Seit 11:05 Uhr Deutschlandrundfahrt
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 11:05 Uhr Deutschlandrundfahrt
 
 

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 13.09.2014

Giovanni MaioWas ist gute Medizin?

Moderation: Susanne Führer

Der Philosoph, Mediziner und Medizinethiker Giovanni Maio (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)
Der Philosoph, Mediziner und Medizinethiker Giovanni Maio (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)

Zu viele Apparate, zu wenig Zuwendung - die Medizin habe sich in eine falsche Richtung entwickelt, meint der Bioethiker Giovanni Maio. Er fordert einen grundsätzlich neuen Ansatz im Gesundheitswesen.

Was ist gute Medizin? Wo liegen ihre Grenzen? Soll in der Medizin alles machbar sein? Diese Fragen beschäftigen Giovanni Maio seit Jahren. Der Professor für Bioethik und Medizinethik an der Albert-Ludwigs-Universität Universität Freiburg erhebt oft und kritisch das Wort, sei es in der Debatte um Organspende, um Gentests, die Reproduktionsmedizin – oder aktuell um den ärztlich assistierten Suizid. Seine Mahnung:

"Die Medizin muss auf andere Füße gestellt werden. Sie ist eine Kunst der Zuwendung zu gebrechlichem Leben – und dies darf von der Medizin selbst nicht abgewertet werden."

Der Ethiker ist ein vehementer Kritiker der Medizin als "Reparaturbetrieb", der Ökonomisierung und Entmenschlichung der Medizin. Er sieht sie als Kunst, nicht als Geschäft. Und er plädiert dafür, auch die Grenzen der Medizin anzuerkennen – und damit auch den Wert des Lebens neu zu definieren:

"Ich plädiere für eine Beziehungsmedizin, für eine sprechende Medizin – daraus eröffnen sich alle möglichen Perspektiven für den Kranken. Heute wird das Gespräch mit dem Arzt abgewertet; wir bauen die Beziehungsmedizin ab und bauen die Apparatemedizin auf. Wir diskutieren über Sterbehilfe und Gentechnik. Aber die Medizin muss sich von den Machbarkeitsvorstellungen abwenden."

Bild eines jederzeit perfektionierbaren Lebens

Die moderne Medizin suggeriere das Bild von einem jederzeit perfektionierbaren Leben. Dank modernster Techniken könne sie Krankheiten besiegen, Leben verlängern, den Körper verschönern und die Leistungsfähigkeit steigern.

"Aber wird unser Leben durch die Verheißungen einer zunehmend technisierten Medizin tatsächlich besser?"

Seine Überlegungen hat der Mediziner in seinem aktuellen Buch "Medizin ohne Maß. Vom Diktat des Machbaren zu einer Ethik der Besonnenheit" zusammengefasst. Seine Überzeugung:

"Das erfüllte Leben ist nur möglich, wenn der Mensch einen guten Umgang mit der Grenze erlernt."

Was ist gute Medizin? Darüber diskutiert Susanne Führer heute von 9:05 Uhr bis 11 Uhr mit Giovanni Maio. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen und Fragen stellen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de

Mehr zum Thema:

Informationen im Internet:
Über Giovanni Maio

Literaturhinweis:
Giovanni Maio: Medizin ohne Maß? Vom Diktat des Machbaren zu einer Ethik der Besonnenheit. Thieme Verlag Stuttgart, 2014

Im Gespräch

GesellschaftWas tun gegen die Kinderarmut in Deutschland?
Hilfsbedürftige Kinder erhalten am 03.08.2016 in Dresden (Sachsen) Zuckertüten zum Schulanfang, die von verschiedenen Sponsoren bei der AWO Aktion Zuckertüte gespendet wurden. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Aus armen Kindern werden oft arme Erwachsene, warnt Stefan Sell. Er glaubt: Maßnahmen gegen Kinderarmut müssen bei der Familie ansetzen. Claudia Held sagt: Arme Kinder brauchen eine besondere Form der Lebensbegleitung. Wir diskutieren mit unseren Gästen, was man gegen Kinderarmut tun kann.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur