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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 07.10.2012

Gespritztes Risiko

Klaus Hartmann: "Impfen, bis der Arzt kommt", Herbig Verlag, München 2012, 220 Seiten

Schutz mit Nebenwirkungen: Klaus Hartmann klärt übers Impfen auf.
Schutz mit Nebenwirkungen: Klaus Hartmann klärt übers Impfen auf. (AP)

Der Mediziner Klaus Hartmann beschreibt in seinem Buch, welche Arten von Impfstoffen es gibt, wie sie wirken - und welche Gefahren von ihnen ausgehen. Es ist ein echtes Grundlagenbuch zum Thema, in dem Pharmafirmen, Gesundheitsbehörden und Ärzte ihr Fett weg kriegen.

Impfen schützt, lautet ein oft wiederholter Satz von Ärzten, Gesundheitsbehörden und Pharmaunternehmen. Der Satz ist richtig, wenn es da nicht die gesundheitlichen Nebenwirkungen gäbe und die oft unheilvolle Verknüpfung von Arzneimittelherstellern und Behörden. Wie Klaus Hartmanns kluges und informatives Buch beweist.

Mit Impfstoffen werden jährlich Beträge im zweistelligen Milliardenbereich verdient. Tendenz steigend. Allein in den vergangenen zehn Jahren haben die Umsätze um 20 Prozent zugenommen. Impfstoffe sind ein lukratives Geschäft und sie haben Zukunftspotenzial, so der Autor. Neue Impfungen zum Beispiel gegen Bluthochdruck und verschiedene Tumorarten befinden sich in Testphasen. Würden sie zugelassen, wäre die Profitspanne enorm. Kaum verwunderlich also, dass alle große Arzneimittelhersteller auch eine große Impfstoff-Sparte haben.

Doch wer jetzt glaubt, der Autor betreibe ein unkontrolliertes Pharma-Bashing, der wird enttäuscht. Klaus Hartmann liefert gut dokumentiertes und solides Hintergrundwissen, erzählt von der Geschichte des Impfens, von Zulassungsmodalitäten bis hin zu aktuellen und zukünftigen Impfstoffen. Und er weiß, wovon er spricht: Hartmann war viele Jahre Mitarbeiter im Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland für die Prüfung von Impfstoffen zuständig ist. Ein Insider also, der - so die traurige Bilanz - zahlreiche Ungereimtheiten im Gesundheitssystem, die die Zulassung, Verwendung und Empfehlen von Impfstoffen betreffen, bis ins aller kleinste Detail kennt. Und so kriegt im Buch auch jeder sein Fett weg: die Pharmafirmen, die Gesundheitsbehörden und die Ärzte.

Hartmann lässt kein Detail aus und zeigt anhand verschiedener Fallbeispiele die Konsequenzen von Profitstreben und verbraucherfeindlichen Richtlinien. Der Einzelne bleibt fast immer auf der Strecke. So wie die 36-jährigen Silvia H., die seit einer Hepatitisimpfung an massiven Erschöpfungszuständen und Muskelentzündungen leidet. Erst nach jahrelangem Suchen, wird deutlich: ein Impfstoffverstärker, in der Fachsprache Adjuvans, der Aluminiumhydroxid enthielt, ist die Ursache.

Impfstoffverstärker sind bei vielen Impfstoffen im Einsatz und sie sind immer wieder in der Kritik - das letzte Mal, als es um die Schweinegrippe ging. Richtig mulmig wird einem aber spätestens dann, wenn man liest, wie über ihren Einsatz entschieden wird - obwohl es Studien gibt, die auf schwere gesundheitliche Probleme hinweisen. Hartmann zeigt, wie eng Pharmafirmen und Behörden oft miteinander verbunden sind und dass wichtige Amtsträger aus dem öffentlichen Dienst, die über Zulassung und Empfehlung von Impfungen entscheiden, öfter als gedacht in hohe Positionen bei Pharmaunternehmen wechseln.

Trotzdem - und das ist wichtig: Klaus Hartmann ist kein Impfgegner. Sein Anliegen lautet: Impfen muss sicher und sinnvoll sein. Deshalb übt er nicht nur Kritik, sondern klärt auf - auch wie das Immunsystem funktioniert, welche Arten von Impfstoffen es gibt und wie sie wirken. Herausgekommen ist so ein echtes Grundlagenbuch zum Thema.

Besprochen von Susanne Nessler

Klaus Hartmann: Impfen, bis der Arzt kommt. Wenn bei Pharmakonzernen Profit über Gesundheit geht
Herbig Verlag, München 2012
220 Seiten, 19,99 Euro