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Thema / Archiv | Beitrag vom 10.04.2007

Grimm: Klärschlamm und Schlachtabfälle im Tierfutter

Tiernahrungshersteller kennen keine "Ekel-Bremse"

"Chemische Tricks", dass die Tiere das Futter akzeptieren. (AP)
"Chemische Tricks", dass die Tiere das Futter akzeptieren. (AP)

Der Autor und Journalist Hans-Ulrich Grimm erhebt in seinem heute erscheinenden Buch "Katzen würden Mäuse kaufen" schwere Vorwürfe gegen die Hersteller von Tierfutter.

In der Branche versage offenbar jegliche "Ekel-Bremse", sagte Grimm am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. So würden immer wieder Schlachtabfälle und verdorbenes Fleisch zu Tiermehl für das Futter verarbeitet. Zu Gute komme den Herstellern dabei auch das Entsorgungsproblem der Nahrungswirtschaft. Diese produziere große Mengen an Fleischabfällen und müsse sie irgendwie beseitigen: "Da bieten sich eben die Tierfutter-Produzenten an, und die sind dankbare Abnehmer für den Müll." In einem bereits aufgedeckten Skandal hätten die Hersteller sogar "jahrelang Klärschlamm zu Tierfutter verarbeitet – einfach, weil es nicht verboten war".

Grimm zufolge bediene sich die Industrie "allerlei chemischer Tricks", um zu erreichen, dass die Tiere das Futter akzeptieren. "Die werden systematisch an der Nase herumgeführt, man trickst ihren Geschmackssinn aus, und nur dadurch essen die das." Der Autor wies daraufhin, dass dies längst nicht nur für Tiernahrung gelte. Auch bei der Herstellung von Lebensmitteln würden "unglaublich viele Geschmacksmanipulationen" vorgenommen, "damit man das Zeug überhaupt genießen kann, was aus den Fabriken so herauskommt".

Ferner beklagte der Autor die engen Verstrickungen von Wissenschaftlern und der Tiernahrungsindustrie. Im Zuge der Recherche sei es unmöglich gewesen, unabhängige Forscher zu finden. Auch die meisten Tiernahrungsstudien seien von der Industrie finanziert. Zwar sei es ein legitimes Anliegen herauszufinden, welche Art von Nahrung sich am besten für ein Tier eigne. "Aber dann nur verschiedene Dosenfutter zu vergleichen und die Natur völlig außen vor zu lassen, das ist dann schon Industrieinteresse."

Sie können das vollständige Gespräch für begrenzte Zeit in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

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