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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 06.05.2013

Hashtag, Mathe-Rap und viel Fußball

Die Grimme Online Award Nominierungen 2013

Von Jörg Schieb

Die Anwärter auf den Grimme Online Award 2013 stehen fest.  (Grimme Akademie)
Die Anwärter auf den Grimme Online Award 2013 stehen fest. (Grimme Akademie)

Einmal im Jahr prämiert das angesehene Grimme Institut aus Marl, das auch Fernsehsendungen und -filme auszeichnet, die besten deutschsprachigen Angebote im Web. Insgesamt 28 Angebote wurden in vier Kategorien nominiert. Am 21. Juni ist die Preisverleihung in Köln.

Eins muss man sagen: Der Grimme Online Award ist immer für Überraschungen gut. Oft werden Angebote und Ideen ausgezeichnet, die man so gar nicht auf dem Radar hatte – und genau das macht den Grimme Online Award so interessant. Es werden Trends aufgespürt – und Trends gibt es im Netz reichlich.

Dieses Jahr wurde zum Beispiel zum ersten Mal ein Hashtag für den angesehenen Preis nominiert. Hashtags sind Schlagwörter in der Twitter-Welt. Damit lassen sich Diskussionen ordnen und Themen strukturieren. Nominiert wurde der Hashtag #aufschrei, mit dem in der Twitter-Welt Diskussionen über das Thema Sexismus im Alltag diskutiert wurden, die nach dem "Stern"-Artikel über Rainer Brüderles sexistische Aussagen entstanden sind. Es hat gebrodelt in der Twittersphäre – und der Hashtag #aufschrei war die Plattform für die rege Diskussion.

#aufschrei schlug hohe Wellen

Die Diskussionen auf Twitter haben hohen Wellen geschlagen und rasch selbst traditionelle Medien erfasst, sogar die Politik hat sich damit beschäftigt. Grund genug, den Hashtag #aufschrei für den Grimme Online Award zu nominieren, meint die Kommission – und will damit zweifellos auch würdigen, welchen Einfluss moderne Medien wie Twitter oder soziale Netzwerke heute mittlerweile auf Diskussionsprozesse und Meinungsgestaltung haben.

Doch auch klassische Webseiten haben nach wie vor eine Chance auf den Grimme Online Award. Zum Beispiel eine interaktive Reportage des Fernsehsenders Arte, die so weder im Fernsehen laufen könnte, noch mit irgendeinem anderen Webangebot vergleichbar wäre.

Eine Reportage über die Tatsache, dass es das berühmte Tagebuch der Anne Frank in Japan, man glaubt es kaum, sogar als Manga gibt – und dort ein riesiger Erfolg ist. Aber wieso ist das Thema gerade in Japan so erfolgreich? Dieser Frage sind Arte-Reporter auf den Grund gegangen.

In einem interaktiven Comic können Besucher die Erlebnisse und Recherchen der Reporter vor Ort nacherleben. Das Comic zeigt, wie die Reporter in Japan ankommen, wie die sie Leute treffen und interviewen, die kulturellen Unterschiede. Wie geht man mit Gästen um, wie mit kritischen Fragen? Das ist in Asien anders als in Europa.

Immer wieder werden originale Soundschnipsel eingespielt, der Klang am Flughafen, das Gespräch im Restaurant. Das Ganze ist sehr originell gemacht. Man erfährt dabei eine Menge, auch über die Vorstellungen der heutigen japanischen Gesellschaft über die eigene Rolle in der Geschichte, etwa während des zweiten Weltkriegs und danachund nach des zweiten Weltkriegs. Eine Reportage der ganz besonderen Machart, eine Geschichte, die fesselt – und so wirklich nur im Web denkbar ist.

Dominantes Thema Fußball

Aber auch populäre Themen haben die Chance auf einen Preis. Ein dominantes Thema dieses Jahr: Fußball. Gleich drei nominierte Angebote beschäftigen sich mit der für viele schönsten Nebensache der Welt. 11freunde.de zum Beispiel ist ein Webangebot, das Liveticker zu wichtigen Fußballspielen bietet. Egal ob Bundesliga oder Champions League: Die 11freunde.de-Redaktion versorgt Fußballfans mit Infos, auch live während der Spiele. Kompetent, aber etwas unterhaltsamer und humorvoller als in traditionellen Sportredaktionen.

Weniger professionell, aber ganz sicher nicht mit weniger Herzblut kommentieren Fans live aktuelle Spiele auf marcel-ist-reif.de. Ein Portal, wo jeder zum Kommentator avancieren kann: Einfach anmelden – und während des Spiels live ins Mikro kommentieren. Man darf sich fühlen wie ein Profi, selbst wenn es sich nicht unbedingt so anhört …

Die einen kommentieren, die anderen hören zu. Man schaut sich das Spiel im Fernsehen an, dreht den Ton ab – und lauscht via Internet den Kommentaren des Laienreporters. Witzige Idee, auch wenn die meisten Kommentatoren in der Regel nicht über zwei Dutzend Zuhörer hinauskommen.

Last not least beschäftigt sich das Blog fussballdoping.de des Journalisten Daniel Drepper mit einem Thema, das bislang weitgehend totgeschwiegen wird: Doping im Fußball. Es gibt Themen, es gibt Fälle, nur werden diese in den traditionellen Medien kaum erwähnt. Das Blog beschäftigt sich damit – vorbildlich.

Preisverdächtiger Mathe-Rap

Aber auch auf den ersten Blick skurril wirkende Angebote haben eine Chance, mit dem Grimme Online Award gewürdigt zu werden. Wenn es ein schönes Beispiel dafür gibt, was im Internet alles möglich ist, dann ist es der Youtube-Kanal DorFuchs von Johann Beurich. Hier wird gesungen und gerappt – und zwar über Mathe.

Johann Beurich interessiert sich leidenschaftlich für Mathematik – und findet, auch andere könnten eigentlich Spaß daran haben. Der Satz des Pythagoras, biometrische Formeln, lineare Funktionen: Das sind Themen, mit denen sich Johann Beurich beschäftigt. In seinen Videos erklärt er alles, verständlich, leidenschaftlich, sympathisch. In Reimen. Gerappt. Beurich schreibt Musik und Texte selbst, dreht die Videos. Klasse. Das kommt gut an: Seine Videos werden gerne gesehen. Einzigartig und schon allein deshalb preisverdächtig.

Der Grimme Online Award ist undotiert. Die Gewinner bekommen kein Geld – aber jede Menge Beachtung. Favoriten gibt es nicht: Die Jury bestimmt in den nächsten Wochen die Gewinner in den vier Kategorien. Für die Nominierten bleibt es spannend bis zuletzt.

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