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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.02.2016

Glyphosat Diskussion um Grenzwerte beim Bier

Philip Heldt im Gespräch mit Christopher Ricke und Anke Schäfer

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Maß Bier in Bayern (picture alliance / dpa / Foto: Karl-Josef Hildenbrand)
Eigentlich galt Bier dank des Reinheitsgebots immer als unverdächtig, aber Restbestände des Pflanzengifts Glyphosat sorgen bei Verbrauchern für Irritationen. (picture alliance / dpa / Foto: Karl-Josef Hildenbrand)

Wer den Unkrautvernichter Glyphosat im Bier vermeiden möchte, sollte Bio-Bier trinken oder die Marken genau vergleichen, empfiehlt der Verbraucherschützer Philip Heldt. Unter Experten ist bislang umstritten, ob der Stoff krebserregend ist.

Das Münchener Umweltinstitut hat festgestellt, dass sich in 14 Biersorten Restbestände des Unkrautvernichters Glyphosat von 30 Mikrogramm pro Liter feststellen lassen. Es handelte sich um das 300-fache des Grenzwertes für Trinkwasser in Deutschland. Umstritten ist, ob Glyphosat krebserregend ist.

Werte bei Milch höher als beim Bier

"Für den Biertrinker ist die Gefahr jetzt nicht dramatisch größer als für Menschen, die jetzt kein Bier trinken und sich normal von Gemüse, Brot und Fleisch ernähren", sagte Philip Heldt, Diplom-Biologe und Ökotoxikologe der Verbraucherzentrale NRW im Deutschlandradio Kultur. "Man kann davon ausgehen, dass eigentlich in allen Lebensmitteln, die irgendwie auf dem Acker angebaut werden, Glyphosat-Spuren zu finden sind." Da diese Chemikalie breit verbreitet seien, verwundere es nicht, dass sie auch in Bier gefunden worden sei. Im Vergleich zur Milch, die 50 Mikrogramm pro Liter aufweise, werde dieser Wert aber von keinem der untersuchten Biere überschritten. "Das ist natürlich nicht gut und wünschenswert, dass da Glyphosat überhaupt drin enthalten ist, aber die Grenzwerte sind im Rahmen dessen, was aktuell gesundheitlich als akzeptabel gilt."  

Verständnis für Ärger der Verbraucher  

Heldt sagte, er verstehe, wenn viele Verbraucher besorgt und wütend seien, dass Glyphosat mittlerweile fast überall zu finden sei. Da die Datenlage noch immer unklar sei, könne man nur dazu raten, möglichst wenig von dem Stoff über die Nahrung aufzunehmen.

Umstrittener Stoff

Glyphosat ist die am häufigsten angewendete Chemikalie auf deutschen Äckern. Rund 5500 Tonnen des Unkrautvernichters werden jedes Jahr versprüht - überwiegend in der Landwirtschaft, aber auch in privaten Vorgärten, auf städtischen Grünflächen und entlang der Bahngleise.

Der Wirkstoff selbst und einige Stoffe, die dem verkaufsfertigen Spritzmittel zugesetzt werden, sind umstritten. Die internationale Agentur für Krebsforschung - IARC - stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bestreitet das. In den nächsten Tagen soll die EU darüber entscheiden, ob die Zulassung des Stoffes noch einmal 15 Jahre um verlängert wird.

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