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Kompressor | Beitrag vom 24.04.2015

Hate SpeechKein Platz für Menschenhass im Netz

Anatol Stefanowitsch im Gespräch mit Max Oppel

Ein Mann arbeitet an der Tastatur eines Laptops.  (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
Im Netz wird sichtbar und findet ein Echo, was früher nur am Stammtisch gesprochen wurde. (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)

Der Berliner Sprachforscher und Blogger Anatol Stefanowitsch fordert angesichts von "Hate Speech" im Netz, dass Meinungsfreiheit mit mehr Verantwortung einhergehen sollte. Aber auch Gegenreaktionen auf geschmacklose und abwertende Äußerungen seien wichtig.

Das Internet habe die "Hate Speech" nicht hervorgebracht, sondern mache das sichtbar, was vorher nur am Stammtisch stattgefunden habe, sagte der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch im Deutschlandradio Kultur. Dadurch würden Ideen ebenso verbreitet wie die dazu gehörige Sprache, die vorher keine solche Breitenwirkung hätte entfalten können.  Es sei aber schwer zu sagen, ob das Phänomen im Netz tatsächlich zugenommen habe.

"Normalisierung von Menschenhass"

"Erst mal hat sich dort Sichtbarkeit verschafft, was die ganze Zeit da war", sagte der Blogger. "Aber – und das ist die Gefahr an "Hate Speech", also dem Herabwürdigen von Gruppen und am Absprechen von Existenzberechtigung von Gruppen, da entsteht so eine Art "Feedback Loop", sagte er. In dem Moment, wo das eine breitere Öffentlichkeit erreiche, kämen mehr Leute auf die Idee, dass es ganz akzeptabel sei, diese Dinge zu sagen. "Und so schaukelt sich das dann hoch." Der Wissenschaftler sagte: "Es findet eine Normalisierung von Menschenhass statt, einfach durch die Existenz solcher Aussagen in der Öffentlichkeit."

Debattenkultur aktiv gestalten

Das Netz biete jedem Menschen eine Bühne. "Es gibt sozusagen keinen Filter mehr zwischen der Meinung jeder einzelnen Person und der allgemeinen Öffentlichkeit", sagte Stefanowitsch. "Ich denke, das ist hier das gefährliche."  Der Sprachforscher betonte, dass es deshalb wichtig sei, die Debattenkultur und Meinungsfreiheitskultur aktiv zu gestalten. "Wo wir jetzt hinkommen müssen, dass wir auch jedem Menschen klarmachen, dass Meinungsfreiheit mit Verantwortung einher geht."

Gegenreaktion sind wichtig

Jeder Mensch solle seine Meinung äußern, sagte der Sprachforscher. Dazu gehörten auch geschmacklose oder abwertende Äußerungen. "Da wo sie in Menschenfeindlichkeit umschlagen, da muss es einen Konsens geben, dass derjenige, der diese Meinungsfreiheit für sich in Anspruch nimmt, auch konfrontiert wird mit einer entsprechenden Gegenreaktion."  Dazu gehöre auch, dass Verlage und Zeitungshäuser bestimmte Arten von Debatten einfach unterbänden.

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