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Lesart / Archiv | Beitrag vom 03.11.2014

Georg TraklDichter der Dunkelheit

Vor 100 Jahren starb der Lyriker Georg Trakl

Tom Schulz und Gunnar Decker im Gespräch mit Joachim Scholl

Paul Herwig als Georg Trakl in "Der Abschied", Schauspieler mit Glatze, hellem aufgerissenen Hemd und grauer Hose auf einer dunklen Bühne (dpa/picture alliance/Barbara Gindl)
Inspiriert Künstler bis heute: Schauspieler Paul Herwig als Georg Trakl in "Der Abschied", Salzburger Festspiele. (dpa/picture alliance/Barbara Gindl)

Sucht und Schmerz, Rausch und Vernichtung zeichnen das Werk des Expressionisten Georg Trakl aus. Vor 100 Jahren starb der österreichische Dichter im Alter von 27 Jahren an einer Überdosis Kokain. Seine Lyrik aber bewegt noch heute.

Drogen, Ekstase und die Liebe zu seiner Schwester Grete - all das gehört zur Biografie des Dichters Georg Trakl. Aber auch der Erste Weltkrieg war ein wesentlicher Bezugspunkt im kurzen Leben Trakls, der heute vor 100 Jahren an den Folgen einer Überdosis Kokain gestorben ist.

Die ersten Gedichte, die er von Georg Trakl gelesen habe, seien für ihn "eine ungeheure Begegnung gewesen", sagte der Lyriker Tom Schulz im Deutschlandradio Kultur. Gerade in der Zeit des Aufbruchs in der DDR sei der Expressionist für ihn ein "Beichtbruder und ein imaginärer Freund der Dunkelheit geworden".

Schulz: Trakl hat viele Lyriker bewegt

Schulz hat kürzlich eine Anthologie mitherausgegeben, in der 50 deutsche Schriftsteller ihren persönlichen Blick auf Georg Trakl werfen. "Wir hätten 100 oder 150 kriegen können, trotz des geringen Honorars", sagte er. Dies zeige, "dass Trakl viele bewegt hat". Es gebe einige Lyriker, die von ihm beeinflusst wurden - "zumeist in ihren jüngeren Jahren".

Obwohl seine Texte von Sucht und Schmerz, Rausch und Vernichtung handeln, müsse Georg Trakl nicht zwangsläufig ein unglücklicher Mensch gewesen sein. Das meint der Literaturhistoriker Gunnar Decker, der kürzlich ein Buch über Trakl herausgebracht hat. "Für einen Dichter ist ja das Schreiben Glück, das Erschaffen einer Gegenwelt", sagte er im Deutschlandradio Kultur. "Und Trakl ist, denke ich, der intensivste Bewohner einer selbst geschaffenen Gegenwelt."

Mehr zum Thema:

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