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Studio 9 | Beitrag vom 20.02.2016

GlosseÖsterreichs Süden lückenlos schließen? - Machen wir!

Von Eleonora Pauli

Ein Symbolbild für nebeneinanderstehende Menschen (picture alliance / dpa)
Ein Symbolbild für nebeneinanderstehende Menschen (picture alliance / dpa)

Noch vor dem EU-Gipfel zur Flüchtlingskrise verblüffte Österreich mit einem Vorschlag: die südliche Grenze einfach schließen. Eleonora Pauli hat diesen Vorschlag wörtlich genommen und ganz genau nachgerechnet.

430 Kilometer lang ist die Grenze, die Österreich von Italien trennt, 330 Kilometer die zu Slowenien und 356 Kilometer die zu Ungarn - macht zusammenaddiert 1.116 Kilometer Südgrenze, lückenlos zu bewachen, bitte.

Wie aber können – runden wir mal auf –  knapp 8,7 Millionen Österreicherinnen und Österreicher diesen logistischen Stacheldrahtseil-Akt leisten? Ich überlege: Der Durchschnitts-Österreicher braucht beim lässigen Stehen einen Meter Platz. Wunderbar, um den Grenzstreifen abzudecken - am besten gleich händchenhaltend mit der Nachbarin, dadurch ließen sich etwaige Löcher schließen.

Über die Vorteile dicker Landsmänner beim Sichern der Grenze

1.116  Kilometer Grenze, das sind 1.116.000 Meter. Für die geplante lückenlose Schließung der Südgrenze benötigt man also 1.116.000 Österreicher und Österreicherinnen. Aufgerundet sind das Dreizehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Doch wer möchte schon auf einem verschneiten Pass stehen? Scharf spähen österreichische Augen im Schneegestöber nach "gewaltsam vorgehenden" Flipflopträgern und flinken Flüchtlingskindern und sichten doch nur deutsche Skitouristen, die - verärgert über die Menschenkette auf der Piste - Absprungschanzen bauen. Einziger Ausweg aus dieser desolaten Lage: die Anzahl der beteiligten Österreicher muss reduziert werden.

Und wieder komme ich ins Rechnen… Ein dicker Österreicher nimmt mit seinem Bauchumfang von bis zu 200 cm auch im Stand deutlich mehr Platz ein, als sein durchschnittlich gebauter Mitbürger. Bei bequemer Platzierung auf dem Grenzstreifen könnte ein übergewichtiger Österreicher also 1,5 Meter abdecken - also 50 cm mehr Grenzlinie als in der ursprünglichen Rechnung.

Mit 8,6 Prozent gut dabei

Bei lückenloser Bauch-an-Bauch-Schließung der 1.116 Kilometer langen Südgrenze benötigt man so nur noch 744.000 Österreicherinnen und Österreicher, was einem Anteil von mageren 8,6 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Die Grenze ist durch die neu geschaffene Fleischmauer wirklich dicht, nicht nur lückenlos - da kann kein Hungriger mehr unter Österreichischen Armen durchschlüpfen. Ich rechne eine Woche zurück: Da habe ich den Brenner das letzte Mal von Italien aus passiert - ohne Anstehen, ohne Durchpressen, ohne dicke Österreicher am Bauch kitzeln zu müssen. So war das mal im Schengen-Raum. Aber mit Schengen kann man jetzt scheinbar nicht mehr rechnen. 

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