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Fazit / Archiv | Beitrag vom 20.06.2012

Gradlinig und vorhersehbar

Vater und Sohn drehen Familiengeschichte "Dein Weg"

Gesehen von Jörg Taszman

Der Weg ist das Ziel: So lautet das etwas abgegriffene Leitmotiv der Familiengeschichte "Dein Weg". Regisseur Emilio Estevez inszenierte mit seinem Vater Martin Sheen in der Hauptrolle einen Film über die Selbstfindung von vier ganz unterschiedlichen Charakteren auf dem Jakobsweg.

Zentrale Figur ist der von Martin Sheen gespielte kalifornische Augenarzt Tom Avery, der seinen Sohn bei einem tragischen Unfall verliert. Als er den Leichnam seines Sohnes aus Frankreich überführen möchte, erfährt er, dass sein Junge als Pilgerer auf dem Jakobsweg tragisch verstarb. Der mürrische Witwer beschließt spontan, nun den Weg des Sohnes zu gehen.

Dabei trifft er auf einen übergewichtigen Holländer, eine zynische, kanadische Kettenraucherin und einen irischen Schriftsteller mit Schreibblockade. Die vier raufen sich zusammen und legen den Weg gemeinsam zurück.

Mit jeder neu eingeführten Figur verliert der Film von Emilio Estevez etwas an Kraft und Charme, bedient leider zunehmend alle erdenklichen Klischees. Peinlicher Höhepunkt ist dann ein stehlender "Zigeuner" nebst reuigem Vater und Folklorefest mit Lagerfeuerromantik und "echter Zigeunermusik" zum Mitklatschen.

Schade, dass diesem Film, der als interessante Auseinandersetzung zwischen einem Vater und seinem toten Sohn beginnt, so die dramaturgische Kraft ausgeht und der wirklich überzeugende Martin Sheen gegen das menschelnde Drehbuch auch nicht mehr anspielen kann. Nett, politisch korrekt, aber zu gradlinig und vorhersehbar.

USA / Spanien 2010, Regie: Emilio Estevez, Darsteller: Martin Sheen, Deborah Kara Unger, James Nesbitt, Yorick van Wageningen, Tchéky Karyo, ohne Altersbeschränkung, 123 Minuten

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Lesen Sie hier die Kritik von Hans-Jörg Pönack.

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