Dienstag, 2. September 2014MESZ16:02 Uhr

Radiofeuilleton - Kino und Film

Dokumentarfilm"Die Alm is wie so a Sucht"
Die Sennerin Lisa Schlagbauer mit ihren Kühen auf einem Bergkamm auf der Rampoldalm in Oberbayern am 15.07.2004.

Es ist eine uralte Kultur, die langsam und weitgehend unbemerkt in Deutschland verschwindet: die kleinen Bauernhöfe. Regisseur Matti Bauer hat für seine Langzeitdokumentation eine bayerische Jungbäuerin zehn Jahre begleitet. Mehr

PorträtKünstlerin zwischen Orient und Okzident
Adnan Maral (l.) und Idil Üner in einer Szene des Films "Einmal Hans mit scharfer Soße".

In der Multi-Kulti-Komödie "Einmal Hans mit scharfer Soße" spielt Idil Üner die Tochter einer türkischen Familie, deren Vater sie unbedingt verheiraten will. Doch Hatice hat weder Lust auf einen deutschen noch auf einen türkischen Mann.Mehr

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Filme der Woche

Neu im KinoAttraktive Chefin im tristen Büro
Der britische Schauspieler Nick Frost

Bruce war drauf und dran, als 13-Jähriger die Salsa-Junioren-WM zu gewinnen. Dann hat er lange mit dem Tanzen nichts mehr am Hut - bis er eine neue Chefin bekommt. Um sie zu beeindrucken, fängt er wieder damit an.Mehr

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Radiofeuilleton - Kino und Film / Archiv | Beitrag vom 07.10.2012

Grenzerfahrungen

"Die Wand" mit Martina Gedeck kommt in die Kinos

Von Christian Berndt

Martina Gedeck, Hauptdarstellerin in "Die Wand"
Martina Gedeck, Hauptdarstellerin in "Die Wand" (picture alliance / dpa - Sebastian Kahnert)

In dem Film "Die Wand" erzählt der Regisseur Roman Pölsler die Geschichte einer Frau, die auf einer Berghütte gefangen ist - durch eine unsichtbare Grenze von der Außenwelt getrennt. Als sie anfängt, sich auf ihre Situation einzustellen, findet sie zu sich selbst.

"Ich schreibe nicht aus Freude am Schreiben. Es hat sich eben so für mich ergeben, dass ich schreiben muss, wenn ich nicht den Verstand verlieren will. Es ist ja keiner da, der für mich denken und sorgen könnte. Ich bin ganz allein."

Mit kurz geschorenem Haar sitzt die Frau am Tisch. Sie schreibt auf, was in dieser einsamen Gefangenschaft geschah - seit jenem rätselhaften Tag, als alles anfing.

Der offene Wagen fährt die Bergstraße entlang. Die Frau, gespielt von Martina Gedeck, sitzt auf der Rückbank. Mit dem befreundeten Ehepaar fährt sie für einen Kurztrip in eine Berghütte. Am Ziel angekommen, wollen die beiden anderen noch mal ins Dorf, die Frau bleibt zurück und geht früh zu Bett. Am nächsten Morgen ist das Ehepaar immer noch nicht da. Besorgt geht sie in Richtung Dorf - dann der Schock.

Zuerst merkt es der Hund, er holt sich eine blutige Nase. Vor ihnen geht es nicht weiter, obwohl kein Hindernis zu sehen ist. Eine unsichtbare Wand verhindert das Fortkommen. Die Frau sucht einen anderen Weg, erkundet die Gegend. Aber irgendwann erkennt sie die furchtbare Wahrheit: Das Gebiet ist durch eine unsichtbare Grenze von der Außenwelt getrennt. Einmal sieht sie eine Hütte. Davor sitzt eine alte Frau, aber sie ist erstarrt, ebenso wie die Natur um sie herum. Die Welt außerhalb der Wand scheint tot und sie die einzige Überlebende zu sein. Irgendwann fängt die Frau an, sich darauf einzustellen. Sie wird zur Bäuerin, ackert und jagt. Die Tiere sind die einzigen Begleiter:

"Nach allem, was wir gemeinsam erlebt haben, ist Bella mehr als meine Kuh geworden, eine arme geduldige Schwester, die ihr Los mit mehr Würde trägt als ich."

Regisseur Roman Pölsler hat "Die Wand" textgetreu nach der Romanvorlage verfilmt und konzentriert die Geschichte mit elegischen Bildern einer urwüchsigen Bergwelt auf das innere Erleben der Heldin. In Martina Gedecks Ausdruck ist die existenzielle Angst zu lesen, aber auch der Stolz, aus eigener Kraft zu überleben - und erst durch eine apokalyptische Katastrophe zu sich selbst zu finden:

"Zum ersten Mal in meinem Leben war ich besänftigt. Es war, als hätte eine große Hand die Uhr in meinem Kopf stillstehen lassen."