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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.04.2012

Geschichte einer spannungsgeladenen Partnerschaft

Neu im Kino: "Die Königin und der Leibarzt" von Nicolaj Arcel

Von Hannelore Heider

Mads Mikkelsen als Johann Friedrich Struenseein in "Die Königin und der Leibarzt" (dpa/Jiri Hanzl/ MFA+FilmDistribution)
Mads Mikkelsen als Johann Friedrich Struenseein in "Die Königin und der Leibarzt" (dpa/Jiri Hanzl/ MFA+FilmDistribution)

Der dänische Regisseur Nicolaj Arcel hat versucht, einen historischen Stoff für ein möglichst großes Publikum zu inszenieren: eine Skandalbeziehung am dänischen Hof im 18. Jahrhundert. Allerdings: Die Möglichkeiten, die in dieser historisch belegten Geschichte liegen, lotet Arcel nicht aus.

Eine große tragische Liebesgeschichte, ein bildungsbeflissener Historienfilm, ein prächtig ausgestattetes Kostümepos – die Liebesgeschichte zwischen der dänischen Königin Caroline Mathilde, die als britische Prinzessin 1766 dem dänischen König Christian VII. angetraut wurde, und dem königlichen Leibarzt Johann Friedrich Struensee ist eine wahre Skandalgeschichte, die einige Kinoqualitäten vereint.

Regisseur Nicolaj Arcel hat gemeinsam mit seinem langjährigen Ko-Drehbuchautor Rasmus Heisterberg (u.a. "Verblendung") aus der historisch belegten Geschichte ein an Schauwerten reiches Kinostück gezaubert, das auf der vergangenen Berlinale mit dem Silbernen Bären für das beste Drehbuch geadelt wurde.

Das traf durchaus nicht auf allgemeinen Beifall, denn dabei herausgekommen ist ein auf die Dauer eher langweilender Film, der allzu sichtbar auf den Geschmack eines möglichst großen Publikums zielt. Diesen wird er sicher auch befriedigen, die Möglichkeiten, die in dieser historisch belegten Geschichte liegen, lotet er leider nicht aus. Denn die arrangierte, für die junge gebildete Prinzessin (Alicia Vikander) zutiefst frustrierende königliche Verbindung ins kalte Kopenhagen traf in eine Zeit, in der aufklärerisches Gedankengut Europa erschütterte.

Der deutsche Arzt Johann Friedrich Struensee (Mads Mikkelsen) kommt durch einen Zufall an den Hof und findet im jungen König Christian VII. (Mikkel Boe Folsgaard) einen zutiefst verstörten - heute würde man sagen "verhaltensauffälligen" - Charakter, der mit seinen Verrücktheiten die konservativen Hofschranzen und die Macht versessene Königinmutter zur Verzweiflung bringt.

Mit einiger psychotherapeutischer Einfühlung kann Struensee den jungen König nicht nur zu seinem Vertrauten machen, sondern den durchaus intelligenten Mann auch dazu bewegen, grundlegende gesellschaftliche Reformen im Staatsaufbau einzuleiten. Dieses politische Machtspiel ist die interessanteste Facette des Historienfilmes, auch weil sie den jungen König und den aufgeklärten, durchaus skrupellos kämpfenden Intellektuellen in spannungsgeladener Partnerschaft zeigt.

Die interessantere Rolle hat dabei Mikkel Boe Folsgaard als König, der dafür überraschend, aber nicht unverdient den Silbernen Bären als Bester Hauptdarsteller bekam. Leider rückt der Film jedoch die Liebesgeschichte zwischen der jungen Königin und dem Leibarzt immer mehr in den Vordergrund, deren Tiefe und Tragik von der jungen Alicia Vikander an der Seite des wuchtigen Charakterdarstellers Mads Mikkelsen freilich nie ganz glaubhaft gemacht werden kann. Die Sache geht natürlich tragisch aus, was der Film in seiner konventionellen Inszenierung mit wunderschönen Bildern dann auch brav bis zum Ende erzählt.

Dänemark, BRD, Schweden, Tschechien 2012, Regie: Nicolaj Arcel, Darsteller: Mads Mikkelsen, Mikkel Boe Folsgaard, Alicia Vikander, Trine Dyrholm, ab 12 Jahren, 137 Minuten

Weiterführende Informationen:

Filmhomepage "Die Königin und der Leibarzt"

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Scheitern eines Aufklärers

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