Seit 20:03 Uhr Konzert
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 20:03 Uhr Konzert
 
 

Interview | Beitrag vom 30.11.2016

Globalisierung und PopulismusSehnsucht nach einfachen Antworten

Barbara Wolf-Wicha im Gespräch mit André Hatting

Beitrag hören
Demonstration von Rechtspopulisten und rechten Gruppierungen unter dem Motto "Merkel muss weg" in Berlin (Imago/ Seeliger)
Demonstration von Rechtspopulisten in Berlin. Viele Menschen folgen dieser Strömung aus Angst vor der Globalisierung, zeigt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. (Imago/ Seeliger)

Ein Rechtsruck aus Angst vor der Globalisierung sei meist mit Desinformation verbunden, sagt die Politikwissenschaftlerin Barbara Wolf-Wicha. So verfielen viele Menschen den Populisten, die gezielt Ängste mit den Themen Migration und Einwanderung schürten.

Barbara Wolf-Wicha, Politikwissenschaftlerin an der Universität Salzburg, kommentiert im Deutschlandradio Kultur die von der Bertelsmann-Stiftung erstellte Studie zum Erstarken populistischer Strömungen in Europa. Sie hatte ergeben, dass die Angst vor der Globalisierung die Menschen ins rechte Spektrum rücken lässt.

Prognosen über die am kommenden Wochenende stattfindende Bundespräsidentenwahl in Österreich wollte Wolf-Wicha vor dem Hintergrund der Studie nicht geben. Sie verwies auf allgemeine Tendenzen:

"Die einfachen Antworten scheinen leider Gottes in der Bevölkerung doch sehr stark zu verfangen. Die Sorge, die geschürt wird vor Migration, vor Überfremdung. Das sind alles Begriffe, die wir zwar aus altem Vokabular kennen. Aber sie scheinen immer noch zu verfangen."

Unterschied zwischen Stadt und Land

Beim Durchsehen der Bertelsmann-Studie sei ihr der Unterschied zwischen Stadt und Land besonders aufgefallen, so Wolf-Wicha. Diese Erkenntnis korrespondiere mit einer Studie über kleine, periphere Dörfer in Ostdeutschland, an der sie im Moment arbeite:

"Da ist es schon sehr auffällig, dass dieses Gefühl, abgehängt zu sein und nicht mehr im Wirtschaftsleben integriert zu sein, in den Dörfern offensichtlich eine sehr große Rolle spielt."

Gefühl der Bedrohung und mangelnde Information

Doch warum nehmen so viele Menschen die Globalisierung überhaupt als Gefahr wahr? Oft handele es sich um ein Gefühl der Bedrohung, dem allerdings der Hintergrund der Information gänzlich fehle, urteilt Wolf-Wicha. So verfalle man leicht der Meinungsmache vieler Populisten:

"Der Hauptfehler ist, dass versucht wurde - gerade von den rechten Parteien – zu sagen: 'Alles, was auf uns zukommt, was mit Einwanderung zu tun hat, was mit Migration zu tun hat, ist eine Bedrohung.' Und dann wird daraus sofort die Schlussfolgerung gezogen: 'Schaut doch, es geht Euch jetzt gar nicht besser.' Das ist in Wahrheit der größte Schwachsinn überhaupt."

Wirtschaftliche Vorteile durch Globalisierung

Durch die Globalisierung hätten die meisten mitteleuropäischen Länder wirtschaftliche Zuwächse erzielen können, betonte Wolf-Wicha. Diese Tatsache werde in den Diskussionen kaum berücksichtigt: 

"Wenn man sich die Zahlen anschaut, ist das Einkommen durch die Teilnahme am globalen Markt gestiegen. Wenn ich Österreich nehme: Wir hätten also ziemlich traurig dreingeschaut, wenn es zum Beispiel einen unserer zentralen Fokuspunkte wie den Tourismus nicht gebe."

Mehr zum Thema

Studie - Angst vor Globalisierung hilft Populisten
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 30.11.2016)

Rechtspopulismus - Die Rache der Dörfer
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 14.11.2016)

Weltbürgerbewegung - Schafft den Nationalstaat ab!
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 30.11.2016)

Verfassungsreferendum in Italien - Kampf mit dem "Gespenst des Populismus"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 30.11.2016)

Politikwissenschaftler Piotr Buras - "Es wird ziemlich einsam für Polen"
(Deutschlandradio Kultur, Tacheles, 26.11.2016)

Interview

Mensch und NaturIst Artensterben wirklich schlecht?
Giraffenweibchen Gaia im Giraffenhaus im Zoo in Dresden (Sachsen) (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Dass einzelne Tierarten aussterben, habe es immer gegeben und sei nicht gravierend, meint der Biologe Josef Settele. Derzeit finde allerdings ein vom Menschen verschuldetes Massenartensterben statt, das dem Menschen auch selbst schade.Mehr

Mariä EmpfängnisVom Mythos Jungfrau im 21. Jahrhundert
Bildnis von Maria, die Jesus die Brust gibt. (Imago / robertharding)

Geht der Jungfräulichkeitsmythos auf einen Übersetzungsfehler zurück? Am 8. Dezember feiern Katholiken Mariä Empfängnis. Kulturwissenschaftlerin Anke Bernau erklärt die Hintergründe und warum Jungfräulichkeit vor allem in patriarchalischen Kulturen wichtig ist.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur