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Interview / Archiv | Beitrag vom 10.11.2012

Grüne Spitzenkandidaten haben "eine größere Legitimation"

Politologe Niedermayer hält das Basis-Votum über grünes Führungsduo für "mehr als PR"

Wahlhelfer zählen die Stimmzettel für die Urwahl der Grünen aus. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Wahlhelfer zählen die Stimmzettel für die Urwahl der Grünen aus. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Der Parteienforscher Oskar Niedermayer wertet die Urwahl der beiden grünen Spitzenkandidaten für die Bundestagwahl 2013 als ein Mittel gegen Parteienverdrossenheit. Zugleich rät er den Sozialdemokraten angesichts ihres dramatischen Mitgliederschwunds, ebenfalls die Öffentlichkeit stärker an der innerparteilichen Diskussion zu beteiligen.

Dass die Grünen als erste deutsche Partei die Basis über ihre Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl haben abstimmen lassen sei "schon mehr als ein PR-Erfolg", sagte Niedermayer kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses der Stimmenauszählung in Berlin.

Sowohl Wissenschaftler als auch Parteien forderten seit Jahren, dass einfache Parteimitglieder stärker bei der innerparteilichen Willensbildung mitbestimmen dürften. Die Bürger wünschten sich stärkere Beteiligungsmöglichkeiten innerhalb und außerhalb der Parteien, daher sei eine Urwahl ein mögliches Instrument unter vielen, "um Parteienverdrossenheit entgegenzuwirken", wenn auch "kein Allheilmittel", so der Professor für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin.

Im Gegensatz zum SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück verfüge ein grüner Spitzenkandidat durch das basisdemokratische Verfahren über eine "größere Legitimation", sagte Niedermayer. "Er kann deswegen auch darauf hoffen, dass ihn die Partei im Wahlkampf dann auch stärker unterstützt." Das Verfahren habe bei den Grünen "auch keine Wunden geschlagen".

Er kritisierte, dass in der SPD entsprechende Reformdiskussionen bereits weit gediehen waren, aber "bestimmte Interessen die ganze Sache wieder gestoppt haben." Die Parteien müssten sich stärker in die Gesellschaft hinein öffnen, sagte Niedermayer. Insbesondere für die SPD hält er es angesichts des dramatischen Mitgliederschwunds für sinnvoll, die Öffentlichkeit stärker an der innerparteilichen Diskussion zu beteiligen.

Das vollständige Interview mit Oskar Niedermayer können Sie bis mindestens zum 10. April 2013 in unseren Audio-on-demand-Player nachhören.

Interview

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