Seit 20:03 Uhr Konzert
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 20:03 Uhr Konzert
 
 

Mahlzeit / Archiv | Beitrag vom 21.11.2010

Giftiger Mais

Gemüse ist nicht immer so gesund, wie man denkt

Von Udo Pollmer

Genmais: weniger Gift als herkömmlicher Mais. (AP)
Genmais: weniger Gift als herkömmlicher Mais. (AP)

Die meisten Menschen wünschen sich und ihren Lieben ein starkes Immunsystem. Da darf natürlich die richtige Ernährung nicht fehlen. Aber nicht das Gemüse oder der Joghurt beeinflussen das Immunsystem, sondern ganz andere Substanzen.

Was sollen wir essen, damit unser Immunsystem so fit wird, wie es die Joghurtwerbung verspricht? Ehrlich gesagt, diese Frage ist bis heute nicht beantwortet. Man kennt keinen einzigen Stoff in unserer Nahrung, der dem Immunsystem nachweislich auf die Sprünge hilft, also der tatsächlich dazu führt, dass wir seltener an Infektionen erkranken. Kein Vitamin, kein Mineralstoff und kein sekundärer Pflanzenstoff, bei dem man guten Gewissens der Allgemeinheit eine Extraportion empfehlen könnte. Aber wir kennen Lebensmittel, die unser Immunsystem beeinträchtigen können.

Dazu gehört inzwischen auch der Mais. Eine Forschergruppe aus den USA und aus Ghana hat in einigen afrikanischen Ländern die Sterblichkeit durch AIDS geprüft – und dabei nicht nur, wie sonst üblich, mit sozialen und ökonomischen Faktoren abgeglichen, sondern auch mal mit der Küche. Und siehe da, es ergab sich eine höchst auffällige Korrelation mit dem Verzehr von Mais. Die Autoren wagen sogar zu behaupten, dass der Mais für jede zweite AIDS-Erkrankung im südlichen Afrika verantwortlich sei.

Bei solchen Studien aus Afrika, auch wenn sie von US-Forschern durchgeführt werden, da ist es notwendig, die Datenbasis etwas näher zu betrachten. In diesem Falle wurden die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Welternährungsorganisation FAO zugrunde gelegt. Da sind natürlich auch Schätzungen mit eingeflossen, aber eben nicht zugunsten irgendeiner Theorie. Insofern sind die Ergebnisse noch kein harter Beweis, aber dennoch ernst zu nehmen.

Wie bitte soll der Mais eine Krankheit wie AIDS begünstigen? Die Infektion wird ja wohl kaum mittels Maiskolben übertragen. Der Grund ist recht einfach: Mais ist häufig mit Schimmelgiften belastet, und die werden von Pilzen, namentlich von Fusarien gebildet. Und von diesen Schimmelgiften ist bekannt, dass sie das Immunsystem massiv schädigen. Nicht nur im Tierversuch, sondern auch beim Menschen.

Auch bei uns findet man in Maisprodukten immer wieder erkleckliche Mengen an Schimmelgiften, wenn auch längst nicht Gehalte wie in Afrika. Trotzdem: Unsere Höchstmengen sind hoch angesetzt, schädliche Wirkungen auf das Immunsystem findet man im Labor noch unterhalb der Grenzwerte. Die geplanten Grenzwerte für das besonders kritische T-2- und HT-2-Toxin werden bei Kindern regelmäßig überschritten.

Fachleute, beispielsweise vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, fordern deshalb eine Einschränkung des Maisanbaus. Doch genau das Gegenteil passiert: Der Maisanbau wird bei uns ausgeweitet, er wird subventioniert, weil er Energie vom Acker liefern soll für unsere Biogasanlagen. Durch den vermehrten Anbau infizieren die Pilzsporen in den untergepflügten Wurzelstöcken natürlich auch die Folgekulturen wie Weizen oder Braugerste. Das bedeutet wiederum mehr Rückstände im Brot und im Bier. Eine ganz einfache Möglichkeit das Risiko zu senken, wäre der Anbau des umstrittenen Gen-Maises. Der enthält nur ein Zehntel an Gift wie herkömmlicher Mais. Das hängt damit zusammen, dass der Gen-Mais den Blattläusen nicht bekommt und die übertragen nämlich die Fusarien.

So muss der Verbraucher eben selbst sehen, wo er bleibt. Die einfachste Möglichkeit, das Risiko zu senken, besteht in einer korrekten Verarbeitung des Getreides. Schimmelgifte befinden sich vor allem in den Randschichten. Helles Mehl ist unbedenklich. Es ist also gar nicht so schwer, sich ein wenig gesünder zu ernähren. Mahlzeit!

Literatur:
Williams JH et al: HIV and hepatocellular and esophageal carcinomas related to consumption of mycotoxin-prone foods in sub-Saharan Africa. American Journal of Clinical Nutrition 2010; 92: 154-160
Platthaus M: Strategien zur Minimierung von Mykotoxinen in Lebensmitteln. Laborpraxis 2010; 34: H.7
Dall’Asta C et al: Difficulties in fumonisin determination: the issue of hidden fumonisins. Analytical and Bioanalytical Chemistry 2009; 395: 1335-1345
Wild CP, Gong YY: Mycotoxins and human disease: a largely ignored global health issue. Carcinogenesis 2010; 31: 71.82
Maresca M, Fantini J: Some food-associated mycotoxins as potential risk factors in humans predisposed to chronic intestinal inflammatory diseases. Toxicon 2010; 56: 282-294
Itoh Y et al: Reduction in levels of deoxynivalenol and nivalenol in wheat after industrial milling. Mycotoxins 2005; 55: 27-34
Schollenberger M et al: Natural occurrence of 16 Fusarium toxins in grains and feedstuffs
of plant origin from Germany. Mycopathologia 2006; 161: 43–52
Miller JD, Trenholm HL: Mycotoxins in Grain, Compounds other than Aflatoxin. Eagan Press, St. Paul 1994
Bakan B et al: Fungal growth and Fusarium mycotoxin content in isogenic traditional maize and genetically modified maize grown in France and Spain. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2002; 50: 728-731

Mahlzeit

MahlzeitDer "Insektenburger" ist ethisch problematisch
Speisebohnenkaefer (imago stock&people)

Bei der Suche nach der ethisch, politisch oder sonstwie korrekten Nahrung wird im Netz inzwischen häufig der Insektenburger empfohlen. Doch es gibt Bedenken: Wo bleibt da das Tierwohl? Udo Pollmer ist gespannt, wie die Motten- und Läusesaga weitergeht.Mehr

Mahlzeit!Superfood-Hype um Quinoa
Ria probiert in Köln auf einem Stand bei der internationalen Ernährungsmesse "Anuga" das Inka-Korn Quinoa.  (dpa / Maja Hitij)

Es ist eine Erfolgsgeschichte: Bei den Inkas war Quinoa ein Grundnahrungsmittel, nun wurde das Korn im Westen wiederentdeckt. Es gilt als Superfood, das vor verschiedensten Krankheiten schützt. Doch Quinoa kann auch schädlich sein.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur