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Interview / Archiv | Beitrag vom 12.02.2013

Glück würdigt Papst Benedikt XVI. als "bedeutende Persönlichkeit"

ZdK-Präsident: Scheidender Pontifex ist ein Mann der Frömmigkeit und des Gebetes

Alois Glück im Gespräch mit Ute Welty

Papst Benedikt XVI. bei der Christmette im Petersdom
Papst Benedikt XVI. bei der Christmette im Petersdom (picture alliance / dpa / Claudio Peri)

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, sieht für die Nachfolge von Papst Benedikt XVI. "möglicherweise sehr viele Wahlgänge", um einen ausreichenden Konsens zu erzielen. Das Amt verlange "viel Durchsetzungsvermögen".

Ute Welty: Die Worte sind schlicht und ergreifend. Auf Lateinisch begründet Papst Benedikt seinen Rücktritt: einfach in der Struktur, komplex in der Situation.

Papst Benedikt: Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.

Welty: Benedikts Rücktritt ist der erste seiner Art seit 719 Jahren. Vor Ostern nun soll der neue Papst gewählt werden. Aber bevor wir den Blick auf einen möglichen Nachfolger werfen, wollen wir Bilanz ziehen zusammen mit Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Guten Morgen, Herr Glück!

Alois Glück: Guten Morgen!

Welty: Knapp 24 Stunden hatte die Nachricht vom Rücktritt jetzt auch bei Ihnen Zeit zu sacken. Was bewegt sie persönlich heute früh mit dem Blick auf die vergangenen acht Jahre?

Glück: Zunächst war es natürlich gestern eine große Überraschung. Es geht natürlich jetzt die Ära eines Papstes aus Deutschland und aus dem deutschsprachigen Raum zu Ende, ein Papst, der sich vor allem auch als geistlicher Leiter und Führer, als Theologe verstanden hat und auch so wahrgenommen wurde.

Ja, und ein Papst, dem es gelang, nach dem großen charismatischen, weltweit beachteten Vorgänger auch wieder ein weltweit beachteter Papst zu sein, was sich unter anderem ja darin zeigt, was wohl niemand für möglich gehalten hat, auch Entwicklung, dass in Rom ja noch mehr Besucher aus aller Welt waren wie bei seinem Vorgänger. Also, so gesehen doch in jeder Beziehung eine bedeutende Persönlichkeit, gerade auch für die geistigen Auseinandersetzungen unserer Zeit.

Welty: Für die Laien in der katholischen Kirche, die Sie ja vertreten, hat Benedikt recht unterschiedliche Bilder entworfen: auf der einen Seite dieser begeisterte Empfang auf dem Weltjugendtreffen 2005 in Köln - das war seine erste Auslandsreise gewesen - und auf der anderen Seite doch recht unnachgiebig, was praktische Konsequenzen angeht. Welches dieser Bilder ist ausschlaggebend für Ihre Bilanz als ZdK-Präsident?

Glück: Ich will es aufgreifen mit den recht unterschiedlichen Bildern, einmal in der Weise, wie Sie es geschildert haben, etwa in großen Welttreffen, aber auch zum Beispiel in Aussagen, wo er etwa zunächst als Bischof von Rom für die Diözese und später als Papst unter anderem wiederholt formuliert hat, die Laien sollen nicht mehr nur Mitarbeiter des Klerus sein, sondern sie sind Mitverantwortliche für die Sendung und das Handeln der Kirche.

Und auf der anderen Seite hat man dann in dem, was konkret immer wieder aus Rom kam - wobei man gleich hinzusetzen muss, nicht in alle Verästelungen hinein ist das ja immer ein Handeln des Papstes -, aber es war dann irgendwo wiederum nicht in der Weise umgesetzt, was immer wieder ja auch an Weite und Impuls sichtbar geworden ist. Aber ich habe schätzen gelernt, dass der Papst sehr zuhört, aufnimmt, auch bei unseren Begegnungen zum Beispiel vonseiten des Zentralkomitees beim Deutschlandbesuch, die Begegnungen in Freiburg, und so gesehen gibt es da natürlich sehr, sehr viele Facetten.

Welty: Wenn der Papst ein so guter Zuhörer war beziehungsweise ist, woran hat es dann gelegen, dass das so an der praktischen Umsetzung fehlte?

Glück: Zunächst einmal glaube ich, dass der – das konnte man auch beobachten –, dass diese leidenschaftliche Geisteserweiterung auch diesem Mann der Frömmigkeit und des Gebetes weniger ein Führer ist. Die Weltkirche, die Kurie in Rom, ist ja auch eine Großorganisation, eine Großorganisation, die auch, ja, viel Durchsetzungsvermögen verlangt.

Ich glaube, dass das die Aufgabe und der Aspekt des Papstamtes ist, der Benedikt XVI. eher weniger lag. Weil die Realität ist, dass sich natürlich auch dann die konservativen und die beharrenden Kräfte immer sehr bestärkt gefühlt haben, jedenfalls immer wieder auch quasi für jede Position ihn in Anspruch genommen haben, ob zu Recht oder zu Unrecht ist nochmals eine andere Frage.

Und das hat natürlich auch zu Irritationen geführt, insbesondere ja dann im Zusammenhang mit dem Thema der Piusbrüder, weil sich dann manche gesagt haben, ja, diese Barmherzigkeit, diese Offenheit, diese Duldsamkeit von Aussagen auch gegen das Konzil sind auf der anderen Seite oft doch sehr schnell Kritik aus dem Umfeld, weniger vom Papst persönlich, gegenüber Leuten, die Reformen für notwendig gehalten haben. Dies alles hat natürlich auch unterschiedliche Einschätzungen ausgelöst.

Welty: Der Papst spricht in seiner Erklärung von Petrus’ Schifflein, das weiter gesteuert werden muss. Nun ist dieses Schifflein ja gerade in der jüngsten Vergangenheit in äußerst schweres Fahrwasser geraten. Was muss Benedikts Nachfolger mitbringen, um die Wogen einigermaßen zu glätten?

Glück: Ja, zunächst einmal leben wir generell in unruhigen Zeiten, und wir dürfen dabei jetzt nicht nur die Debatten und Entwicklungen in Deutschland sehen. Weltweit ist sehr viel Unruhe, die katholische Kirche ist in manchen Regionen oder (…) die Katholiken und die Christen generell sind in manchen Regionen der Welt unter einem extremen Druck, ja auch Gefährdung. Das sind alles Entwicklungen, die natürlich für den jeweiligen Papst große Sorgen machen, Druck sind.

Insgesamt ist es, glaube ich, einfach wichtig, auch die Entwicklungen, die Situationen der Menschen unserer Zeit immer wieder aufs Neue aufzunehmen. Unsere Zeit heißt allerdings auch, dass die Situation meinetwegen in den westlichen Ländern eine deutlich andere ist wie in der afrikanischen Welt oder in der asiatischen Welt.

Und wenn in der Kirche vielleicht die Vielfalt und Einheit, Freiraum für individuelle Entwicklungen bei gleichen Grundsätzen in den verschiedenen kulturellen Räumen und notwendige Einheit der Weltkirche, wenn das, ja, vielleicht aufs Neue etwas gestaltet wird. Das Subsidiaritätsprinzip, das die katholische Kirche hochhält in gesellschaftspolitischen Fragen, auch in der Kirche selbst noch mehr zur Geltung kommt, das könnten wichtige Impulse sein.

Welty: Gibt es für Sie den einen, den Sie sich wünschen würden?

Glück: Nein, dafür kenne ich jetzt zu wenig diese Persönlichkeiten. Und was von verschiedensten Seiten, die da mehr wissen, zu hören ist, es gibt gegenwärtig keinen Favoriten, keine herausragende Persönlichkeit. Das heißt, es werden jetzt noch viele Namen genannt werden. Es gibt - man weiß es nicht - dieses Mal möglicherweise sehr viele Wahlgänge, bis sich nicht nur eine neue Persönlichkeit, sondern ein Konsens, ein ausreichender Konsens, etwa eine Zweidrittelmehrheit für eine weitere Entwicklung herausstellt.

Welty: Benedikt XVI. tritt zurück. Darüber sprach ich mit Alois Glück, dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Und ich danke herzlich!

Glück: Ich danke auch!


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.