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Griechenland, Irland, Portugal in der Krise

Was läuft falsch auf dem gemeinsamen Binnenmarkt?

Von Roland Döhrn

Der Euro steckt in einer Krise.
Der Euro steckt in einer Krise. (AP)

Der Euro ist elf Jahre nach seiner Einführung in eine schwere Krise geraten. Gegenwärtig ist die Wirtschaftspolitik vollauf damit beschäftigt, die Finanzmärkte zu beruhigen, wenn auch bisher mit begrenztem Erfolg. Dies mag auch daran liegen, dass das 750 Milliarden Euro Hilfspaket nur an Symptomen kuriert, die tieferen Ursachen der Krise aber nicht bekämpfen kann.

Letzteres erfordert insbesondere, die Staatsfinanzen auf längere Sicht zu stabilisieren. Und es ist richtig, dass Europa derzeit intensiv über die Methode diskutiert, wie die Etats der Mitgliedsländer besser als bisher kontrolliert werden können. Wenig Beachtung findet bislang aber eine andere Ursache der Krise, nämlich die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Euro-Ländern.

Bei Start der Währungsunion variierte die Wirtschaftsleistung zwischen den EU-Ländern beträchtlich. In Griechenland zum Beispiel erreichte das Pro-Kopf-Einkommen gerade drei Viertel des Durchschnitts der Währungsunion, in Portugal sogar nicht einmal 70 Prozent. Einher ging dies mit großen Unterschieden in der Wirtschaftsstruktur.

Während im Euroraum insgesamt damals etwa 16 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Produktion auf Investitionsgüter entfiel, waren es in Portugal nur knapp 10 Prozent und in Griechenland gar weniger als 5 Prozent.

Derartige Diskrepanzen sprechen nicht unbedingt gegen eine gemeinsame Währung. Es muss aber Mechanismen geben, um diese Differenzen abzubauen. Ein Ansatzpunkt sind Transfers zwischen den Ländern. Über die Strukturfonds der EU waren die Länder an der Peripherie stets überdurchschnittlich gefördert worden.

Mit den Beschlüssen zur Währungsunion legte man zusätzlich den Kohäsionsfonds auf, der es Portugal, Griechenland, Spanien und Irland erleichtern sollte, zu den anderen Euro-Ländern wirtschaftlich aufzuschließen. Außerdem erzielten die Länder an der Peripherie eine "Euro-Dividende".

Durch den Beitritt zur Währungsunion sanken dort nämlich gewissermaßen über Nacht die Zinsen kräftig, zu denen sich Kreditnehmer verschulden können. Dadurch verbilligte sich die Finanzierung von Investitionen. Das gesamte Paket aus finanziellen Vorteilen hätte man nutzen können, um die Standortbedingungen zu verbessern und wettbewerbsfähige Industrien aufzubauen.

Hätte - denn gebracht hat dies alles wenig. Die Fördergelder der EU wurden allzu häufig für Projekte verwendet, die die Wahlchancen der Politiker verbesserten, die Wirtschaft aber wenig voranbrachten. Und auch die Euro-Dividende wurde selten gewinnbringend angelegt. Im Gegenteil: Da Kredite für Staat und Bürger erschwinglicher wurden, wurde letztlich ein Konsum auf Pump angeregt.

Der Aufholprozess blieb alles in allem bescheiden, und wenn es ihn gab, war er im Wesentlichen getragen von den Branchen, die - wie die Bauwirtschaft - besonders stark von den billigeren Krediten profitierten. Nachhaltig war das aber nicht, wie man heute nach dem Platzen der Immobilienblase sieht.

Von diesem Verhaltensmuster wich ein Land ab: Irland galt lange als Vorbild, wie man EU-Fördermittel und die Euro-Dividende geschickt anlegt. Es förderte insbesondere den Finanzsektor und dies so erfolgreich, dass das irische Pro-Kopf-Einkommen 2007 sogar gut 30 Prozent über dem Durchschnitt der Euroländer lag. Allerdings zeigt sich hier, dass Subventionen und billiges Geld auch zu Fehlentwicklungen in anderer Hinsicht führen können. Die einseitige Förderung eines Sektors erhöhte die Krisenanfälligkeit nämlich beträchtlich, wie Irland inzwischen schmerzhaft erleben musste.


Dr. Roland Döhrn, Jahrgang 1954, studierte Volkswirtschaftslehre in Mainz und Bochum und arbeitet seit 1978 beim Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsforschungsinstitut (RWI)in Essen. Seit 2002 leitet er den Kompetenzbereich "Wachstum und Konjunktur". Seit 2009 hat er eine Honorarprofessur an der Universität Duisburg-Essen.

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