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Thema / Archiv | Beitrag vom 05.01.2011

Gespaltene Erinnerung

Lutz Rathenow würdigt die Dichterin Eva Strittmatter

Rathenow über Strittmatter: Sie hatte die Leser auf ihrer Seite.  (picture-alliance / Berliner Zeitung)
Rathenow über Strittmatter: Sie hatte die Leser auf ihrer Seite. (picture-alliance / Berliner Zeitung)

Nach Einschätzung des Schriftstellers Lutz Rathenow ist die Wahrnehmung von Autoren in Ost- und Westdeutschland auch 20 Jahre nach der Wende geteilt. Die DDR-Literatur sei "in verschiedene Bereiche zerfallen", die unterschiedlich wahrgenommen würden, sagte Rathenow.

Der ehemalige DDR-Bürger zeigte sich nicht überrascht, dass Zeitungen mit überwiegend ostdeutscher Leserschaft ausführliche Nachrufe auf Eva Strittmatter veröffentlichten, viele westdeutsche Blätter hingegen nur kurze Meldungen.

Aus großer Entfernung - zum Beispiel "aus Frankfurt am Main" - betrachtet, könne es sein, dass die Lyrikerin als unpolitisch und linientreu erschien. "Aus Frankfurt an der Oder gesehen, ist sie natürlich nicht so staatstreu gewesen." Vielmehr handele es sich um "eine Literatur eines Trostes, eines gewissen inneren Rückzuges", sagte Rathenow. Ihm und seinen Kollegen im Jenaer "Arbeitskreis Literatur" seien die Gedichte Strittmatters weniger interessant erschienen als die von Sarah Kirsch, Volker Braun oder anderen Lyrikern. Aber Eva Strittmatter hatte "die Leser auf ihrer Seite" und sie habe "es verdient, respektiert und wahrgenommen zu werden. Es ist eine authentische Stimme".

Wie Rathenow erläuterte, haben Schriftsteller aus der DDR im vereinten Deutschland unterschiedlich gut Fuß gefasst. Am schwierigsten sei die Situation für Autoren der zweiten oder dritten Reihe, die zu DDR-Zeiten weder dort noch im Westen bekannt wurden. Das habe mitunter "eine tragische Komponente", wenn die Betreffenden "sehr eigenwillig" waren und auf manchen Karriereschritt verzichteten. Dennoch würden sie als "irgendwie DDR-kontaminiert" wahrgenommen. Erst wieder den jüngeren Autoren stehe der gesamtdeutsche Literaturmarkt unvoreingenommen gegenüber, so Rathenow. Jemand wie Thomas Brussig sei auch deshalb erfolgreich, "weil er nicht mehr ganz so als DDR-Autor wahrgenommen wurde".

Sie können das vollständige Gespräch mindestens bis zum 5.6.2011 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

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Ich schreibe von der einfachen Sache … - <br> Zum Tod der Dichterin Eva Strittmatter

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