es war heute Nacht so heiß, man konnte nicht schlafen, können wir antworten: Auch uns war so heiß. Die Armen machen ihre Wäsche selbst, sie gehen barfuß: So tun wir auch. Wir müssen uns erniedrigen, um sie zu erhöhen. Das Herz der Armen öffnet sich, wenn wir versichern können, dass wir leben wie sie. Manchmal haben sie nur einen Eimer Wasser. Wir auch. Sie stehen Schlange. Wir auch. Essen, Kleidung, alles soll sein, wie es die Armen haben. (…) Unsere Armut ist unsere Freiheit. Unsere Armut besteht im Verzicht auf unsere Freiheit, über die Dinge zu verfügen, sie zu wählen, zu besitzen. In dem Augenblick, da ich mich der Dinge bediene und über sie verfüge, als gehörten sie mir, in diesem Augenblick höre ich auf, arm zu sein." 

Religiöse Toleranz

Viele Schwestern erlernen einen Beruf als Krankenpflegerinnen, Sozialarbeiterinnen oder Lehrerinnen, einige studieren Medizin oder Jura, und alle sind im breiten Spektrum der Tätigkeitsfelder engagiert: in Rehazentren für Leprakranke, in Häusern für behinderte Kinder oder ledige Mütter; sie unterhalten Heime für Alkohol- und Drogenabhängige, für Aidskranke; sie arbeiten in Gefängnissen und sorgen für Vorschulprogramme und Gesundheitsvorsorge in den Dörfern. 

1952 erhielt Mutter Teresa von der Stadtverwaltung von Kalkutta die Erlaubnis, Kranke und Sterbende, die sie und ihre Mitschwestern in den Straßen auflasen, in einem nicht mehr benutzten Pilgerschlafsaal des Kali-Tempels unterzubringen.

Die anfängliche Sorge der Hindus, die Schwestern würden hier Mission betreiben, um die Sterbenden noch schnell zum christlichen Glauben zu bekehren, schwand bald durch die von Mutter Teresa geübte religiöse Toleranz. Auch wenn sie eine leidenschaftliche Katholikin war, respektierte sie andere Glaubensweisen. Ein kritischer Besucher staunte einmal, als er eine Schwester antraf, die einem sterbenden Hindu die Lippen mit Wasser aus dem für ihn heiligen Fluss Ganges benetzte. Totenrituale für Moslems und Hindus wurden streng nach der jeweiligen Vorschrift vollzogen, Säuglinge nie sofort getauft sondern wenn, dann erst viel später, wenn eine eigene Entscheidung möglich war.

"Es gibt nur einen Gott, und er ist der Gott aller"

//"Es gibt nur einen Gott, und er ist der Gott aller, daher ist es wichtig, dass man alle Menschen als vor Gott gleich ansieht. Ich habe immer gesagt, wir sollten einem Hindu helfen, ein besserer Hindu zu werden, einem Muslim ein besserer Muslim zu werden und einem Katholiken, ein besserer Katholik zu werden.(…)

Gott wirkt auf seine Weise in den Herzen der Menschen, und wir können nicht wissen, wie nahe sie ihm sind. An ihrem Tun aber werden wir immer erkennen, ob sie zu seiner Verfügung stehen oder nicht. Ob Hindu, Muslim oder Christ: Wie du dein Leben lebst, beweist, ob du ihm ganz gehörst oder nicht. Wir dürfen nicht urteilen oder verurteilen. (…)Was allein zählt, ist, dass wir lieben."//

Ein langer Artikel einer indischen Tageszeitung über die "seltsame Europäerin", die sich mit ihren Schwestern um arme Inder kümmert, veranlasste die BBC, 1969 einen Film in Auftrag zu geben, der Mutter Teresa und ihr Werk international bekannt machte.  Sie nutzte die größer werdende Popularität, wurde überall auf der Welt von Regierungen empfangen, mit Ehrungen überhäuft und sammelte auf diese Weise unermüdlich Spenden für ihr immer größer werdendes Werk. Höhepunkt war der Friedensnobelpreis im Jahr 1979.

Eitelkeit war ihr fremd

Dass solche Ehrungen für sie nur wichtig waren mit Blick auf ihren Auftrag unterstrich sie, indem sie in Oslo auf das traditionelle Festbankett zu ihren Ehren verzichtete und das dafür vorgesehene Budget neben dem Preisgeld als zusätzliche Spende mit nach Kalkutta nahm und damit ein großes Weihnachtsfest für 2000 Menschen ausrichtete. Eitelkeit war ihr fremd, auch wenn sie die Bedeutung der Medien erkannte und sich zum Beispiel überall, wo sie hinkam, geduldig fotografieren ließ. Wenn es Spenden für ihr Werk einbrachte, war es für sie ok. Zu gestellten Szenen oder Inszenierungswünschen von Kameraleuten war sie jedoch nie zu überreden. Ironisch-humorvoll bemerkte sie einmal:

"Ich habe mit Jesus einen Vertrag geschlossen, dass für jedes Foto, das man von mir macht, eine Seele aus dem Fegefeuer freikommt. In diesen Tagen wurde so viel geknipst, dass das Fegefeuer nun leer ist."

Mit zunehmender Bekanntheit wuchs auch die Kritik an ihrer oft unkonventionellen Art, die Gemeinschaft und ihr Werk zu leiten. War es nicht wichtiger, die Ursachen der Not zu bekämpfen, als Sterbenden die Hand zu halten? War es in Ordnung, dass Mutter Teresa keine Berührungsängste gegenüber zweifelhaften Machthabern hatte, um diese für ihr Engagement einzuspannen? War ihre Art minimaler Buchführung nicht reichlich naiv, wenn nicht gar unzulässig?

"Das mag alles richtig sein", schreibt ihr Biograf Christian Feldmann und fragt weiter: "Ob aber jene, die den Weg aus der Not so genau kennen, auch fähig wären, einen von Teresas stinkenden, von Würmern zerfressenen Patienten anzufassen und so das gestörte Verhältnis zwischen Menschen zu ändern? Glaubwürdig nach Gerechtigkeit schreien kann nur, wer selber zupackt."

Schmerzen als besondere Zeichen Gottes?

Schwierig war zweifellos ihre Art, Schmerzen und Leiden oft vorschnell als besondere Zeichen und Gaben Gottes zu interpretieren. Mitunter wurde sie dann selbst korrigiert: "Einer von wahnsinnigen Schmerzen geplagten Krebskranken versuchte sie einmal mit dem Argument Mut zuzusprechen, Jesus müsse sie sehr lieb haben, "deine Schmerzen sind Küsse Jesu". Worauf die Todkranke etwas unwirsch antwortete: " Mutter, dann bitte Jesus, dass er aufhört, mich zu küssen!"

Mutter Teresa war eine Persönlichkeit mit vielen Facetten und einem Realitätssinn, der nicht fragen, sondern zupacken ließ. Während sich zu Beginn der Aidsepidemie Christen mit der Frage beschäftigten, ob dies nicht eine Strafe Gottes sei, baute Mutter Teresa Häuser, um Kranke aufzunehmen. Bei der Eröffnung eines Heims für Aidspatienten ließ sie einen Zaun um den dortigen Fischteich ziehen. Denn "die Kranken können sehr niedergeschlagen sein und an Selbstmord denken".

Niedergeschlagen war sie selbst in Zeiten, in denen ihr sonst starker Glaube ins Wanken kam. Sie erlebte Zeiten dunkelster Gottesferne und Glaubenszweifel. Später veröffentliche private Notizen zeigen einen spirituellen Kampf, den sie nach außen zu verbergen wusste.

"Die ganze Zeit lächeln. Die Schwestern und die Leute machen solche Bemerkungen. Sie glauben, dass mein ganzes Wesen von Glaube, Vertrauen und Liebe erfüllt ist und dass die Vertrautheit mit Gott und das Einssein mit seinem Willen mein ganzes Herz durchdringen müsste.Wenn sie nur wüssten, wie meine Fröhlichkeit nur der Deckmantel ist, unter dem ich Leere und das Elend verberge."

Zweifel an Gott

Wie ein verzweifelter Aufschrei liest sich eine Eintragung, in der sich Mutter Teresa an Jesus selbst wendet:

"Wofür arbeite ich? Wenn es keinen Gott gibt - kann es auch keine Seele geben. Wenn es keine Seele gibt, dann, Jesus, bist du auch nicht wahr. Der Himmel, welch Leere - kein einziger Gedanke an den Himmel dringt in meinen Geist ein - denn dort ist keine Hoffnung. - Ich fürchte mich, all diese schrecklichen Dinge aufzuschreiben, die meine Seele durchstreifen. Sie müssen dich verletzen. In meinem Herzen gibt es keinen Glauben - keine Liebe - kein Vertrauen- das ist so viel Schmerz…Ich bete nicht mehr— Ich spreche die Worte der Gemeinschaftsgebete aus und versuche mein Äußerstes, um aus jedem Wort die Süße herauszuholen, die es spenden müsste. Doch mein Gebet… gibt es nicht mehr."

Die Veröffentlichung dieser persönlichen Aufzeichnungen hat den Mythos Mutter Teresa nicht zerstört, sondern sie menschlicher und für viele Zeitgenossen und Zweifler glaubwürdiger gemacht. Das Ringen mit Gott, die dunkeln Nächte, die Erfahrung schmerzhafter Gottferne gibt es in vielen Biographien großer Christen. Johannes vom Kreuz gehört dazu, Theresia von Liseux, ja selbst von Papst Johannes XXIII. wird erzählt, dass er nach der Beerdigung seiner Schwester Ancilla leise vor sich hingesagt habe: "Weh uns, wenn alles eine Illusion ist."

Glaube ist niemals ein Besitz, steht in der Spannung zwischen Sehnsucht, Erfahrung und tröstlicher Gewissheit. Mutter Teresa hat in dieser Spannung bis zu ihrem Tod am 5.September 1997 gelebt. Im Oktober 2003 wurde sie von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Heute wird sie in den Heiligenkalender der Kirche aufgenommen.

Eine Heilige, die wirklich lebte, was sie glaubte

Mit einem schönen und gleichzeitig herausfordernden Text soll ihr am Ende dieser Sendung das letzte Wort gelassen sein. Als Ermunterung der neuen Heiligen, von der man zu Recht sagen kann, dass sie wirklich lebte, was sie glaubte.

"Heute erscheint Christus uns in den Menschen, die unerwünscht, arbeitslos, beiseite geschoben, hungrig, nackt und heimatlos sind. Für den Staat und die Gesellschaft erscheinen sie nutzlos, und niemand hat Zeit für sie. Du und ich müssen als Christen, die der Liebe Christi würdig sein wollen -soll unsere Liebe wahr sein- sie ausfindig machen und ihnen helfen. Sie sind da, damit wir sie finden. Überall finden wir einsame Menschen, die oft nur unter ihrer Zimmernummer bekannt sind. Wo sind wir? Wissen wir überhaupt, dass es diese Menschen gibt? Vielleicht wohnt gleich nebenan ein Blinder, der glücklich darüber wäre, wenn wir ihm aus der Zeitung vorläsen; vielleicht ist da ein Reicher, der niemanden hat, der ihn besucht. Er mag zwar viele Dinge besitzen und schier an ihnen ersticken, doch er hat niemanden, der ihn berührt, und er braucht deine Berührung. (…) Suche Gott nicht in fernen Ländern - dort ist er nicht. Er ist ganz in deiner Nähe. Lass nur das Licht brennen, und du wirst ihn immer sehen. Wache und bete. Zünde immer wieder die Lampe an, und du wirst seine Liebe sehen und erkennen, wie gut der Gott ist, den du liebst."

Eine Sendung der Katholischen Kirche

Literatur:

Christian Feldmann, Die Liebe bleibt - Das Leben der Mutter Teresa, Freiburg i.B., 2017

Mutter Teresa, Komm sei mein Licht, herausgegeben und kommentiert von Brian Kolodiejchuk, München, 2010

Mutter Teresa, Wo die Liebe ist, da ist Gott. München, 2011

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