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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 22.10.2012

Grippewellen mit Twitter erkennen

Forscher entwickeln Virenscanner für Epidemien

Von Michael Engel

Twitter statt Arzt: Wer krank ist, sucht häufig im Internet Rat.
Twitter statt Arzt: Wer krank ist, sucht häufig im Internet Rat. (AP)

Da Grippekranke immer öfter im Internet Hilfe suchen, lassen sich anhand computergestützter Analysen Epidemien vorhersagen. In den USA ist das schon gelungen. Seit drei Jahren arbeiten Experten in Deutschland an einem netzbasierten Meldesystem.

"Hi Julia. Ich komm' heute nicht zum Sport. 40 Fieber und Schüttelfrost. Bin total fertig …"

"Mein Kind hat dicke Pusteln auf dem Rücken. Soll ich warten oder besser gleich zum Arzt?"

Viele Menschen gehen heute lieber ins Internet, wenn sie krank sind. Vielleicht haben ja Freunde oder virtuelle Bekannte einen guten Tipp: Das alles ohne Praxisgebühr, ohne stundenlanges Warten beim Doktor. Tatsächlich quillt das Internet über mit medizinisch gefärbten Einträgen, die dann aber auch für Gesundheitsbehörden interessant sein können. Dr. Kerstin Denecke von der Uni Hannover machte daraus ein Forschungsvorhaben:

"Viele Leute benutzen soziale Medien - Twitter, schreiben ihren eigenen Blog oder schreiben etwas in Foren. Und die Überlegung war, ob hier die Leute vielleicht ihre Symptome eher schreiben als dass sie zum Arzt gehen. Also wenn sie krank sind, dass sie dann vielleicht eher an ihre Freunde twittern - 'oh, mir geht's schlecht, ich habe Fieber' - und dass hier die Idee ist, dass man auf diese Art und Weise diese frühzeitigen Hinweise aufgreift, auswertet, dass man dann eben auch früher reagieren kann auf der Seite des Gesundheitsamtes."

Ist es möglich, den Ausbruch von Epidemien allein mithilfe einer Datenanalyse aus dem Internet frühzeitig zu erkennen? Vielleicht sogar früher noch als über die herkömmlichen Meldewege? Gesundheitsbehörden, allen voran das Robert Koch-Institut in Berlin, wären an schnelleren Vorwarnzeiten sehr interessiert. Die Analyse des Internets war dann aber doch nicht so einfach, denn Worte wie "Fieber" zum Beispiel sind nicht immer nur medizinisch geprägt:

"Wir hatten jetzt gerade mit der Fußball-EM das System testen wollen und hatten sehr viele Twitter-Nachrichten gefunden, wo Leute ihr Fußballfieber beschrieben haben. Und das herauszufiltern, ja, das kann dann eben auch mit solchen Ausschlusslisten machen, wo man sagt, ja okay, Fieber in Verbindung mit Fußball als ein zusammengesetztes Wort, das wollen wir jetzt nicht haben, solche Texte sind nicht relevant für uns."

In der Regel nennen Betroffene im Internet keine Krankheiten, sondern Symptome: rote Flecken auf der Zunge oder Schüttelfrost. Programme, die solche Beschreibungen analysieren, müssen dabei viele hundert Begriffe kennen, die synonym zum Beispiel für "Durchfall" stehen. Schlussendlich stellt die Software eine Diagnose.

"Ich weiß gar nicht, woher dieser Flattermann kommt. Ich bin schon ganz schlapp."

"Eine Runde Mitleid bitte, denn unser Krümelchen ist ganz heiß und will nicht mal mehr sein Fläschchen."

Bisher informieren vor allem die niedergelassenen Ärzte die Gesundheitsämter über meldepflichtige Krankheiten, nachdem ein Labor zum Beispiel das Blut der Patienten unter die Lupe genommen hat. Das alles braucht Zeit. Die Idee, das Internet als virtuellen Untersuchungsraum zu nutzen, um früher noch als bisher etwa eine anrollende Grippewelle zu erkennen, könnte einen erheblichen Zeitvorteil bringen, urteilt Dr. Johannes Dreesman vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt:

"Und da hofft man eben Zeit einsparen zu können, indem man auf Informationen setzt, die der Benutzer vielleicht gleich beim Auftreten der ersten Symptome über die sozialen Medien dann verbreitet."

Beispiel EHEC. Die bakteriell ausgelöste Epidemie des Jahres 2011 wurde zum Testfall für das Computer-Erkennungssystem. Jedoch, die Software schlug keinen Alarm, weil - so die Vermutung - ein vollkommen neuer Erreger mit neuartigen Symptomen den Rechner überforderte. Es gibt aber auch Erfolge. US-amerikanische Computer, die mit einem ähnlichen Programm arbeiten, konnten eine Grippewelle vorhersagen. Auch die Cholera-Epidemie nach dem Erdbeben auf Haiti hätte man vorhersehen können, wie ein nachträglicher Testlauf zeigte. Analyseverfahren im Labor werden dadurch aber nicht überflüssig, sagt Johannes Dreesman:

"Nein, das ist auch keine Konkurrenz untereinander. Man braucht natürlich die Laboranalytik, um die Fälle zu bestätigen."

"M-Eco" ist nicht das einzige Früherkennungsprogramm: Andere Systeme heißen "Healthmap", "Flutrend" oder "Medsys" und werden in Ländern wie Italien, USA und Dänemark. Auch die Weltgesundheitsorganisation tüftelt daran - hier mit einem globalen Anspruch, denn viele Seuchen machen vor Ländergrenzen schließlich nicht halt. Noch aber leiden die netzbasierten Meldesysteme unter zahlreichen Kinderkrankheiten.

"Ich persönlich denke schon, dass die Benutzung der sozialen Medien noch weiter zunehmen wird. Von daher denke ich, dass das insgesamt der Weg hier nach wichtigen Informationen zu suchen, auf jeden Fall sinnvoll und richtig ist."

Das Robert Koch-Institut denkt als oberste Gesundheitsbehörde in Deutschland an eine Fortführung des Projektes, wenn auch die Treffergenauigkeit heute noch nicht optimal ist. Eines Tages jedoch könnte sich "M-Eco" als echter "Virenscanner" erweisen.