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Mahlzeit / Archiv | Beitrag vom 15.07.2012

Genussmittel aus Südafrika

Rooibostee ist nicht unbedingt ein "gesünderes" Getränk als Kaffee

Von Udo Pollmer

Ein Glas Rooibostee genießt der britische Thronfolger Prinz Charles bei einem Besuch in Südafrika
Ein Glas Rooibostee genießt der britische Thronfolger Prinz Charles bei einem Besuch in Südafrika (dpa / picture alliance / AFP / Mike Hutchings)

Wer kennt ihn nicht, den Rooibostee, das Szenegetränk all jener, die bewusst auf aufputschende Getränke verzichten wollen. In der Tat ist der Tee frei von Koffein, aber ist er dadurch bereits besser als Schwarztee oder Kaffee?

<p>Er wird immer beliebter, zumindest in Deutschland: Der Rooibostee aus Südafrika. Wir Deutsche sind denn auch die Hauptabnehmer. Der Rotbusch oder Rooibos, wie er auf Afrikaans heißt, wächst in den Zederbergen, einer trockenen und kargen Gebirgswelt, in der vor allem Gestrüpp gedeiht. <br /><br />Die gewerbliche Nutzung des Strauchs begann 1904 durch einen russischen Teehändler, nachdem er das daraus gebraute Getränk bei den Einheimischen kennengelernt hatte. Bis zum kommerziellen Anbau sollten allerdings noch Jahrzehnte vergehen. Eine Produktion außerhalb Südafrikas war bisher nicht von Erfolg gekrönt, und das, obwohl die Pflanze vor allem eins ist: anspruchslos. Der Grund, warum es bisher nicht gelang, das Strauchwerk außerhalb Südafrikas zu etablieren, liegt an den besonderen Bodenbakterien im Wurzelraum, die die Pflanze benötigt. Zudem wird der Strauch von speziellen Insekten bestäubt. <br /><br />Die Ernte erfolgt während der Sommermonate – also vom Januar bis April. In den Plantagen wird der Rotbusch einen halben Meter über dem Boden abgeschnitten. Nach etwa fünf Jahren Nutzungsdauer ist der Strauch erschöpft, dann werden die Anlagen gerodet und neu bepflanzt. Das Erntegut kommt in einen Schredder, wird etwas angefeuchtet und auf Haufen geschichtet. Über Nacht gärt die Masse, dabei entwickelt der eigentlich grüne Rooibos seine rotbraune Farbe. Anschließend wird getrocknet, damit es nicht schimmelt.<br /><br />Angeblich wächst der Rotbusch fernab der Zivilisation ohne jede Chemie heran, aber es gibt wie überall auf der Welt allerlei Schädlinge und Krankheiten. Nicht umsonst wurde im Lebensmittelrecht Südafrikas für Rooibostee eine Reihe von Höchstmengen für Pestizide erlassen. Aufgrund der schnell steigenden Nachfrage unterscheidet sich die Produktion nicht von anderen Teeplantagen. Nach den Ergebnissen der deutschen Lebensmittelüberwachung gehört Rooibos zu den am stärksten mit Pestiziden belasteten Teesorten. Dazu kommen erhebliche Gehalte an Aluminium und Mangan. Letzteres ist für mich persönlich ein Grund, den Konsum nicht zu übertreiben.<br /><br />Nach dem Erfolg des Rooibostees schickt sich nun auch der Honigbuschtee an, den deutschen Markt zu erobern. Auch dieses typisch südafrikanische Gewächs wurde früher von den Einheimischen im Bergland gesammelt, fermentiert und als Tee genossen. Der Original-Honigbusch ist durch die fleißige Sammeltätigkeit praktisch ausgerottet. Heute werden stattdessen verwandte und ertragreichere Pflanzen angebaut und unter dem Sammelnamen Honigbusch vermarktet. Honigbusch heißen die Sträucher deshalb, weil die Blüten einen süßlichen honigartigen Duft verströmen. Doch es sind nicht so sehr die hübschen gelben Blüten, die dem Tee seinen typischen Geschmack verleihen, sondern in erster Linie die Fermentation.<br /> <br />Die Tatsache, dass weder Rooibos- noch Honigbuschtee Koffein enthalten, ist kein Zeichen für ein "gesünderes" Getränk, sondern nur dafür, dass beide nicht als Muntermacher taugen. Eher im Gegenteil: Beim Roiboostee wird offenbar die Bildung von Stresshormonen ein wenig gebremst, was ja durchaus von Vorteil wäre. Da aber nicht jeder Mensch alles gleichermaßen verträgt, gibt es natürlich auch Berichte über Nebenwirkungen. Hier sind Leberschäden in Kombination mit Medikamenten zu nennen. Der Grund ist bekannt: Beide Tees beeinflussen Schlüsselenzyme des Entgiftungsstoffwechsels der Leber. Das kann die Wirksamkeit von Arzneimitteln verringern oder verstärken. <br /><br />Wer diese Tees liebt, mag sie ganz entspannt schlürfen, aber bitte nicht der Gesundheit zuliebe, sondern aus Freude am Genuss. Mahlzeit! <br /><br /><strong><em>Literatur</strong><br />Harvey Al et al: Pharmacological actions of the South African medicinal and functional food plant Sceletium tortuosum and its principal alkaloids. Journal of Ethnopharmacology 2011: 137: 1124-1129 <br />Quinn LP et al: Pesticide use in South Africa: one of the largest importers of pesticides in Africa. In: Stoytcheva M: Pesticides in the Modern World. InTech, Rijeka 2011; 49-96<br />Marnewick JL et al: Modulation of hepatic drug metabolizing enzymes and oxidative status by rooibos (Aspalathus linearis) and honeybush (Cyclopia intermedia), green and black (Camellia sinensis) teas in rats. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2003; 51: 8113-8119<br />Donaldson JS: Pollination in agricultural landscapes, a South African perspective. In: Kevan P, Imperatriz Fonseca VL (Hrsg): Pollinating Bees - The Conservation Link Between Agriculture and Nature. Ministry of Environment, Brasília 2002: 97-104<br />Sinisalo M et al: Possible hepatotoxic effect of rooibos tea: a case report. European Journal of Clinical Pharmacology 2010; 66: 427–428<br />Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebesnmittelsicherheit: Berichte zur Lebensmittelsicherheit 2008. Berlin 2009<br />Van Wyk BE: Handbuch der Nahrungspflanzen. WVG, Stuttgart 2005</em></p>
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