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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 13.09.2014

Giovanni MaioWas ist gute Medizin?

Moderation: Susanne Führer

Der Philosoph, Mediziner und Medizinethiker Giovanni Maio (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)
Der Philosoph, Mediziner und Medizinethiker Giovanni Maio (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)

Zu viele Apparate, zu wenig Zuwendung - die Medizin habe sich in eine falsche Richtung entwickelt, meint der Bioethiker Giovanni Maio. Er fordert einen grundsätzlich neuen Ansatz im Gesundheitswesen.

Was ist gute Medizin? Wo liegen ihre Grenzen? Soll in der Medizin alles machbar sein? Diese Fragen beschäftigen Giovanni Maio seit Jahren. Der Professor für Bioethik und Medizinethik an der Albert-Ludwigs-Universität Universität Freiburg erhebt oft und kritisch das Wort, sei es in der Debatte um Organspende, um Gentests, die Reproduktionsmedizin – oder aktuell um den ärztlich assistierten Suizid. Seine Mahnung:

"Die Medizin muss auf andere Füße gestellt werden. Sie ist eine Kunst der Zuwendung zu gebrechlichem Leben – und dies darf von der Medizin selbst nicht abgewertet werden."

Der Ethiker ist ein vehementer Kritiker der Medizin als "Reparaturbetrieb", der Ökonomisierung und Entmenschlichung der Medizin. Er sieht sie als Kunst, nicht als Geschäft. Und er plädiert dafür, auch die Grenzen der Medizin anzuerkennen – und damit auch den Wert des Lebens neu zu definieren:

"Ich plädiere für eine Beziehungsmedizin, für eine sprechende Medizin – daraus eröffnen sich alle möglichen Perspektiven für den Kranken. Heute wird das Gespräch mit dem Arzt abgewertet; wir bauen die Beziehungsmedizin ab und bauen die Apparatemedizin auf. Wir diskutieren über Sterbehilfe und Gentechnik. Aber die Medizin muss sich von den Machbarkeitsvorstellungen abwenden."

Bild eines jederzeit perfektionierbaren Lebens

Die moderne Medizin suggeriere das Bild von einem jederzeit perfektionierbaren Leben. Dank modernster Techniken könne sie Krankheiten besiegen, Leben verlängern, den Körper verschönern und die Leistungsfähigkeit steigern.

"Aber wird unser Leben durch die Verheißungen einer zunehmend technisierten Medizin tatsächlich besser?"

Seine Überlegungen hat der Mediziner in seinem aktuellen Buch "Medizin ohne Maß. Vom Diktat des Machbaren zu einer Ethik der Besonnenheit" zusammengefasst. Seine Überzeugung:

"Das erfüllte Leben ist nur möglich, wenn der Mensch einen guten Umgang mit der Grenze erlernt."

Was ist gute Medizin? Darüber diskutiert Susanne Führer heute von 9:05 Uhr bis 11 Uhr mit Giovanni Maio. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen und Fragen stellen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de

Mehr zum Thema:

Informationen im Internet:
Über Giovanni Maio

Literaturhinweis:
Giovanni Maio: Medizin ohne Maß? Vom Diktat des Machbaren zu einer Ethik der Besonnenheit. Thieme Verlag Stuttgart, 2014

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