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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.06.2009

Gescheiterte Utopien

Theaterfestival "Stücke 09" in Mülheim an der Ruhr

Von Ulrike Gondorf

Zu den aufgeführten Stücken gehörte "Rechnitz (Der Würgeengel)" von Elfriede Jelinek. (AP)
Zu den aufgeführten Stücken gehörte "Rechnitz (Der Würgeengel)" von Elfriede Jelinek. (AP)

Bei den 34. Mühlheimer Theatertagen "Stücke 09" wurden sieben neue Theaterstücke vorgestellt - darunter vor allem Gegenwartsdramatik von bekannten Autoren wie Elfriede Jelinek und René Pollesch. Gescheiterte Utopien und die Rückschau auf verpasste Lebenschancen waren die Hauptthemen.

Für zwei Wochen im Frühsommer verwandelt sich Mülheim alljährlich in Mekka, jedenfalls für diejenigen, die wissen wollen, was es an neuen Theaterstücken gibt auf deutschsprachigen Bühnen. Sieben Inszenierungen in knapp zwei Wochen konnte man in diesem Jahr sehen. Das typische Mülheim-Publikum aus fortgeschrittenen Theaterfans, Medien- und Theaterleuten füllte die Säle zwar nicht immer bis auf den letzten Platz, aber doch weitgehend. Es brachte auch Interesse und Energie auf, nach den Vorstellungen mit Autoren, Darstellern und Jurymitgliedern zu diskutieren, wie es guter Brauch ist bei diesem Festival. Mülheim erwies also durchaus einmal wieder seine Vitalität als Forum der Gegenwartsdramatik.

Wenn man sich doch mit leichter Enttäuschung von diesem Jahrgang verabschiedet, so lag das daran, dass wirkliche Neuentdeckungen ausblieben. Hatte man im vergangenen Jahr eine ganze Reihe Debütanten entdecken können wie Ewald Palmetshofer, Felicia Zeller oder Philip Löhle, so wurde das Programm in diesem Jahr dominiert von "Mülheim-Klassikern" wie Elfriede Jelinek oder René Pollesch. Entsprechend waren die vorgestellten Autoren im Durchschnitt auch schon eine Generation älter – und auch ihre Themen spiegelten das wider. Gescheiterte Utopien und die Rückschau auf verpasste Lebensmöglichkeiten zogen sich wie ein roter Faden durch die Abende. Es war ein Stückemarkt, den die Mitte-40-Jährigen, arrivierten Autoren bestimmten: neben Jelinek und Pollesch waren das Roland Schimmelpfennig, Oliver Bukowski, Sybille Berg und (Mülheim-Debütant mit seinem 32. Theaterstück!) Lutz Hübner. Man sah also Profis am Werk, vermisste aber neue Töne und gewagte Experimente.

Dabei war die künstlerische Qualität der gezeigten Produktionen durchaus überzeugend und schauspielerische Glanzleistungen ließen die "stücke" wieder zu einem Theaterfest werden. Sophie Rois und Martin Wuttke, Corinna Harfouch und André Jung, Samuel Weiss, Jana Schulz und Michael Prelle setzten Höhepunkte. Und Roland Schimmelpfennigs "Hier und Jetzt" in der Inszenierung von Jürgen Gosch vom Schauspielhaus Zürich bewährte sich nach dem Berliner Theatertreffen auch in Mülheim als Ausnahmeabend.

Stücke 09 - 34. Mülheimer Theatertage NRW

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